DIE ZEIT

Politik verschleißt die Kräfte

Ein deutscher Arzt – der Kölner Internist Professor Schulten – wurde an das Krankenbett eines Mitglieds der Sowjetregierung gerufen.

Die Hypothesendebatte

Es ist die wichtigste Aufgabe dieser Debatte“, so sagte der CDU-Abgeordnete Kiesinger in der großen außenpolitischen Aussprache des Bundestages, „die Unterschiede der Auffassungen und die Begründungen für diese Unterschiede so klar und so deutlich wie möglich vor dem deutschen Volk herausarbeiten“.

Ulbrichts Wahrheit

Auf die alte Pilatusfrage nach der Wahrheit antwortete Walter Ulbricht vor dem Zentralkomitee seiner Partei: „Für uns Marxisten-Leninisten dient das Streben nach objektiver Wahrheit der Ausarbeitung der politischen Linie, die das richtige Handeln garantiert, die die Macht des Arbeiter- und Bauernstaates erhöht, die die führende Rolle der Partei, ihren Einfluß und ihre Verbindung mit den Massen stärkt.

Vorsicht: Arrangeure

Da bringt die SPD den Antrag ein, daß die 22 Berliner Bundestagsabgeordneten, die bisher wohl Sitz, jedoch nicht Stimme im Parlament haben, stimmberechtigt werden sollten.

Gomulka gibt Forschungsfreiheit

Eine Reihe von polnischen Professoren, die in den letzten Jahren zu Unrecht von den Universitäten entfernt wurden, kehrten nunmehr an ihre früheren Lehrstätten zurück.

Handgranate bleibt konventionell

Der Atomtod wird immer handlicher, allerdings noch nicht so handlich, daß er in einer Handgranate Platz fände. Der Nahkampf bleibt also fürs erste konventionell und ebenso die Panzerabwehr auf kurze Strecken.

Das ging zu weit

Mit Stirnrunzeln beobachtet der amerikanische Fiskus die immer mehr um sich greifende Gepflogenheit junger Amerikaner und Amerikaner rinnen, aus Steuergründen Altar und Standesamt fernzubleiben und glücklich vereint – wenn auch in Sünden und ohne den Segen von Kirche und Obrigkeit – zu leben.

Der eiserne Maier

In seiner Berliner Parteitagsrede sagte Dr. Reinhold Maier, indem er auf meinen Bericht über das Stuttgarter FDP-Treffen anspielte: „Der biblische David war ein König, aber kein Prophet! Schlagen Sie sich eine Zwischenregelung aus dem Kopf.

ZEITSPIEGEL

Präsident Nasser hat mit russischem Einverständnis mehrere Militärs in Zivil nach Ostberlin mit dem Auftrag entsandt, dort ehemalige Angehörige des deutschen Afrikakorps aufzusuchen und ihnen großzügige Zweijahresverträge für die Ausbildung ägyptischer Einheiten anzubieten.

Meine Neger, deine Neger...

Jede französische Regierung, die ihre Fortschrittlichkeit demonstrieren möchte, hat in ihren Reihen einen Neger aufzuweisen.

Luftschutz im Atomkrieg

Während die öffentliche Diskussion über den Schutz der Zivilbevölkerung in einem Atomkrieg im allgemeinen noch von den Vorstellungen und Erfahrungen des zweiten Weltkrieges ausgeht, beweisen uns die Fachleute, daß angesichts der zerstörenden Kraft der Kernwaffen ein ausreichender Schutz der Bevölkerung mit den bisherigen Methoden nicht mehr gewährleistet werden kann.

Terrorist wird Nationalheld

Wichtiger als alles bleibt doch die Wiedervereinigung", erklärte der junge Mann mit dem Pathos dessen, dem es sehr ernst ist.

Wahn kein Wahnsinn

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Entscheidung über den Ort des künftigen Düsenverkehrsflughafens (Düsseldorf-Lohausen oder Köln-Wahn) um „einige Wochen“ verschoben.

Bei den Panzergrenadieren

Als der olivgrüne Bus das Kasernentor passiert, schauen zwei ältere Männer in Phantasieuniformen neugierig auf die ungewohnte, gemischte Gesellschaft von Zivilisten und einigen Offizieren der Bundeswehr.

Hamburg: Offiziere und Bürger in Not

In der Mitte eines Hamburger Schaufensters hängt eine blanke Schiffsglocke aus Messing mit der Aufschrift Rejkjavik 1920. Sie schwebt über einer kuriosen Ansammlung von Gegenständen, einer Art Bodensatz der letzten hundert Jahre.

