Mit den Wirtschaftsverhältnissen wandeln sich im Laufe der Zeit auch die Sparformen. Die ägyptischen Pharaonen legten Getreidevorräte an, von denen man Anteile erwerben und per Scheck oder Überweisung darüber verfügen konnte. Bei anderen Völkern war Vieh das gebräuchliche Geld, und man legte seine Ersparnisse in Rindern, Schafen oder Ziegen an. Italien hat davon seinen Namen: das Kälberland. Die Bundesrepublik aber ist ein moderner Industriestaat, und ihr Wohlstand beruht hauptsächlich auf ihrer industriellen Produktion. Beteiligung an der industriellen Produktion ist daher eine unserem Lande und seinen Wirtschaftsverhältnissen besonders angemessene Sparform. Das Mittel zum Erwerb solcher Industriebeteiligungen ist die Aktie. Wer aber seine Ersparnisse in Aktien anlegen möchte, stößt auf eine doppelte Schwierigkeit.

Die Aktienmärkte, wie wir sie auf dem Kurszettel der Effektenbörse täglich dargestellt finden, sind nun leider durch Währungsreform und DM-Umstellung, Dekartellisierung und Rückverpflechtung, Kapitalerhöhungen und Interessenkäufe zu einer Fachwissenschaft – um nicht zu sagen Geheimwissenschaft – geworden, in der sich nur noch der Fachmann, der versierte Effektenhändler und Wertpapierspezialist richtig auskennen. Ein Mißgriff bei der Auswahl aus den mehr als tausend Börsenaktien kann dem Sparer teuer zu stehen kommen. Große Vermögen, die eine Verteilung ihrer Anlage auf viele verschiedene Aktien erlauben, wodurch das Risiko gemindert wird, sind aber heute selten geworden. Meist handelt es sich um kleinere oder mittlere Sparvermögen, für die eine zeitgemäße und vorteilhafte Anlage gesucht wird. Wie können sie sich unter Ausschluß des Risikos die Vorteile des Aktienbesitzes als Sparmethode zunutze machen?

Diesen weitverbreiteten Wunsch zu erfüllen, ist die Aufgabe, die sich die Investment-Gesellschaften nach angelsächsischem Muster gestellt haben. In Großbritannien und den USA wurden zuerst Investment-Gesellschaften (Kapitalanlagegesellschaften) gegründet, die aus fachmännisch zusammengestellten Aktienpaketen sogenannte Investmentfonds bilden und auf diese Fonds Anteilscheine, sogenannte Zertifikate, ausgeben, durch deren Erwerb der Sparer seine Ersparnisse in Aktien anlegen kann, und zwar in gut gemischten, sachkundig ausgewählten und sorgfältig verwalteten, je nach Konjunktur und Wirtschaftslage ausgewechselten Aktien.

Auch in der Bundesrepublik gibt es jetzt eine Anzahl solcher Gesellschaften, die dem Sparer ihre Zertifikate zur vorteilhaften Anlage seiner Ersparnisse in Aktien anbieten. Die älteste ist die 1950 gegründete Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft in München, die bisher drei Investmentfonds herausgebracht hat, genannt "Fondra", ein Fonds aus Renten- und Aktien werten gemischt, ferner "Fondak", ein Fonds aus nur Aktien in breiter Streuung des gesamten Kurszettels zusammengestellt, endlich "Fondis", ein Fonds industrieller Spitzenwerte aus nur zwanzig variabel gehandelten Industrieaktien von internationalem Ruf. Der Preis der auf diese Fonds ausgegebenen Zertifikate wird börsentäglich über die Kurswerte der im betreffenden Fonds jeweils enthaltenen Effekten ausgerechnet und veröffentlicht. Die Zertifikate sind jederzeit verkäuflich. Sie haben drei Vorzüge: Wertsicherung, Flüssigkeit (d. h. jederzeitige Verwertbarkeit) und Einträglichkeit, da sie dem Zertifikatsinhaber außer einer jährlichen Gewinnausschüttung bisher einen respektablen Kapitalzuwachs eingebracht haben, der aus dem jetzigen Preisstand der Zertifikate ersichtlich ist.

Die Produktivitätssteigerung, von der die weiteren Lohn- und nunmehr auch die Rentenerhöhungen abhängig sind, setzt eine ständig steigende Versorgung der Industrie mit Investitionskapital voraus. Der Investmentsparer sorgt infolgedessen mit seiner Spartätigkeit nicht nur für seine soziale Sicherheit, sondern auch für seinen sozialen Fortschritt. Claus Schrempf