Das große Internationale Reit- und Springturnier, das in Berlin traditionsgemäß während der "Grünen Woche" abgehalten wurde, hat auch diesmal die Mehrzahl der besten in- und ausländischen Turnierreiter auf den Plan gerufen. Schon des Vormittags, an dem gewohnheitsgemäß nur Vorprüfungen erledigt wurden, fanden sich viele begeisterte Pferdeleute auch aus der Sowjetzone ein und betrachteten mit sachverständigen Blicken kritisch jedes Pferd und jeden Reiter. Und die Hauptprüfungen am Nachmittag und am Abend sahen wieder viele Tausende auf den Tribünen und Rängen. Berlin war, ist und bleibt für immer die turniersportbegeisterte Stadt, in der man mehr Pferdeliebhaber und Pferdekenner und Sachverständige findet als anderswo.

Eine bittere Erfahrung aber mußte man machen: Auch der Reitsport übersteigert sich von Jahr zu Jahr. Die Hindernisse werden immer klobiger und raffinierter, die Kurse immer verzwickter, so daß Reiter und Pferd kaum noch den Anforderungen gewachsen sind, die man an sie stellt. Der schwere Sturz von Frau Helga Köhler einer gewiß äußerst mutigen Reiterin, am ersten Tage der Veranstaltung dürfte zu denken geben. Lebensgefährliche Hindernisse sind unfair und sollten verboten sein. Die Turniere werden dadurch in keiner Weise an Anziehungskraft verlieren.

Mit einer angeblich sensationellen Neukonstruktion eines Viererbobs wartete in St. Moritz bei dem Training zu den Weltmeisterschaften die zweite deutsche Mannschaft auf. Man hofft, damit den überlegenen italienischen und schweizerischen Schlitten im Kampf um die hundertstel Sekunde endlich wieder den Rang ablaufen zu können. Der neue Bob des Ingenieurs Otto Faulstroh aus Groß-Gerau läuft auf biegsamen Kufen und hat lieben gummigefederten Achsen eine aus dem Kraftwagen-, bau übernommene Steuerung, die bedeutend sicherer und zuverlässiger sein soll als die bislang üblichen Seilsteuerungen. Faulstroh hatte einen Schlitten auch den Schweden zur Verfügung gestellt, die von dem neuen Sportgerät begeistert waren. Ein Schwede sagte: "Der Bob lief so schnell, daß wir im ersten Lauf öfters hart bremsen mußten, beim zweiten Versuch mußten wir zwar auch noch ab und an bremsen, waren aber schon besser, eingespielt und konnten so unsere Zeit erheblich verbessern." Der Deutsche Bob-Verband hat sofort ein Exemplar der Neukonstruktion erworben. Über den Preis wurde nicht gesprochen. Faulstroh meinte: "In so einem Fall rechnet man nicht mit Pfennigen."

W. F. Kleffel