Die Vereinsbank in Hamburg hat als erstes Kreditinstitut von Rang und Namen ihren Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 1956 unterbreitet: zwölf Prozent. Damit erhalten die Aktionäre zwar den gleichen Satz wie im Vorjahr, aber damals waren es zehn v. H. Dividende plus zwei v. H. Jubiläumsbonus. Die Ausschüttung des Bonus – so hieß es im vergangenen Jahr – wurde in Anbetracht der sich aus dem dritten DM-Bilanzergänzungsgesetz ergebenden Sondergewinne ermöglicht. In diesem Jahr stammt die erwirtschaftete Dividende aus den laufenden Überschüssen, an deren Steigerung der Aktionär einen entsprechenden Anteil haben soll.

Nach dem Dividendenvorschlag der Vereinsbank sieht die interessierte Öffentlichkeit nun mit Spannung den Dividendenankündigungen der anderen Institute entgegen; denn es gibt wohl keinen Zweifel, daß sich auch bei ihnen im abgelaufenen Geschäftsjahr eine Ausweitung der Umsätze ergeben hat. Bei der Vereinsbank in Hamburg erhöhte sich die Bilanzsumme um 8 v. H. auf über 438 Mill. DM. Die Rücklagen wurden um weitere 2 Mill. DM verstärkt, so daß sie jetzt 12 Mill. DM ausmachen. Zusammen mit dem Grundkapital von 16 Mill. DM betragen die ausgewiesenen Eigenmittel der Vereinsbank 28 Mill. DM, das sind wie im Vorjahr 6,4 v. H. der Bilanzsumme.

Der Entschluß, die Dividende auf 12 v. H. heraufzusetzen, dürfte der Verwaltung der Bank nicht ganz leicht gefallen sein; er bedeutet sicherlich eine Entscheidung für eine echte Dividenden politik und ist eine Absage an die Politik vieler Unternehmen, die eine "Verrentung der Aktie" im Sinne haben. Daß ein Satz von 12 v. H. das Risiko einer späteren Minderung in sich birgt, wenn die Erträge weniger gut gewesen sind, ist sicher, aber Dividendenherabsetzungen hat es auch schön in früheren Zeiten gegeben, ohne daß sie als ein nicht wieder gutzumachendes Unglück empfunden worden sind. Auch eine Bankaktie bleibt ein Risikopapier.

Manche Banken glauben, bei ihrer Dividendenpolitik auf ihre Kundschaft Rücksicht nehmen zu müssen. Sie sind der Meinung, daß eine hohe Dividende eine Mißstimmung bei ihr aufkommen läßt, etwa unter dem Motto: "Na, ihr habt ganz schön an uns verdient!" Das ist jedoch ein Argument, das nicht zünden sollte; denn die Kundschaft wird sich in der freien Wirtschaft immer dorthin wenden, wo sie am besten bedient wird. Das gilt auch im Bankenbereich. Der Kunde wird wohl kaum die Bankverbindung wechseln, nur weil seine Bank eine ihm unpassend, erscheinende Dividende gezahlt hat. K.W.