Daß der Göttinger Atomphysiker Carl Friedrich von Weizsäcker neben seiner in aller Welt bekannten wissenschaftlichen Bedeutung auchnoch die große Gabe besitzt, dem Laien Kompliziertes verständlich zu machen, ohne dabei allzu grob zu vereinfachen – das wurde dem Hörer schon nach der ersten Sendung der Reihe "Atomenergie und Atomzeitalter" klar (DIE ZEIT vom 20.12.1956). Jetzt ist die Vortragsreihe an einen neuen und ihren vielleicht wichtigsten Abschnitt gelangt: "Wirkungen der Atombombe auf das menschliche Leben."

Seinen Bemerkungen über die biologischen Folgen (NDR, Drittes Programm, Sonntag, 17. Februar 21. 30–22. 00) schickte Professor Weizsäcker eine Feststellung voraus, die alle hurtigen Sensationsmacher zugleich schwer enttäuschen mußte: einen Einfluß auf das Wetter haben die von Menschenhand ausgelösten atomaren Strahlungen, so sagte er, nicht! Und was die biologischen Wirkungen angeht, so ist auch dort, nach Weizsäcker, im Augenblick die Angst in unserem Volke größer, als es sich lohnt. (Natürlich bezieht sich das nur auf die Wirkungen, die durch eine friedliche Nutzung der Atomkraft ausgelöst werden – "die Folgen eines Atomkrieges wären auch auf biologischem Gebiet fürchterlich!") Wer aber glaubt, dieser Atomphysiker treibe hier leichtfertige Beschwichtigungsversuche, dem sei gesagt, daß Weizsäcker nur die Übertreibungen korrigiert, nicht aber die großen Gefahren, die vor allem auf weite Sicht von den Atomen drohen, verschweigt. Er hält es sogar für ausgemacht, daß mit einer stärkeren Nutzung der Atomkräfte, auf die wir aus wirtschaftlichen Gründen kaum werden verzichten können, genetische Auswirkungen unausbleiblich sein werden – Wirkungen, die nicht das Individuum krank machen, sondern seine Nachkommen. Vermeiden lassen sich diese Folgen offenbar nicht, sie lassen sich nur in Grenzen, in mögliche Grenzen halten. Aber wie die Menschheit, sagt Weizsäcker, heute bereit ist, etwas für den Straßenverkehr, den sie nicht mehr entbehren will, gewaltige Opfer in Kauf zu nehmen, so wird sie bereit sein – bereit sein müssen – eine gewisse Erhöhung der Zahl der Erbkrankheiten als unausweichlichen Preis für die Segnungen der Atomwirtschaft bezahlen. G.

Donnerstag, 21. Februar, 23.00 Uhr aus Frankfurt:

Im "Studio für Neue Musik" dirigiert Leopold Stokowski das Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks, das eine in Deutschland bisher unbekannte Hymne Oliver Messiaens und die 2. Sinfonie des Münchner Komponisten Karl Amadeus Hartmann spielt.

20. 05 Uhr vom NDR: Von Wolf gang Hildesheimer ein Hörspiel "Die Bartschedel-Idee". München sendet die Aufnahme am Dienstag, 26. Februar, 20. 45 Uhr. 20.15 Uhr vom Dritten Programm des NDR: Drei Werke der drei bedeutendsten Söhne Johann Sebastian Bachs und sein eigenes Konzert für drei Cembali wurden für die Sendung "Bach – drei Söhne und ihr Vater" zusammengestellt. 20. 30 Uhr vom SWF: Die "Unvergessenen Stimmen" Maria Cebotaris, Lizzi Waldmüllers, Joseph Schmidts, Leo Schützendorfs und Richard Taubers. 22. 20 Uhr aus Stuttgart: "Max und Moritz" nach Wilhelm Busch für gemischten Chor und Klavier zu vier Händen von Heinrich Sutermeister. 23. 00 Uhr vom NDR: Der Göttinger Literaturhistoriker Professor Wolfgang Kayser spricht im "Auditorium maximum" über "Die Verwandlungen des Erzählers".

Freitag, 22. Februar, 10.00 Uhr aus Stuttgart:

Zum 100. Geburtstag von Heinrich Hertz überträgt der Süddeutsche Rundfunk den Festakt aus dem historischen Heinrich-Hertz-Hörsaal der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Bremen gedenkt des Forschers um 21.30 Uhr, der NDR um 19.45 Uhr.