DIE ZEIT

Cherchez la femme

Es war ein bißchen peinlich für die britische Regierungspartei, daß die Wahlen im Londoner Vorort North Lewisham so sehr in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit geraten waren.

Vansittart ohne Erben

Lord Vansittart ist tot und hinterläßt keinen Erben. Um des brillanten Schriftstellers und Redners zu gedenken, des Mannes, der die Liebe so tief empfand, daß sie ihn zu wirklich schönen lyrischen Gedichten inspirierte, habe ich einmal wieder in den beiden Büchern gelesen, die er für seine Hauptwerke hielt: „Black Record“ (gesammelte Rundfunkreden) und „Events and Skadows“.

Brauchen Soldaten Schutz?

Du sollst nicht töten – so steht es schon im Alten Testament. Jesus verweist besonders auf diese Stelle und predigt vom Berge zum versammelten Volk: ‚Ihr Habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten.

Schepilows Nachlaß

Die Sowjetunion hat einen neuen Außenminister. Bedeutet das auch eine neue Außenpolitik? Um diese Frage zu verneinen – und wir glauben, daß sie zu verneinen ist –, genügt es nicht, einfach daran zu erinnern, daß auch in der Sowjetunion nicht der Außenminister die „Richtlinien der Politik bestimmt“, sondern die Regierung (das heißt in der Sowjetunion zur Zeit vor allem Chruschtschow); denn es könnte ja sein, daß eben diese Richtlinien sich geändert haben und daß der neue Außenminister zwar nicht der Initiator, aber doch das äußerlich sichtbare Symptom dieser Veränderung ist.

ZEITSPIEGEL

Der Oberbefehlshaber der Warschaupaktmächte, Konjew, tadelt in einem Rundschreiben an die Führungsstäbe des Ostblocks das „undisziplinierte Verhalten“ der Satellitenarmeen.

Hamburgs Bürgermeister

Wenn auch manche Hamburger aus „bürgerlichen“ Kreisen es bedauert haben, als im Dezember 1953 Max Brauer, der Sozialdemokrat und vorige Bürgermeister Hamburgs, nach dem Wahlsieg des „Hamburg-Blocks“ das Rathaus verlassen mußte, so dürften auch manche Hamburger aus SPD-Kreisen heimlich einverstanden sein, sollten sie auch in der nächsten Regierungsperiode den „bügerlichen“ Bürgermeister Kurt Sieveking behalten können.

Moskau und Anastasia

Alles, was an die alte Zarenfamilie und an ihr Ende erinnert, ist im allgemeinen tabu in der Sowjetpresse. Aber der Erfolg des Theaterstücks und der Filme „Anastasia“ hat die Moskauer Zeitung Sowjetskaja Rossija – ein erst vor kurzem gegründetes „Konkurrenzunternehmen“ zur Prawda und Iswestija – veranlaßt, das Tabu zu brechen und, wenn auch unter grober Entstellung der Tatsachen, über den „Fall der Anastasia“ zu berichten .

Mehr Geld, weniger Truppe

Die Verhandlungen über eine finanzielle Hilfe der Bundesrepublik Deutschland an Großbritannien stehen vor dem Abschluß. Die Partner sind sich nach einigen Schwierigkeiten rasch nähergekommen, nachdem von deutscher Seite ein anderer Aufteilungsschlüssel für unsere Zahlungen an die Stationierungsmächte vorgeschlagen worden war.

Nicht Pakt, sondern Käfig

Bei den kürzlichen Begegnungen von Vertretern der Ostblockstaaten haben die Sowjets mit Nachdruck die Bedeutung und Funktionsfähigkeit des Warschauer Paktes beschworen, jenes Vertragsinstruments, das einst das stolze Beiwort „Ost-NATO“ führte, um das es aber seit dem ungarischen Aufstand sehr still geworden war.

Noch ein KP-Prozeß?

So einfach, wie es sich der Bundesinnenminister vorgestellt hat, geht es nicht: Das Verbot der KPD ohne viel Umstände auf die KP-Saar auszudehnen.

Rundfunk-Ärger in Bayern

Es sieht ganz so aus, als sollten Ministerpräsident Dr. Hoegner und sein sehr umsichtiger Koalitions-Feuerwehrhauptmann v. Knoeringen für den Rest der-Legislaturperiode ihres Lebens nicht mehr froh werden.

KP am Werk

Zum erstenmal seit dem KP-Verbot durch das Bundesverfassungsgericht hat sich die illegale KP jetzt auch in München durch Verteilung kommunistischer Flugschriften bemerkbar gemacht, die sich plötzlich vor Wohnungs- und Haustüren fanden.

Fern-Raketen über uns

Der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der US-Armee, Generalleutnant Gavin, teilte kürzlich in New York vor Wissenschaftlern mit, daß die Vereinigten Staaten eine neue Fernrakete besäßen.

