Auf unsere schreckliche "Manöverfrage" an die Glasindustrie – "was haben Sie sich eigentlich bei der Bezeichnung Krisenzuschlag anläßlich der jüngsten Preiserhöhung (Nr. 3 vom 17. Januar) gedacht?" – hat nun die angesprochene Industrie geantwortet: "Herr General, es wurde mehr dabei bedacht, als Herr General überhaupt denken können!"

Nun, diese etwas kühne Antwort haben wir überprüft. Das bedeutendste Unternehmen der Hohlglasindustrie der Bundesrepublik gibt unumwunden zu-, daß bei der Auswahl des Wortes "Krisenzuschlag" der Leutnant zu wenig gedacht hatte. Man müsse eine solche Formulierung beanstanden, weil von einer Krise einfach nicht gesprochen werden könne. Diese Erklärung dieses Großunternehmens deckt sich also voll mit unserer Auffassung.

Der zweite Teil der Antwort versucht die Gründe dieses Krisenzuschlages, der richtiger und geschickter "Brennstoffteuerungszuschlag" hätte genannt werden sollen, darzustellen. Die Preispolitik der Hohlglasindustrie war in den vergangenen Jahren überaus maßvoll. Der Preisindex für Hohlglas lag vor der letzten Preiserhöhung im Oktober (10 v. H.) bei 166 (1938 = 100), während der Durchschnittsindex der industriellen Erzeugerpreise zum gleichen Zeitpunkt bei 222 lag. Doch die im zweiten Halbjahr 1956 auf die Glasindustrie zugekommenen Kostensteigerungen beim Einkauf der Roh-, Hilfs- und Betriebsmaterialien und ferner die Lohn- und Gehaltserhöhungen seien mit den alten Preisen nicht mehr abzufangen gewesen.

Die zweite Preiserhöhung von 4 v. H. sei dagegen ausschließlich ein Brennstoffteuerungszuschlag. Unser Gesprächspartner hat z. B. einen Heizölverbrauch im Jahr von rund 90 000 t. Neben Gas und Kohle stellt dies bei weitem den stärksten Anteil der Brennstoffe dar. In den letzten Monaten aber ist der Preis für Heizöl um 45 bis 60 DM je t gestiegen. Das macht auf das Jahr umgerechnet eine Verteuerung um rund 4 bis 6 Mill. DM oder 4 bis 5 v. H. des Umsatzes aus. Es ist verständlich, daß derartige Summen nicht verkraftet werden können. Unser Gesprächspartner vertrat weiterhin die Auffassung, daß die Preiserhöhung von 4 v. H. als besonderer Zuschlag deklariert werden sollte und nicht in die Verkaufspreise eingerechnet werden dürfte; es müsse als Brennstoffteuerungszuschlag auch in dem Augenblick wieder in Fortfall kommen, wenn die Teuerungszuschläge der Ölkommen, aus der Suezkrise rückgängig gemacht werden.

Wir hoffen, daß die Glashütten die törichte Bezeichnung Krisenzuschlag fallen lassen und das Ding so nennen, wie es ist. Denn damit hat das Glas kein Glück gehabt. Und Krisenglas, wie leicht bricht das... rlt.