Es läßt sich nicht länger verheimlichen: Gewissermaßen im Troß der allgemeinen Preisbewegungen sind nun auch die Buchpreise in die Höhe geklettert. Während die geistige Nahrung gegenüber der leiblichen fast drei Jahre lang gleichviel kostete, wurde sie im vergangenen Herbst zum erstenmal dem bundesrepublikanischen Marktzuschnitt in einzelnen Fällen angepaßt. Der Insel-Verlag zum Beispiel erhöhte innerhalb seiner Reihe je Stück von 2,– DM auf 2,30 DM; in der Fischer-Bücherei wurden die "Bücher des Wissens" und die "Pantheon"-Bände um 30 Pfennig teurer und stiegen die Doppelbände von 2,90 DM auf 3,20 DM. Ein Verlag, der sehr scharf kalkuliert und wegen seiner volkstümlichen Preise bekannt ist, Droemer in München, brachte den "Knauer" für zwei Mark mehr und verlangte für den Bildband "Die Welt, in der wir leben" 45,– DM statt wie bisher 39,50 DM.

Die Gründe für das Steigen der Buchpreiskurve liegen auf der Hand. Die Kosten für das Papier sind in den letzten sechs Jahren um 60 bis 70 Prozent höher geworden. Satz, Druck und Bindearbeit wurden im letzten Sommer um 5 und im Herbst durch die Einführung der 45-Stunden-Woche nochmals um 6 Prozent teurer. Da der Boom unseres Wirtschaftslebens andererseits wieder Überstunden nötig macht, erhöhten sich die reinen Herstellungskosten praktisch um 10 Prozent.

Wegen des harten Konkurrenzkampfes ist es im Buchgeschäft üblich, nicht ohne Not Preise zu erhöhen. Wenn man den Buchindex mit dem Lebenshaltungsindex vergleicht, dann sieht man, daß die Preisprogression im Buchhandel in keiner Weise mit der bei den Dingen des täglichen Bedarfs Schritt hielt. Nimmt man für 1938 die Basis 100 an, dann betrug der Index für materielle Güter 1956 im Dezember 178, für literarische aber nur 150. Gewiß, Shakespeare ist nicht so gefragt, wie Brot, aber der statistische Vergleich zeigt doch, daß zwar alles teurer geworden ist, aber nicht alles im gleichen Maße – was leider zu oft vergessen wird. Unter diesen Aspekten gesehen erscheint auch die beim Buchhandel im Weihnachtsgeschäft verzeichnete Umsatzsteigerung von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr in einem ganz anderen Licht. Denn es wurde nicht mehr eingenommen, weil mehr Leute mehr Bücher gekauft haben, sondern weil am Einzelexemplar mehr verdient wurde.

Es ist aber auch verkehrt anzunehmen, der Geldbeutel des Durchschnittsbürgers würde dergleichen Preissteigerungen spielend "verkraften". Da sich in unserer Welt Geist am schlechtesten verkauft, ist der Preis eines Buches gleichzeitig seine Reklame. Wer als Student mit einem Monatswechsel von 150.– DM auskommen muß, ist für Preisdifferenzen selbst von 30 Pfennig empfänglich. Aber diesem Studenten kann bis jetzt noch geholfen werden, solange es Verleger gibt, wie etwa die "Neunzehn", die Schäfers "Gouverneur" als deutschen Erstdruck für 6,80 DM in den Handel bringen. Übrigens hat Rowohlt versprochen, den Preis seiner Taschenbuchreihen nicht zu erhöhen.

Wenn sich die Buchsituation in den letzten Jahren entschieden geändert hat, dann sicher auch darin, daß heute mehr denn je Spürsinn von dem weniger bemittelten Käufer verlangt wird. Wer geduldig die rund 20 Taschenbuchreihen durchsieht und noch die zahlreichen Volksausgaben berücksichtigt, der wird auch das seinem Etat angemessene Buch finden. Günther Specovius