II. Der Mann, der in Athen seinen Traum baute – Der König und der Klatsch EOKA und UNO im Weinfaß

Von Eka v. Merveldt

Daß in Griechenland der Mensch das Maß aller Dinge blieb und daß die Errungenschaften der modernen Zivilisation nicht das Alpha und Omega im Lande Homers wurden, haben wir in der vorigen Ausgabe der ZEIT beschrieben. Diesmal nun eine Schilderung der Kunst, griechisch zu leben.

Athen im Februar

Der Mann, der seinen Traum baute, lud mich ein in sein weißes Haus auf den Lycabettos, den Berg Athens, der – mit seinem grünen Waldkranz als Krempe – aussieht wie der Hut eines katholischen Pfarrers. Man erreicht das Haus über Treppenstraßen durch einen Stadtteil, der an Montmartre zu Paris erinnert. Als mein Gastfreund dort zum ersten Male hinaufgestiegen war, hatte er sich beim Anblick des Parthenon über den Dächern von Athen in sinkendem Licht der Sonne, die Rosa und Gold über die Stadt warf, entschlossen, an dieser Stelle ein Haus zu bauen. Es war sehr schwierig und nur gegen Goldstücke möglich, den Baugrund zu erhalten. Goldstücke sind in Griechenland immer noch die begehrteste Währung, und sie klimpern gern damit in der Tasche und verwirren ihre Gesprächspartner. Heute lädt er Freunde und Fremde zum Sonnenuntergang ein, die von der sechs Meter breiten Terrasse aus wie in der Theaterloge diesen edelsten Bau der Welt, Ausdruck vollkommenen Gleichgewichts zwischen Materie und Geist, ein Wunderwerk aus weißem Marmor mit rosaflammenden Zeichen, betrachten und beobachten können, wie in der schnellen Dämmerung der Berg im Lichterglanz Athens untertaucht.

Der Hausherr hat, wie viele seiner Landsleute, im Ausland studiert. In Berlin nährte er jahrelang seine literarischen Ambitionen. Aber als er. nach Athen zurückkehrte, tat er, was so typisch ist: er machte Geschäfte und widmete sich der Literatur nur noch in den Mußestunden. Sein Haus ist angefüllt mit Reichtum aus vielen Ländern: Sesseln aus Deutschland, Teppichen aus der Türkei und aus Persien, und es glitzert in allen Zimmern von farbigen venetianischen Gläsern, Lampen, Schalen, Aschbechern aus Murano. Dennoch fällt auch in diesem Hause auf, daß seine Bewohner ganz unberührt und unverändert durch ihren Reichtum sind. Sie leben natürlich und ganz einfach, gemessen an anderen europäischen Verhältnissen, elementar und genügsam und ohne jede "Angabe".

Kartoffeln in der Kaminasche