Ins Ölnäpfchen getreten

Wer kennt nicht jene Schreckgestalt der Salons, die im Haus einer zum drittenmal verheirateten Dame die Sittenlosigkeit der Ehescheidung rügt oder beim örtlichen Vorsitzenden des Tierschutzvereins die Treibjagd preist? Ähnlich ins Fett- oder besser ins ölnäpfchen getreten ist vor einiger Zeit unversehens der ehemalige amerikanische Abgeordnete Hamilton Fish.

Aber die Nuance

Die Geschäftsordnung der Bundesregierung wird in der gegenwärtigen Legislaturperiode nicht mehr geändert. Das hat der Bundeskanzler ausdrücklich erklärt.

Togliattis Partisanen

Die Lehren Nicolo Machiavellis sind in Italien noch immer sehr lebendig – allem Widerspruch zum Trotz. Das hat Pietro Nenni, der in den taktischen Künsten sehr erfahrene italienische Sozialistenführer, nach Schluß des Kongresses seiner Partei in Venedig einmal an sich selbst zu spüren bekommen.

Leere Hörsäle?

Eben erst hatten sich Schleswig-Holsteins Metallarbeiter bereit erklärt, in ihre Fabriken zurückzukehren, da tauchte ein anderer Streik am bundesdeutschen Horizont auf.

Hans Hinkel greift an

In Göttingen ist etwas los. Da sitzt nicht nur der neonazistische Verleger Schlüter, Niedersachsens skandalöser Kultusminister für zwei Wochen.

„Ich bin ein Sonnenedelstein“

Der Streit in Frankreich um das mittlerweile neunjährige dichtende „Wunderkind“ Minou Drouet, das von manchen als frühreifes lyrisches Talent verehrt, von anderen als Strohpuppe seiner suggestivkräftigen Pflegemutter betrachtet wird, will nicht verstummen, und das Mädchen befleißigt sich dabei sehr, dem Rummel um seine Person immer neue Nahrung zu geben: In einer Audienz bei Papst Pius XII.

Im falschen Zug

Die Eheleute Tiegel, beide hoch in den Siebzigern, warteten auf ihren Tod. Frau Tiegel hatte entdeckt, wie bittersüß es sei, sich von der Welt abzukehren und immerfort ans eigene Ende zu denken – ans Leichenhemd, ans Begräbnis, an den ewigen Schlummer.

Fünfziger in Gefahr

Machen die Situationen oder die Witze ein Lustspiel? Die Antwort auf diese alte Streitfrage zu finden, ist nicht leicht, jeder beantwortet sie nach seinem Habitus und ob es ihm wichtiger ist, was gebracht wird oder wie es gebracht wird.

Die Buchpreise steigen

Es läßt sich nicht länger verheimlichen: Gewissermaßen im Troß der allgemeinen Preisbewegungen sind nun auch die Buchpreise in die Höhe geklettert.

Im Drahtverhau der Dante-Forschung

Wer sich heute der Fülle der Goethe- oder Shakespeare-Literatur nähert mit der Absicht, den Stand der Forschung zu erkunden, der läuft Gefahr, Jahre zu verlieren.

Von schwarzer Haut und Macht

Der Weg in die Katastrophe beginnt mit einer Ohrfeige. Aus nichtigem Anlaß erteilt sie in der englischen Afrikakolonie Kenia der junge, sich als Herrenmensch fühlende Pflanzer Geoffrey Newton einem schwarzen Knaben.

Alte Liebe zu Berlin

Noch bis in die dreißiger Jahre ragte an vielen Stellen das alte Berlin ins moderne Stadtbild; als stumme Zeugen dafür, daß die Weltgeschichte nicht, wie damals manche glauben wollten, erst mit dem Jahre 1933 begonnen hatte, standen die monumentalen Bauten zwischen Brandenburger Tor und dem gewaltigen Schloß – Langhans, Knobelsdorf, Schinkel, Schlüter hießen die Baumeister, deren Bauherren die preußischen Könige waren.

Arabien, wie es nicht ist

Leider hat der arabische Raum von jeher die Romantiker – von T. E. Lawrence bis Muhammad Asad – mehr angezogen als die Historiker.

Abraham a Santa Fulda

Wir sagen ohne Diskussion: Wir machen nicht mit!“ Dieser apodiktische Spruch, der am Schluß einer vierseitigen Flugschrift steht, die während der letzten Wochen von dem Pastor Heinrich Giesen in die deutschen Lande hinausgeschickt wurde, diese deutliche Absage also bezieht sich auf nichts anderes als auf das Karnevalstreiben: „Nein, Christen machen nicht mit.

Schleswig- Holstein: Einträglicher Grenzverkehr

Halbstündlich fahren die Omnibusse vom Flensburger ZOB zur Grenze; halbstündlich rattern sie über die ausgefahrene Straße, halten an dem Grenzpunkt Harrislee und entlassen Scharen von Frauen und Kindern.

Berlin: Bert Brechts Barbara

Barbara Brecht, prominentes Mitglied des Ostberliner Theaters am Schiffbauerdamm und 26 jährige Tochter des unlängst verstorbenen „armen B.

Unterwegs zu Hause (4):: ...und nähre dich rädlich!

