König Saud zufrieden: "Hätte man den anderen arabischen Ländern die Eisenhower-Doktrin ebenso erklärt wie mir, hätten auch sie sie annehmbar gefunden", erklärte König Saud in einem Interview bei Abschluß seines Staatsbesuches in Washington. Mit diesem Ergebnis der Reise Sauds nach Amerika können Eisenhower und Dulles zufrieden sein. Der Herrscher des reichen Öllandes Saudisch-Arabien verhandelte ja nicht nur in eigenem Namen, sondern auch als Vertrauensmann Ägyptens, Syriens und Jordaniens; also derjenigen Länder, welche die Erklärung Eisenhowers, daß die USA jedem Nahostland im Falle einer "sowjetischen Aggression" beistehen würden, als "Einmischung" abgelehnt hatten. Die im Bagdad-Pakt vereinigten übrigen Nahostländer, Türkei, Iran, Irak und Libanon, hatten die Eisenhower-Doktrin von Anfang an begrüßt. Mit dem erfolgreichen Abschluß des saudisch-arabischen Staatsbesuchs ist also Washington, seinem Ziel, einer Aussöhnung zwischen den beiden feindlichen Nahostgruppen (Kairo-Paktstaaten und Bagdad-Paktstaaten) einen Schritt näher gekommen. Das Endziel allerdings, nämlich die Bildung einer antikommunistischen Front, – die beide Paktsysteme umfaßt, wird so lange unerreicht bleiben, wie der Palästina-Konflikt weiterschwelt.

Bulganin an Adenauer: In einer persönlichen Botschaft an Adenauer legte Bulganin der Bundesregierung in fast beschwörendem Ton nahe, eine "entscheidende Neuorientierung ihrer Politik gegenüber der Sowjetunion vorzunehmen". Viele günstige Gelegenheiten für eine "Vertiefung des gegenseitigen Verstehens und der Zusammenarbeit" seien nicht genutzt worden. Bulganin warnte die Bundesrepublik, sich "zu einem Angriffskrieg für fremde Interessen" benutzen zu lassen. Jede neue Milliarde für Rüstungszwecke, jede neue Division, die aufgestellt werde, könne die außenpolitische Lage der Bundesrepublik nur komplizieren und die Wiedervereinigung erschweren. Insbesondere warnte Bulganin vor einer Ausrüstung der bundesdeutschen Truppen mit Atomwaffen und einer "Benutzung des westdeutschen Territoriums als Aufmarschgebiet für den Atomkrieg". Schließlich regt die sowjetische Botschaft den Abschluß eines Handelsvertrages an, von dem sie sich auch günsige politische Rückwirkungen verspricht. Zweck dieser Botschaft dürfte ein doppelter sein: einmal wünscht Moskau zweifellos wirklich einen besseren Kontakt mit Bonn und mehr Handel mit Westdeutschland (auch letzteres allein schon wegen der zahlreichen Engpässe in der eigenen Wirtschaft), zum andem rechnet es damit, daß die Aussicht auf eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Moskau und Bonn günstige Rückwirkungen auf die bevorstehenden Abrüstungs- und Sicherheitsverhandlungen mit Amerika, England und Frankreich haben werde, da diesen Ländern viel daran liegt, einen "deutsch-russischen Alleingang" zu verhindern. So hofft Moskau, daß sich die auf seine Botschaft verwendete Mühe (sie verrät die geschickte Hand Außenminister Schepilows) auf jeden Fall lohnen werde.

Politische Hindernisse im Suezkanal. Ein italienischer Tanker von 1900 Tonnen war das erste Schiff, das den Suezkanal seit dem Angriff auf Ägypten im vergangenen Herbst passierte. Auch Schiffe bis zu 10 000 Tonnen werden den Kanal bald passieren können, wenn es gelingt, nicht nur die restlichen Schiffswracks aus der Fahrrinne, sondern auch die politischen Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Ägypten will den Kanal nicht öffnen, solange noch ein israelischer Soldat diesseits der alten Waffenstillstandslinie steht. Israel will aber seine Truppen erst zurückziehen, wenn es die begehrten Garantien über eine "Entmilitarisierung des Gazastreifens" und freie Schiffahrt im Golf von Akaba erhält. Die Verhandlungen hierüber zwischen Hammersköld und den Israelis sind zusammengebrochen. Die UNO muß jetzt entweder Sanktionen gegen Israel beschließen (wozu bei den Delegierten wenig Lust besteht) oder aber Israel doch noch zum Einlenken bewegen. Letzterem Zweck dient ein neuer Vorschlag Amerikas, selbst den Schutz der Schiffahrt im Golf von Akaba übernehmen und UNO-Polizisten oder UNO-Beobachter im Gazastreifen zu stationieren. Der Vorschlag kommt den Wünschen Israels weit entgegen und dürfte auch in der UNO Anklang finden. Er kann aber noch am Widerstand Ägyptens scheitern.

Sirlus, 14. 2. 57