Von Max Rychner

Als 1949 der Novellenband Leviathan von Arno Schmidt erschien, durfte man annehmen, ein drahtiges Erzählertalent mit unüberblickbaren Entwicklungsmöglichkeiten sei in die deutsche Literatur eingetreten. Zwei phantastische Novellen, Berichte aus afrikanischen Randgebieten antiker Mittelmeerwelt, trockene Wüstenluft darin, hatten den Reiz abstrakter Kunst; in ihnen kam eine halluzinierte Wirklichkeit zum Ausdruck – etwa in der militärischen Expedition durch die Wüste –; die Menschen bewegten sich wie hochgeartete und doch primitive metallische Käfer unter staatlichen oder persönlichen Zwängen – Flucht eines Eingekerkerten –; sie waren beliebig, aber von der Folgerichtigkeit der mit ihnen geborenen Stärke.

Dann kam, 1951 und 1953, eine Trilogie: Aus dem Leben eines Fauns, Brands Haide, Schwarze Spiegel. Schmidt hatte sein Steuer herumgeworfen, er wollte nun "zeitnahe" sein und etablierte sich als Chronist der deutschen Auflösung im Krieg und Nachkrieg, mit eigentümlich geringem Blickfeld freilich, mit ungemein trivialen Menschen, zu denen er halb komplicenhaft, halb höhnisch steht. Anarchische Verwilderung erweckt ihm eine bubenhafte Indianerlust; der aus Cooper angelesene Trapper in ihm muß sich in der Wirklichkeit bewähren: Blockhaus einrichten, Ofen setzen, Essen beschaffen, im Verein mit seiner Grete oder Lore, in beständiger Kicherlaune. Möglichst viel direkte Rede, das Ich des Erzählers drängt sich vor, und es darf immer den Vogel abschießen: "Kein flacher Kopf, der Schmidt, was?!" Jungenhafte Animiertheit gibt den Ton an, unmittelbar soll alle Aussage wirken, keß um jeden Preis:

Bauer: (auch das noch!) "Nabend, Herr Schmidt!" "Nabend, Herr Bauer." "Na: ein Ständchen bringen –?" Ich feixte wehmütig durch die Nase und zeigte nach oben: "das ist serenadisch genug für Heute!" (Richtig: der Wind haspelte oben im Gewipf, ashen and sober.)

Nach diesem Schema geht es durch, mit aufgepumpter Munterkeit, und in dem Roman Das steinerne Herz erst recht:

Arno Schmidt: "Das steinerne Herz." Stahlberg-Verlag, Karlsruhe; 14,80 DM.

Da wird die Manier auf die Spitze getrieben, bis zu ihrer eigenen Parodie: