Ein neuer flämischer Erzähler

Welche eigenwilligen Blüten Mystik und Phantasie wie eh und je in Flandern zu treiben imstande sind, veranschaulicht originell eine kuriosbesinnliche literarische Rarität:

Luc Ter Elst: "Es nimmt kein gutes Ende." Ein Roman. Deutsch von Georg Hermonowski. Jakob Hegner Verlag, Köln; 168 S., 13,80 DM.

Der flämische Autor wagt den paradoxen Versuch, die ohnehin zeitlosen ersten Kapitel der Genesis aus heutiger "humaner" Sicht noch einmal ins Zeitlose zu transponieren. Adam und Eva im Stande der Unschuld und ihr Ausbruch daraus, der hier kaum als Vertreibung gelten kann, vergegenwärtigen sich in einem Quodlibet freier, munterer Einbildungskraft, durchflochten mit naiver Psychologie und poetischen Träumen. Daß es überdies um "den Wandel vom ursprünglichen paradiesischen Zustand zu dem des geschichtlichen Menschen" gehe, legt der Umschlagtext des Verlages dem Leser ans Herz. Auch die Bezeichnung "Roman" erweist sich als fragwürdige Zutat; denn in Wirklichkeit hat man eine hintersinnige biblische Idylle vor sich.

Man würde den rechten Blickwinkel verfehlen, nähme man diese dichterisch freizügige Arabeskenfolge zu schwer, zu gewichtig. Wie da Adam verträumt das Paradies durchirrt, begleitet von einem anhänglichen Hund; wie er des Löwen und der Affen sich erwehrt, sich langweilt, ein Wunschbild seiner Eva in den Sand zeichnet, das ihn ungeschickt dünkt, und gleichwohl zu seiner fassungslosen Freude die Gefährtin getreu dem eigenen Entwurf beschert kriegt – nun, lese das einer und mache sich selber seinen Vers! hg. m.