M. D., Köln

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Entscheidung über den Ort des künftigen Düsenverkehrsflughafens (Düsseldorf-Lohausen oder Köln-Wahn) um "einige Wochen" verschoben. Man darf annehmen, daß dieser überraschende Aufschub notwendig war, um trotz der bekannten Lohausen-Anhänglichkeit der Düsseldorfer Minister doch noch zu einer Einigung zwischen Landes- und Bundesregierung zu kommen. Die Bonner Regierungsstellen haben vor allem kraft ihrer Flugsicherungs-Hoheit bei der Bestimmung des Düsenverkehrsflughafens für Nordrhein-Westfalen ein wichtiges Wort mitzusprechen.

Die damit jetzt gewonnene Zeit werden die gerade in dieser Frage heftig konkurrierenden Städte Düsseldorf und Köln mit neuen Argumenten für und wider Lohausen oder Wahn zu füllen wissen. Soeben hat sich die Industrie- und Handelskammer zu Köln in die öffentliche Diskussion eingeschaltet. Sie tat dies offenbar in der Absicht, Düsseldorfer Zahlen und Argumente "ins rechte Licht" zu rücken.

Die Kölner Industrie- und Handelskammer geht dann auch auf die verkehrspolitischen Gründe ein, die ihrer Ansicht nach für Wahn als Düsenverkehrsflughafen sprechen. Wenn man den Düsseldorfer Darstellungen Glauben schenken wollte, dann wären alle Städte und Gebiete nördlich der anspruchsvollen Hauptstadt strikt und unversöhnlich gegen Wahn, weil angeblich der Anmarschweg nach Wahn länger als nach Lohausen ist. Die von Düsseldorf so bedauerten Städte sind aber gar nicht gegen Wahn. Es sei nur an den hartnäckigen Widerstand von Duisburg gegen Lohausen erinnert. Auch der Ruhrsiedlungsverband in Essen ist mit Lohausen keineswegs einverstanden. Andere Städte, wie Bochum, Dortmund, Hamm, Hagen, Wuppertal, haben nach dem Bau der Autobahn Köln–Kamen eine mindestens ebenso schnelle Verbindung nach Köln wie nach Düsseldorf. Die Fertigstellung dieser Autobahn fällt in die Zeit der Aufnahme von Düsenverkehrsmaschinen in den Flugdienst.

Wenn nun in einigen Wochen das Düsseldorfer Kabinett zur Flughafenfrage eine Entscheidung zu fällen hat, dann sollten sich die Minister auch aus den Archiven jenen Vorgang kommen lassen, aus dem hervorgeht, daß seinerzeit die Düsseldorfer Landesregierung der Belegung Wahns mit RAF-Einheiten zugestimmt hat, um anderswo landwirtschaftlich genutzten Boden zu schonen. Wenn sich die heutige Landesregierung für Lohausen entscheiden sollte, würde dies bedeuten, daß sie landwirtschaftlich, siedlungs- und industriepolitisch sowie versorgungswirtschaftlich genutzte Flächen opfern wollte. In Wahn wird nur bundeseigenes Heideland benötigt.