ZEITSPIEGEL – Seite 1

Stoßseufzer der Woche

Den Sozialismus aufbauen ist etwas ganz anderes als Rosen züchten. – Nikita Chruschtschow.

Afrikakämpfer gesucht

Präsident Nasser hat mit russischem Einverständnis mehrere Militärs in Zivil nach Ostberlin mit dem Auftrag entsandt, dort ehemalige Angehörige des deutschen Afrikakorps aufzusuchen und ihnen großzügige Zweijahresverträge für die Ausbildung ägyptischer Einheiten anzubieten.

Weltstadt – nicht Hauptstadt

Nach einer Stadtrundfahrt während seines Berlin-Besuches zur Grünen Woche gab Bundeskanzler Adenauer Berlin das Prädikat "bestangelegte Weltstadt". Als "einer, der früher auch einmal mit Städtebau zu tun hatte", lobte Adenauer den Leitgedanken der Berliner Städtebauer, die Verkehrsplanung zum Ausgangspunkt der Stadtplanung zu machen. Das Wort Hauptstadt fiel in diesem Zu-– sammenhang nicht.

Bier oder Bücher

ZEITSPIEGEL – Seite 2

Die Bücheromnibusse, die in Schweden durch die Lande fahren, um auch die entlegensten Gehöfte mit geistiger Nahrung zu versorgen, werden vielleicht ernste "Konkurrenz" bekommen. Mit fahrbaren Kantinen wollen geschäftstüchtige Leute nach Lockerung aller Alkoholbeschränkungen auch Bier und andere geistige Getränke den schwedischen Landbewohnern an die Haustür liefern. Vorher müssen allerdings noch einige Fragen gesetzlicher Natur geklärt werden.

U-Boote schlimmer als Bomber

"Gegenwärtig kann beinahe gesagt werden, daß die U-Boot-Drohung mit Fernlenkgeschossen größer ist als die Drohung der russischen Langstrecken-Bomberflotte", erklärte der demokratische Senator Jackson in einem Interview. "Und diese Drohung wird zunehmen. Die Russen haben jetzt mehr als 400 U-Boote. Deutschland hatte zu Beginn des Krieges weniger als 60 U-Boote und konnte den Atlantik sperren. Bei dem gegenwärtigen Bautempo wird Rußland bis 1960 tausend U-Boote haben."

Lapidare Berichterstattung

Eine Überschrift in einer New Yorker Tageszeitung vom 28. Januar lautet: "Er bittet Offizier um Pistole, um sich zu töten; bekommt sie; tut es."

Ausländer über Bonn

In einem Artikel Sonja Orwells in der Londoner Sunday Times über "Die Künstlichkeit Bonns" heißt es, wenn die Stadt einen Mittelpunkt hätte, so wäre das die Universität. Diese aber halte sich still für sich, und man betrachte dort die deutschen Regierungsbeamten als lächerliche Preußen, die Fremden aber als wenig beachtenswerte Barbaren. Das trage auch dazu bei, daß man als Ausländer in Bonn isoliert und in einer Atmosphäre ständiger leichter Verstimmung lebe. Das isolierte, entmachtete Berlin sei immer noch die wahre geistige Hauptstadt der Deutschen.

ZEITSPIEGEL – Seite 3

Nächstes Angriffsziel: Mond

Robert Escarpit im Pariser Monde: Seit langem schon verkaufen amerikanische Gesellschaften – mit beschränkter Haftung vermutlich – Flugkarten zum Monde, und das Weiße Haus wartet ohne Zweifel nur auf die Feststellung, daß es dort Benzin oder Uranium gibt, um seine Sicherheitsgarantien auch auf den Mond auszudehnen ... Selbstverständlich werden die Sowjets nicht zurückstehen. Summa summarum: alle Voraussetzungen für eine schöne internationale Spannung, insbesondere für einen Krieg auf dem Monde, sind gegeben. Es ist höchste Zeit, daß die UNO etwas Unternimmt.

Studentinnen viertelgleichberechtigt

An der Universität Oxford wurde der Numerus clausus für weibliche Studenten aufgehoben. Bisher durfte die Zahl der weiblichen Studenten nicht mehr als "ein Viertel minus sechzig" der männlichen Studentenbevölkerung betragen. Nach der Bekehrung Oxfords ist Cambridge die letzte englische Universität, die den Numerus clausus für weibliche Studenten beibehält.

Ceylon verbietet Stimme Amerikas

Der auf Ceylon stationierte Sender der Stimme Amerikas der von hier aus den gesamten ostasiatischen Raum mit Nachrichten versorgt, mußte auf Geheiß des Post- und Telegraphenministers Marikkar alle Sendungen einstellen. Ceylon hat seit April 1956 eine linkssozialistische Regierung.