H. G., Hamburg

Wir sagen ohne Diskussion: Wir machen nicht mit!" Dieser apodiktische Spruch, der am Schluß einer vierseitigen Flugschrift steht, die während der letzten Wochen von dem Pastor Heinrich Giesen in die deutschen Lande hinausgeschickt wurde, diese deutliche Absage also bezieht sich auf nichts anderes als auf das Karnevalstreiben: "Nein, Christen machen nicht mit. Sie bleiben am Rosenmontag zu Hause. oder verlassen die Stadt mit ihren Kindern. Christen schaffen an diesem Punkt Eindeutigkeit, bis auf den Verdacht hin, daß sie Spielverderber sind."

Wäre Pastor Giesen nur das, was er einen Spielverderber nennt, würde er lediglich zu Hause bleiben, wenn das Karnevals-, Fastnachts- oder Faschingstreiben (welchen Namen man auch immer wählt) die "vergnügungssüchtige" Menschheit in seinen Bann schlägt – niemand würde ihm und allen Gleichdenkenden einen Vorwurf daraus machen. Ausgelassenheit ist nicht jedermanns Sache, und niemand soll dazu gezwungen werden.

Aber es gibt Sätze in dieser sich programmatisch "an alle" wendenden Schrift, die nicht gefallen. Da schreibt der Abraham a Santa Clara aus Fulda: "Wer in den Tagen des Karnevals mit Masken und mit Tanzen, mit Geschrei und Knallerei, mit Lärm und Rasseln auf den Straßen und in Sälen mitmacht und dabei sagt: ‚Wir tun es ja nur aus Spaß‘, der soll wissen, was er tut. Er tut es nicht aus Spaß. Man knallt nicht aus Spaß."

Der streitbare Pastor aus Fulda geht nun sogar so weit, denen, die im Karneval lustig sind, vorzuwerfen, sie vergäßen Ungarn, sie vergäßen Suez, sie vergäßen den Osten und sie vergäßen obendrein auch noch die Weltkrise. Kann man nicht fröhlich und doch ernst sein? Meistern wir das Leben besser, wenn wir es auf Moll stimmen? Und vor allem: Ist irgendeinem Menschen damit gedient, wenn wir unseren Karneval nicht feiern, unseren Karneval, der zur Freiheit der freien Welt dazugehört, in dem man fröhlich sein kann und unbeschwert, wie es einem gefällt, und in dem man auch knallen kann – nur aus Spaß...