avi, Koblenz

Daß der Karneval eine bitter-ernste Sache ist, mußten in diesen Tagen die Koblenzer erfahren: vor den dichtbesetzten Zuschauerbänken des Verhandlungssaals 111 des Koblenzer Gerichtsgebäudes die Justizverwaltung hatte jene Saalnummer mit bemerkenswertem karnevalistischem Fingerspitzengefühl ausgewählt – lieferten sich die Präsidenten der beiden größten Karnevalsgesellschaften der Stadt, Werner Kratz und Jupp Flohr, ein erbittertes Wortgefecht.

Der ehemalige Karnevalsprinz Werner Kratz hatte gegen den ehemaligen Karnevalsprinzen Jupp Flohr Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Flohr hatte im vergangenen Oktober in einem Festzelt der Herbstmesse als Ansager über das altbeliebte Thema der Schwiegermütter geplaudert. Seine Conference – so bekannte er jetzt dem erstaunten Gericht – sei nicht weniger als dreißig Jahre alt. Neu war allerdings die Anregung, ein Koblenzer Schwiegermütterheim zu bauen, die Damen dort zu versammeln und ihnen einen Haremswächter zu bestellen. Für diesen Posten schlug Kratz den Vorsitzenden des Konkurrenz-Karnevalsvereins, Werner Kratz, vor.

Nach einem gescheiterten Sühneversuch führte der Anwalt des Elferratsvorsitzenden Kratz vor dem Amtsgericht aus, ein Haremswächter sei ein "der öffentlichen Lächerlichkeit preisgegebenes bedauernswertes Subjekt". Ihm fehlten zudem gewisse männliche Eigenschaften. Dagegen erklärte der Anwalt Flohrs, der Haremswächter sei laut Meyers Konversationslexikon eine "angesehene, ja sogar äußerst gefragte Persönlichkeit". Schon Mozart lasse überdies in der "Entführung aus dem Serail seinen Haremswächter Osmin einen sonoren Baß singen, was durchaus für die Qualitäten dieses Berufes spreche. Nach diesen kaum miteinander zu vereinbarenden Vorträgen der beiden Rechtsanwälte vertagte sich das Gericht...

Einige Tage später schlossen die beiden Spitzen des Koblenzer Karnevals wider alles Erwarten einen außergerichtlichen Vergleich...