Der größte Rohstahlerzeuger der Bundesrepublik, die Dortmund-Hörder Hüttenunion AG, Dortmund, wird die Spitzenstellung auch weiter beibehalten, obwohl die Tyssen-Hütte und Phoenix-Rheinrohr "dicht auf den Fersen" sind. Die zur Zeit rund 2,75 Mill. Jahrestonnen ausmachende Rohstahlleistung wird sich nach Abschluß der beabsichtigten Investitionen an Hochöfen und im Thomasstahlwerk auf 3,2 bis 3,3 Mill. t stellen. Dahinter stecke kein Ehrgeiz, erklärte uns der Vorstand auf eine entsprechende Frage, sondern das Vertrauen in die Zukunft und die optimistische Beurteilung der Stahlverbrauchsentwicklung. Die Hüttenunion beschreite bei ihrem Ausbau insofern einen besonderen Weg, als sie sich ausschließlich um eine Verbreiterung der Thomasstahlsortimente bemühe, obwohl der Bedarf an Thomasstählen am deutschen Markt weit hinter dem internationalen Durchschnitt zurückliegt. Die Ingenieure des Werkes aber hätten neue Qualitäten entwickelt, die den Härder Thomasstahl praktisch Siemens-Martin-Stahl gleichstellen.

Ausbau der Hochofenseite, also der Roheisengewinnung, und Neuerrichtung eines Thomasstahlwerks wären die Hauptaufgaben der nahen Zukunft, kommentierte Dr. Friedrich Elshoff. Das Investitionsprogramm der nächsten Jahre sähe 300 Mill. DM vor, wovon die Jahresrate von rund 100 Mill. DM für 1957/58 schon finanziert sei. Man brauche daher zunächstkeine Kapitalerhöhung oder weitere Verschuldung. Ob die Frage der Kapitalerhöhung oder der Aufnahme einer Obligationsanleihe später akut würde, sei noch nicht zu übersehen. Das Unternehmen hat außer etwa 35 000 deutschen Aktionären als Großaktionär (gemäß Entflechtungsdiktat) den holländischen Stahlkonzern Hoogoven Ymuiden. Dieser hat sich zu jener Kapitalfrage noch nicht geäußert.

Seit der Währungsreform hat die Hüttenunion für rund 526 Mill. DM Investiert, davon 250 Mill. DM für die neue 3-Meter- und 4-Meter-Grobblechstraße und rund 150 Mill. DM für die Im April/Mai 1957 in Betrieb kommende modernste Mitteleisenstraße Europas.

Die Modernisierungen und der Wiederaufbau der demontierten Anlagen hat die Hüttenunion aus ihrer einst recht prekären Lage außerordentlich vorangebracht. Dies drückt sich auch in der Erhöhung der Dividende von 5 auf 6 v. H. auf 184 Mill. DM AK aus. Aber der größte Rohstahlerzeuger und beachtliche Grobblechproduzent (zur Zeit rund 720 000 t Grobbleche) ist nicht auch das ertragsstärkste Unternehmen. Die Demontageschädel und die bei der Finanzierung der Bauvorhaben notwendige Neuverschuldung belasten das Werk ebenso wie die noch zum Teil arbeitenden 40 bis 50 Jahre alten Anlagen im Dortmunder Werk. Die Hüttenunion ist auch überdurchschnittlich auf Zukaufsschrott angewiesen. Ferner seien die Inlandspreise für Stahl nicht so, daß die Ertragswirtschaft dadurch gesichert wäre. Deutschland hat bekanntlich den niedrigsten Stahlpreis innerhalb der Montanunion. Wenn noch dividendenfähige Überschüsse bei der Hüttenunion erwirtschaftet worden sind, so vor allem dank der gewinnbringenden Exporte. Das Werk hat rund 18 v. H. (13,5 v. H.) seiner Produktion zu guten Preisen exportiert.

Der Gesamtumsatz der Hüttenunion stellte sich auf 1,037 Mrd. DM, gegen 898 i. V. Unter Einschluß der 100prozentigen konsolidierten Tochtergesellschaften wurden im Berichtsjahr per 30. September 1956 rd. 1,128 Mrd. (973 Mill. DM) erreicht. Die Rohstahlproduktion lag im Monatsdurchschnitt bis 220 000 t. Der Auftragsbestand sichert für fünf bis acht Monate eine volle Beschäftigung. In Schiffsblechen, etwa ein Drittel der Grobblechproduktion, hat das Werk bereits Lieferzusagen an die Werften bis Ende 1958 gegeben rlt.