Rheinland-Pfalz: Was ist ein Haremswächter?

Daß der Karneval eine bitter-ernste Sache ist, mußten in diesen Tagen die Koblenzer erfahren: vor den dichtbesetzten Zuschauerbänken des Verhandlungssaals 111 des Koblenzer Gerichtsgebäudes die Justizverwaltung hatte jene Saalnummer mit bemerkenswertem karnevalistischem Fingerspitzengefühl ausgewählt – lieferten sich die Präsidenten der beiden größten Karnevalsgesellschaften der Stadt, Werner Kratz und Jupp Flohr, ein erbittertes Wortgefecht.

Hessen: Kaffeestunde bei Julia

Übei belohnt wurde die Gastfreundschaft einer jungen Dame im schönen Rheingau, bei der sich am 15. Oktober 1956 zwei junge Männer ausder Winzergemeinde Johannisberg zu Kaffee und Kuchen einfanden.

Laufsteg-Triumphe

Seit Jahr und Tag ist man sich bei uns nicht recht einig darüber, ob wir ihn denn wieder erreicht haben, den vielzitierten und heißersehnten „internationalen Anschluß“.

Niedersachsen: Die Kehrseite der Romantik

Daß die Glaspaläste aus Stahl und Beton, die bei uns allüberall aus dem Boden schießen, nur die eine Seite der bundesdeutschen Wunderwirklichkeit repräsentieren, wird auch dem durchreisenden Touristen klar, wenn er nur lange genug im Lande bleibt, um dem ersten flüchtigen Blick noch einen zweiten, etwas gründlicheren hinterherschicken zu können.

Er dichtete uns alle um

Im letzten Jahrzehnt gab es in Deutschland ein Büchersterben ganz besonderer Art: Schriftsteller der zwanziger wurden der Vergessenheit entrissen und mußten nicht selten erleben, oft bei lebendigem Leibe, daß ihnen die Auferstehung gar nicht bekam; es stellte sich bei dieser Gelegenheit heraus, daß man nicht nur vergessen, sondern außerdem auch noch tot war.

Der Fall Dali

Bevor er nach New York abreiste, wo er fünfzehn seiner neuen Bilder ausstellte, brachte sich Salvador Dali noch einmal den Parisern ins Gedächtnis: Vor der Windmühle von Montmartre (der echten, die aus dem 17.

Für das Jahr 2000 erziehen!

Alle kennen wir den binsenwahren Sprach, mit dem man schon ganze Schülergenerationen aus Interesselosigkeit und Trägheit aufzuscheuchen versuchte – den Spruch, daß man in der Schule nicht für die Schule, sondern für das Leben lerne.

Ernst Wilhelm Eschmann: Aus dem Punktbuch

Das Lesen von Romanen und Erzählungen, und um so mehr, je gleichgültiger, bloß „unterhaltender“ sie sind, ist doch immer eine Art Beschwörung von Schatten wie die des Odysseus in der Unterwelt, bei der die dämmernden Gestalten erst durchden mitgebrachten Wein und das mitgebrachte Blut zu beleben und zum Sprechen zu bringen sind.

Sommersprossen hatte sie auch noch

Sie hieß Irene, ich war sehr verliebt in sie, und meine Mutter konnte sie nicht ausstehen. Die anderen hießen Erika, Helga und Irma, und meine Mutter hatte sie auch nicht ausstehen können.

Tendenz-Theater

Viele Bühnenstücke wären nicht der Rede wert, handelte es sich im Theater nur um Kunst. Praktisch bedeutet sie oft kaum mehr als die anziehende Verpackung für Stoffe, die das Bewußtsein der Zuschauer mehr durch Inhalt als durch Form beeinflussen.

Kann „reine Form“ genügen?

Die Ausstellung, die gegenwärtig in Paris anläßlich der Verleihung des Guggenheim-Preises 1956 stattfindet, ist ein neuer Beweis, daß die verschiedenen Nationen heute in der nonfigurativen Ausdrucksweise eine universale Formensprache gefunden haben.

Dem Empedokles erlegen

Hölderlins Trauerspiel „Der Tod des Empedokles“, in Stuttgart wieder aufgeführt, ist ein dramatisches Gedicht klassischer Form, seine Sprache ein Aufbruch zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten.

