Die Bahnhofsanlageri der nordostoberfränkischen Grenzstation Schirnding (Strecke Prag-Nürnberg-Paris) wurden bisher, obwohl wesentliche Aufgaben des nunmehr tschechischen Bahnhofs Eger übernommen werden mußten, nur nötdüftig ausgebaut. Nun aber kann dieses Provisorium wegen der überhandnehmenden Güterstauungen nicht mehr verantwortet werden. In einer nach Schirnding einberufenen Konferenz haben daher die zuständigen Behörden Vertreter endlich über zusätzliche Erweiterungsmaßnahmen beraten. Bei dieser Gelegenheit waren über diese "Drehtür des Ost-West-Handels" aufschlußreiche Einzelheiten zu erfahren: Der beiderseitige Umschlag von Güterwagen beläuft sich monatlich auf 14 000, täglich also auf etwa 47 Waggons. Er ist doppelt so groß wie im Grenzbahnhof Fürth im Wald. Der Höhepunkt der Nachkriegszeit ist 1949 mit 20 000 Waggons erreicht worden, erlitt allerdings in den Jahren 1953/54 mit nur 6000 Waggons einen schweren Rückschlag.

Die Einfuhr aus dem Osten betrifft zu 70 H. Kohle, tschechische Braunkohle und (in geringerem Umfang) polnische Steinkohle, Die wöchentliche Kohlenabfertigung erfordert mindestens 1000 Waggons. Sie ist vor allem für die umliegende Porzellanindustrie (mit ihrem 90prozentigen Anteil an der westdeutschen Produktion), nicht zuletzt aber auch für das Elektrokraftwerk in Arzberg von ausschlaggebender Bedeutung. In weitem Abstand folgen die Importgüter Holz, Kaolin, Steinkohlenteerpech, aber auch Maschinen, Magnesit, Zement, Zeitungspapier, Chemikalien sowie zur Zeit der jeweiligen Reife noch Birnen, Waldbeeren und Pilze. Für die Einfuhr charakteristisch waren auch die mehrmals im Jahr aus Ungarn eintreffenden Triebwagen als Sonderanfertigung für die argentinische Staatsbahn.

Westdeutschlands Ausfuhr, die auf dem Weg nach dem Osten über Schirnding rollt, beläuft sich monatlich auf 800 bis 1000 Waggons. Hauptsächlich handelt es sich um Eisenbleche, Formstahl, Ton, Chemikalien und u. a. Fische. Das Stückgut-Umladegeschäft hat sich in den letzten Jahren von 50 auf 200 t erweitert. Auch die Zahl der Reisenden hat ständig zugenommen. Allein im Monat Oktober vergangenen Jahres sind aus dem Osten über Schirnding 3972 Personen eingereist, und die Zahl der nach der Tschechoslowakei und nach Polen reisenden Personen belief sich zur gleichen Zeit auf 3845. Ist es unter diesen Umständen und im Hinblick auf die sich anbahnende Verbesserung unserer Handelsbeziehungen zur CSR und auch zu Polen verwunderlich, daß die Forderung nach der Beseitigung des Provisoriums Schirnding erhoben wird? Ko.