Haben Sie schon einmal Hopfensprossen nach Wilderer-Art in schwarzem Rehgoulasch mit Rührei gegessen? Oder Trüschenleber? Oder Spargel-Noisette mit Haselnußschaumsoße? Oder kalten Spargelbruch, gebeizt nach Weidmannsart, mit geschnittenem Schübling und Champignons? – In diesem Jahre sicherlich noch nicht, was die Spargelgerichte anbelangt; aber die Trüschen-Saison hat schon begonnen, und Hopfensprossen wird es in etwa drei Wochen geben – aber nur im „Rad“ zu Tettnang in Württemberg.

Karriere im Schnee

Also,ich werde mittags dort ankommen. Ich werde dann in der Hotelhalle sitzen und warten. Es gibt nichts Interessanteres als die Halle eines Berghotels im Winter.

Notizen für Reisende

Kaiserstraße. Neben der „Weinstraße“ und der „Bergstraße“ wird es künftig auch eine „Kaiserstraße“ geben. Als Hauptschlagader des touristischen Verkehrs führt sie zwischen Aachen und Kaiserlautern durch die landschaftlich schönsten Gegenden der Eifel, schneidet das Moseltal und verläuft durch die weiten Wälder des Hunsrücks in die Pfalz.

Heia Safari!

Heia Safari!“ heißt es in diesem Jahr gleich dreimal bei dem Scharnow-Reisebüro in Hannover. Drei Afrika-Reisen hat Scharnow in diesem Jahr zusammengestellt.

Ifen und Widderstein

Das Kleine Walsertal, dieses Kuriosum – nicht der Natur, sondern der Politik, hat an seinem Zugang, nicht weit hinter Oberstdorf im Allgäu, eine Grenze, die Walserschanze, an der noch immer deutsche Zöllner Fußgänger und Autos anhalten, um nach dem Personalausweis zu fragen.

Wiesbaden: Treffpunkt von Bedeutung

Mainz ist die älteste Stadt Deutschlands; aber Wiesbaden, die Rivalin am gegenüberliegenden Rheinufer, will die schönste sein – so begann bei einer Flasche 1953er Steinberger Cabinet Spätlese unser Gespräch über die Vorzüge der rechts- und linksrheinischen Landschaften, ihre Sehenswürdigkeiten und ihre Anziehungskraft auf die Reisenden aus Deutschland, Europa und allen anderen Erdteilen.

Nero und sein Wein

Die Eiserne Hand“ – – Taunuspaß und Ausflugsziel an der Stadtgrenze – ist das einzige, was die Wiesbadener mit dem alten Götz von Berlichingen gemeinsam haben.

Wo wird genassauert?

Seitdem die alten Nassauer Wiesbaden vor 150 Jahren zur Residenz erwählt hatten, entwickelte sich ein blühendes Behördenleben.

Auf einen Blick...

Dr. h. c. Karl Bernard, Präsident des Zentralbankrates der Bank deutscher Länder, bezeichnete vor dem Wirtschaftswissenschaftlichen Club am Institut für Weltwirtschaft in Kiel die bundesdeutsche Kreditpolitik als eine der Marktwirtschaft besonders gemäße Form der wirtschaftspolitischen Einwirkung.

Keine Bange vor höheren Dividenden!

Die Aktionäre sind mit dem, was sie an Dividende erhalten, nicht mehr zufrieden. Sie sehen, daß die Wirtschaft auf vollen Touren läuft, und ihre Betriebe berichten von Jahr zu Jahr in stolzen Rechenschaftsberichten von Umsatzsteigerungen, großen Investitionsprogrammen und all den anderen schönen Dingen, die eine Hausse mit sich bringt.

Krisenglas...

Auf unsere schreckliche „Manöverfrage“ an die Glasindustrie – „was haben Sie sich eigentlich bei der Bezeichnung Krisenzuschlag anläßlich der jüngsten Preiserhöhung (Nr.

Investment - die neue Sparform

Mit den Wirtschaftsverhältnissen wandeln sich im Laufe der Zeit auch die Sparformen. Die ägyptischen Pharaonen legten Getreidevorräte an, von denen man Anteile erwerben und per Scheck oder Überweisung darüber verfügen konnte.

Ohne Apparat

Viele Politiker der Bundesrepublik haben in den letzten Monaten die Entwicklungsländer bereist, um an Ort und Stelle Antwort auf die Fragen zu bekommen, die heute besonders aktuell sind.

Stolzes Jubiläum in Bremen

Der Norddeutsche Lloyd in Bremen besteht am 20. Februar hundert Jahre. Gewiß: es gibt ältere Reedereien in der Welt und auch in Deutschland.

Wer macht solche Gesetze?

Indem ich das Niedergeschriebene noch einmal überblicke, kommt es mir vor, als hatte ich einem Flohzirkus zugesehen. Auf dem Heimwege von einer solchen Attraktion überkommt einen leicht das ungute Gefühl, einer der kleinen Akteure sei ausgebrochen und mache sich nun bemerkbar.

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