H. G., Hamburg

Ein beherzigenswerter Vorschlag kömmt aus den Goliath-Werken in Bremen, wo man sich wohl gesagt haben mag, daß die Chance, viele Autos zu verkaufen – und nichts anderes will man dort schließlich –, gemeinsam mit der Chance wächst, am Steuer eines solchen Autos auch heil durch den deutschen Verkehr zu kommen. Die Bremer Goliath-Leute also plädieren – mit einem Seitenblick auf den Faschingstrubel – für eine freundliche "Maskierung" unserer ach so strengen Verkehrsschilder, und sie schicken ein kleines Gedicht in die Welt, das gewiß kein poetisches Meisterstück, aber doch ein ernst zu nehmender heiterer Appell ist und das so schließt: Drum war’s (nicht nur zur Narrenszeit) / Sehr klug von unsrer Obrigkeit, / Verbote heiter auszusprechen / Und mit dem alten Brauch zu brechen. / Man sollte nur in frohen Bildern / Was nicht sein darf, auf Schildern schildern!

Insoweit haben die Bremer sicher recht: Unsere Polizei verfährt gern nach der Devise, daß einschüchtern besser sei, als freundlich zureden. Und ohne Frage haben sie auch darin recht, daß es nirgends geschrieben steht, man könne durch barsche Drohungen und Einschüchterungen mehr erreichen, als durch freundliche Aufforderungen, durch hilfreiche Hinweise. Nach den Statistiken der Polizei wären zwanzig Prozent der Autofahrer allenfalls zu Fuß als Verkehrsteilnehmer tragbar. Warum aber werden dann auch die anderen achtzig Prozent so behandelt, wie es jenem Fünftel vielleicht (auch darüber ließe sich noch streiten) zukommt? Fest steht doch wohl, daß noch mehr Unfälle durch Verwirrung und Unsicherheit als durch Rücksichtslosigkeit entstehen; und eben diese Verwirrung ließe sich mildern, wenn statt des optischen Bombardements mit patzigen Verbotsschildern ab und zu auch einmal ein humoristischer Hinweis, ein "Bitte", ein "Dankeschön", ein "Hier können Sie leider nicht parken, aber vielleicht versuchen Sie es einmal dort und dort" das Auge des Autofahrers erreichten.

Bei den Rabauken fruchten alle herrischen Verbote und alle Einschüchterungen wenig; bei den anderen aber würden ein wenig mehr schilder-amtlicher Humor und mehr Freundlichkeit vielleicht Wunder wirken.