W. L., München

Wie jedes Wochenende trug die Alte vom Schwedenstein ihren Kassenüberschuß zur Sparkasse. Die kleine Kolonialwarenhandlung am Stadtrand von München hat das Ehepaar G. schon seit dreißig Jahren ernährt; jetzt galt es Reserven zu schaffen. Die Augen wurden immer schlechter, und nach Ladenschluß schlief die alte Frau regelmäßig schon auf dem Küchenstuhl ein.

Der Schalterbeamte zählte das Geld aus dem abgewetzten Lederetui auf die Glasplatte. Plötzlich stutzte er. Falschgeld.

Mit Tränen in den Augen verließ die Alte den Schalterraum. Wortlos schob sie die Einzahlungsquittung in die Tasche. Um fast die Hälfte ihres Gewinnes war sie betrogen worden, denn das Falschgeld wurde eingezogen, wer es ihr gegeben hatte, wußte sie nicht mehr.

Im Falschgelddezernat der Stadtpolizei München wurden die falschen Fünf-Mark-Stücke gesammelt. Christine B. schrieb dort die Berichte an die Landeszentralbank. Sie war noch jung, aber die Verantwortung für den Unterhalt der Familie lag bei ihr. Der Vater hatte sie verlassen. Die Mutter war schwer krank. Mit ihren 220 Mark Monatsgehalt hatte Christine keine leichte Aufgabe.

Auch an das Landes- und Bundeskriminalamt gingen ihre Berichte. Die Bevölkerung wurde durch Presse und Rundfunk gewarnt. Die falschen Geldstücke aber tauchten immer wieder auf. So wanderten Berichte und Falschgeldstücke zwischen München und Frankfurt hin und her.

Dann aber, am 16. Januar, fiel der Inspektion III auf, daß mehr Berichte angefertigt, als abgesandt wurden. Man beobachtete den Postein- und auslauf. Aktendiebstahl wurde festgestellt.