AdF., Rom, im Februar

Hochalpine" Winterfreude plus Rom, die Möglichkeit, am Tage über verschneite Berghänge zu gleiten und abends auf der eleganten Via Veneto, dem römischen Modell-Boulevard, zu flanieren oder eine andere Seite des gerade in der sogenannten "toten Saison" besonders originellen, weil echten römischen Lebens zu kosten – das ist eine Kombination von Reizen, die nur der Terminillo bieten kann. Dieser stattliche, am Rande des Zentralapennins gelegene Riesengipfel von 2213 Meter Höhe liegt lediglich 109 Kilometer von der Ewigen Stadt entfernt. Die kurze Bergstrecke bis zum mittelalterlichen Städtchen Rieti ist leicht zurückzulegen. Und von Rieti fährt man auf der bequemen Via Salaria, der modernisierten uralten Salzstraße, nach Rom in nur zwei Autostunden.

Kein Wunder, daß der in wohltuendem Gegensatz zu dem meist melancholisch kahlen Apennin von Waldstreifen überzogene Terminillo immer mehr als Skiparadies von Rom in Mode kommt. Früher war er vornehmlich die Sommerfrische des wohlhabenden Mittelstandes der italienischen Hauptstadt. Heute zwängen sich sonntags viele Tausende in voller Skiausrüstung in Sonderautobusse oder fahren, akrobatisch mit den Brettern balancierend, auf fixen Vespas zum Terminillo.

An den anderen Tagen haben die Gäste der insgesamt elf Berghotels und Pensionen aber Ruhe. Sie brauchen das eher sanfte, besonders für Ungeübte geeignete Gelände nur mit den Bewohnern der sechzig zum Teil im Alpenstil erbauten privaten Villen zu teilen. Noch herrscht auf dem Terminillo keine mondäne Note vor, obwohl, wie die Fremdenverkehrswerber eifrig hervorheben, dort oben die "schönste Frau der Welt", die Gina nationale heiratete, der Jazz-Dirigent Xavier Cugat sich öfter sehen läßt und ein Teil des bei mondo romano und der Filmprominenz aus Cinecittá Silvester und den letzten Karnevalstag zu feiern pflegt. Noch sind die Preise durchaus zivil, jedenfalls erheblich niedriger als im sündhaft teuren Rom.

Vom Plan dell’Valli, dem 1620 Meter hoch gelegenen, aus einem Dutzend von Gebäuden bestehenden Zentrum des Ortes, führt eine Drahtseilbahn auf den Terminilluccio, den "kleinen" Terminillo, und von dort wiederum ein Skilift auf eine Baude in 2100 Meter Höhe am Fuße des Gipfels. Man sieht im Osten die Massive des Gran Sasso und der Maiella. An klaren Tagen schimmert im Südwesten Rom und der bläuliche Dunst des Tyrrhenischen Meeres: ein wahrhaft ungewöhnliches Panorama.

Das Wesentliche bleibt aber die Nähe der Ewigen Stadt. Es ist die Leichtigkeit, mit der man Wintersport mit Rom verbinden kann, die eine Reise aus nördlichen Gefilden, selbst an berühmten Alpenorten vorbei, verlohnt. Zudem ist Rom’ im Winter frei von jenem oberflächlichen Kosmopolitismus, der sich im Gefolge der um Ostern beginnenden Fremdeninvasion breitmacht. Man hört jetzt selbst in den renommiertesten Café abends fast nur italienisch. Dieselbe beglückende Erfahrung kann man auch im Teatro dell’Opera und in den populären Trattorien von Trastevere machen. Es ist eine wahre Lust, in der oft schon nach Vorfrühling duftenden milden Luft – die Mimosen blühen bereits – einmal ungestört auf dem Palatin oder Pincio zu schlendern, und es ist leichter, in ein stummes Zwiegespräch mit der Geschichte und Kultur zu kommen, die einem hier auf Schritt und Tritt begegnen.