Radio Bukarest verbreitete dieser Tage die Resultate der rumänischen Parlamentswahlen. Lapidar heißt es in dem amtlichen Kommuniqué 99,15 Prozent der Wählerschaft sind zu den Wahlurnen gegangen, und 98,88 Prozent davon haben ihre Stimme für die 437 Kandidaten der

"Volksdemokratischen Front" abgegeben. Alle Kandidaten wurden gewählt.

Es ist das peinliche Dilemma der modernen Diktatoren, daß sie – jedenfalls nach außen hin – ihren Machtanspruch immer wieder durch die angebliche Zustimmung des Volkes rechtfertigen müssen. Wo in den Demokratien eine schlichte Mehrheit genügt, muß es in den Diktaturen das ganze Volk sein – 99 Prozent oder mehr. Das ist mittlerweile zur stillschweigenden Übereinkunft geworden, und kaum jemand rüttelt mehr daran. Wenn allerdings doch einmal jemand daran rüttelt,, wie etwa in Ungarn, dem Nachbarland Rumäniens, dann kann es wohl niemand anders sein als jenes winzige eine Prozent Gegner des Regimes. Und da muß man sich doch wundern, was diese paar Leute alles auszurichten vermögen... H.G.