Noch bis in die dreißiger Jahre ragte an vielen Stellen das alte Berlin ins moderne Stadtbild; als stumme Zeugen dafür, daß die Weltgeschichte nicht, wie damals manche glauben wollten, erst mit dem Jahre 1933 begonnen hatte, standen die monumentalen Bauten zwischen Brandenburger Tor und dem gewaltigen Schloß – Langhans, Knobelsdorf, Schinkel, Schlüter hießen die Baumeister, deren Bauherren die preußischen Könige waren.

Intimer als diese Prachtstraße "Unter den Linden" gab sich, was ein wenig seitwärts lag, in den stillen Winkeln hinter Schloß und Marstall, und manches sah noch fast aus wie ehedem, als Rosenberg seine Berliner Ansichten im Stich festgehalten. – Von ihm stammt auch das auf Berlin und die Berliner gemünzte Wort: "Blick auf zu den Sternen, hab acht auf die Gasse!" –, ein Wort, das man als Motto über ein Buch stellen könnte, mit dem ein geborener Berliner posthum dieser Stadt ein schönes Denkmal gesetzt hat:

Mario Krammer: "Berlin im Wandel der Jahrhunderte. – Eine Kulturgeschichte der deutschen Hauptstadt." Ergänzt von Paul Fechter. Rembrandt-Verlag, Berlin. 312 S. mit 220 Abbildungen, 16,80 DM.

Der Autor, vor wenigen Jahren in seiner Heimatstadt verstorben, gehörte zu der einst so verbreiteten Kategorie der "Privatgelehrten". Bis lange in die NS-Zeit hinein setzte er die schöne Tradition der Berliner "Salons" fort, und bis zu seinem Tode zeigte er sich erfolgreich bemüht, seinen vielen Publikationen den Stempel des Ausgeruhten und Gültigen aufzudrücken.

Wie anders hätte auch ein so profundes Buch über Geschichte und Wesen Berlins und der Berliner entstehen können; eine Darstellung, die zugleich tief in die Vergangenheit eindringend, andererseits ganz heutig, gegenwärtig im Anschaulichen und Unmittelbaren blieb, umfassend in ihrer Dokumentierung Berlins als politische, wissenschaftliche und künstlerische Metropole. Das Besondere an Krammers Darstellung ist, daß man den ewigen Rhythmus der Wandlung im Gang der Zeiten spürt, daß man fühlt, wie diese Stadt und das Leben in ihr durch die Jahrhunderte ganz organisch gewachsen sind, und wie alles, bis in die neuste Gegenwart, seinen Bezug in der Vergangenheit hat. So wurde aus der Residenz eine bürgerliche Weltstadt, die mit ihren Ausläufern in das Wald- und Wiesenland der wasserreichen Mark hineinwuchs.

Der Tod nahm Mario Krammer die Feder aus der Hand. So blieb es einem anderen Kenner, der zwar kein geborener, aber seit einem halben Jahrhundert Wahlberliner ist, überlassen, das Schlußkapitel über "Das zwanzigste Jahrhundert" zu schreiben: Paul Fechter, Ein wenig nüchterner und auch distanzierter scheint dieser Abschnitt, der über dem Hingang und der endgültigen Zerstörung des "alten" Berlin eine Tröstung bereithält: den überall sichtbaren Willen zur architektonischen Bewältigung der Massenprobleme, dazu als unvergänglichen "spiritus rector" den unermüdlichen, durch nichts zu beugenden Charakter der Berliner Bevölkerung. Christian Otto Frenzel

Deutsche Favoriten in USA. Nach einer Übersicht der New-Yorker Zeitschrift "Aufbau" interessieren sich die amerikanischen Leser am meisten für die Tatsachenbücher der deutschen Nachkriegsliteratur: An der Spitze der Übersetzungen stehen Cerams "Götter, Gräber und Gelehrte" und Kellers "Und die Bibel hat doch recht"; Heinrich Harrers "7 Jahre in Tibet" wird unter den Abenteuerbüchern am stärksten gefragt, gefolgt von den Kriegsbüchern und Memoiren Schachts, Kesselrings, Papens und Ernst von Salomons. Aber auch Philosophen wie Barth, Guardini und Jaspers werden stark beachtet.