Weltbücherei mit Roboterbetrieb

Pläne für eine ultramoderne Bibliothek, die 1959 verwirklicht werden sollen, arbeitet gegenwärtig eine britische Sonderkommission aus.

Notizen

Kulturaufwendungen für Auslandstätigkeit erhöht. Über die 17 Millionen Mark hinaus, die dem Auswärtigen Amt für die Pflege wissenschaftlicher und kultureller Beziehungen zum Ausland zur Verfügung stehen, sollen auf Empfehlung des kulturpolitischen Bundestagsausschusses noch zusätzlich 700 000 Mark bewilligt werden: 300 000 Mark zur Unterstützung der deutschen Krankenhäuser im Ausland und 400 000 Mark für den Versand deutscher Literatur in fremdsprachige Länder.

Des guten Zweiflers Ironie

Schreiben Sie, daß ich Ihnen unbequem war und zu bleiben gedenke. Es gibt da auch nach meinem Tode noch gewisse Möglichkeiten.

20 Stunden gespart

Wer es dann und wann plötzlich eilig hat, vonEuropa nach Japan zu kommen, der kann ab 24. Februar in nur noch 30 Stunden von Kopenhagen nach Tokio fliegen.

Notizen für Reisende

Ausländer meiden deutsche Straßen. Wie von den Grenzübergangsstellen gemeldet wird, ist der Autoreiseverkehr von Österreich nach der Bundesrepublik stark zurückgegangen.

Zum Wintersport nach Rom

Hochalpine“ Winterfreude plus Rom, die Möglichkeit, am Tage über verschneite Berghänge zu gleiten und abends auf der eleganten Via Veneto, dem römischen Modell-Boulevard, zu flanieren oder eine andere Seite des gerade in der sogenannten „toten Saison“ besonders originellen, weil echten römischen Lebens zu kosten – das ist eine Kombination von Reizen, die nur der Terminillo bieten kann.

Start in den Frühling

In den Fenstern der Reisebüros ist der Frühling schon eingekehrt, ebenso in den Prospekten. Nicht nur Frühlingstage an südlichen Seen, an der italienischen und französischen Riviera, am Gardasee und in Südtirol enthält das Programm der „Touropa“.

Kalte Tage auf Ibiza

Untätige Künstler, dreizehn Gepäckträger und der Inselteufel warten auf die Fremden

Die Wildewiese hat Zukunft

Eigentlich ist im Sauerland jetzt Hochsaison für Wintersport. Aber die Warmluft aus den Tälern hat im Augenblick, wo diese Zeilen geschrieben werden, den Schnee auch von den Höhen abgeschmolzen.

Die „Bauchbinde“ wird zu teuer

Auf vielen Gebieten unseres täglichen Verbrauchs dokumentiert sich mit gebührender Deutlichkeit das Ansteigen der Verbraucheranspräche– eine durchaus verständliche Folge des laufend wachsenden Volkseinkommens.

Schlepper an Preis gebunden

Wie zu erwarten war, hat die Flaute auf dem westdeutschen Schleppermarkt im vergangenen Jahr einige Produzenten auch zu Änderungen ihres Vertriebs veranlaßt.

Auf einen Blick ...

In ihrem Januar-Bericht betont die Bank deutscher Länder erneut, daß sich das Tempo der Investitions-Konjunktur seit dem Sommer vergangenen Jahres wesentlich verlangsamt hat, das Konjunkturbild jedoch noch immer Züge zeigt, die den Entspannungstendenzen entgegenwirken.

Entlastete Bahn

Zu einem – infolge seiner Überfälligkeit beinahe schon heroisch zu nennenden – Entschluß hat sich in der vergangenen Woche das Bundeskabinett durchgerungen: die jährlich rund 300 Mill.

Und was geschieht mit Mitteldeutschland?

In den bisherigen Berichten und Kommentaren zu den Brüsseler Verhandlungen über den Gemeinsamen Markt ist eine für die Bundesrepublik wichtige Frage bisher nicht angesprochen worden: das Verhältnis des Gemeinsamen Marktes zur sowjetischen Besatzungszone.

Psychologie um Mark und Pfennig

Der nachfolgende Aufsatz ist dem Buch von Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Ludwig Erhard entnommen, das jetzt aus Anlaß seines 60.

Hannover: export-betont

Hannovers Deutsche Industrie-Messe hat sich von jeher mit besonderer Initiative der Förderung des Außenhandelsgeschäfts gewidmet.

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