Die inneren Bindungen sind also nicht durchschnitten worden; Ungeklärt geblieben ist auch das Problem der Koexistenz der Sozialisten und Kommunisten in dem von Togliattis Vertrauensleuten kontrollierten Gewerkschaftsbund und in den anderen Massenorganisationen.

Äußerst negativ ins Gewicht fällt ferner die ganz und gar neutralistische Außenpolitik, zu der sich die Sozialisten in Venedig bekannten, ferner die Verurteilung jeglicher "reformistischer" Abweichung. (Man hält an der "Idee der sozialistischen Revolution" fest, aber sie soll "auf legalem parlamentarischem Wege" erreicht werden!) – und schließlich die Tatsache, daß es Nenni in Venedig nicht gelungen ist, die prokommunistische Gruppe ganz aus der Führung der Partei auszuschalten.

Nenni, der offensichtlich in Konkurrenz zu Togliatti die Führung der ganzen italienischen Linken beansprucht, hat den Schwarzen Peter jetzt Saragat zugeschoben. Werden die italienischen Sozialdemokraten der suggestiven Vision einer starken sozialistischen Einheitspartei standhalten können und eine restlose Klärung der Politik Nennis fordern, oder werden sie eine Verlängerung der vorehelichen Prüfungszeit für ratsam halten? Der Präsident der Sozialisten-Internationale Morgan Phillips und der Vertreter der Labour Party, Aneurin Bevan, die beide in Venedig waren, haben den widerstrebenden, nüchternen Saragat anscheinend zur Vereinigung ermuntert und ihm das Bild eines Gürtels sozialistisch regierter Länder von Skandinavien bis zur Adria in verlockenden Farben vorgemalt. Sollten solche Bestrebungen die Oberhand gewinnen, so wäre das Schicksal der Regierung der demokratischen Mitte, an der die Sozialdemokraten beteiligt sind, besiegelt und die Aussicht auf einen vollständigen Sieg des demokratischen Gedankens und auf eine endgültige Isolierung der italienischen KP höchstwahrscheinlich verspielt.