Von Wolfgang Ebert

Der Weg in die Katastrophe beginnt mit einer Ohrfeige. Aus nichtigem Anlaß erteilt sie in der englischen Afrikakolonie Kenia der junge, sich als Herrenmensch fühlende Pflanzer Geoffrey Newton einem schwarzen Knaben. Eines Tages wird dieser zu einem der grausamsten Anführer der Mau-Mau-Bewegung werden und den Pflanzer mit seiner Familie auf die brutalste Weise ermorden. Eine Ohrfeige also, die zugleich wirklich und symbolisch ist. Mit ihren Folgen manifestiert sie das, was zu den Ursprüngen der verhängnisvollen Situation gehört, in welche die weiße Herrschaft in ganz Afrika geraten ist.

Zum Symptom dafür sind uns in diesen Tagen die Spannungen um Ägypten geworden – voraus ging ihnen aber der Schreckschuß: Mau-Mau. Und in mancher Hinsicht kennzeichnen jene Jahre des Terrors und Gegenterrors in Kenia die Lage, in die sich der weiße Mann in Afrika schuldhaft verstrickt hat, augenfälliger. Diese Jahre und jene, die ihnen vorausgingen, sind das große Thema des Romans von:

Robert Ruark: "Die schwarze Haut", aus dem Amerikanischen übertragen von Egon Strohm. L. Blanvalet Verlag, Berlin; 570 S., 19,80 DM.

Voran steht ein Basuto-Sprichwort: "Wenn ein Mann seine überlieferte Lebensweise abschafft und seine guten alten Gebräuche wegwirft, soll er lieber zuerst für gleichwertigen Ersatz sorgen." An einer Stelle des Romans sagt ein Weißer, der im Kampf gegen Mau-Mau zum brutalen, vertierten Menschenschlächter wird, in einem Moment der Einsicht: "Wir zerstören jede einzelne ihrer logischen Lebensregeln, weil sie mit unseren Gesetzer in Widerspruch stehen, und was wir ihnen als Ersatz geben, ist gottverdammt nichts."

Diese Zitate sind schon das Destillat dieses Wälzers, der in den USA lange an der Spitze der Bestseller stand. Aus genauer Kenntnis der Landschaft und ihrer weißen und schwarzen Menschen vermag es Ruark, den realistischen Stil sicher und routiniert beherrschend, ein Porträt dieser Kolonie und der folgenschweren Ereignisse ihrer jüngsten Vergangenheit zu entwerfen, das um Wahrheit und Objektivität bemüht ist.

Was an Ruarks Buch lesenswert ist – seine Schilderung der Landschaft, der Tierjagden, der Riten und religiösen Vorstellungen der Farbigen gehören dazu –, wird leider überwuchert durch seine Sucht, den Geschmack des breiten amerikanischen Leserpublikums anzupeilen, dem er immerhin ein auswegloses Un-Happy-End zumuten kann. Seine weißen Helden und Heldinnen sind so echt wie Leinwandfiguren, ihre oft neckischen, häufig frivolen Dialoge entstammen abgestandenen Gesellschaftsromanen. Weil er aber gerade in der Darstellung der sexuellen Beziehungen in den ausgetretenen Pfaden des sich hart gebenden Realismus wandelt, der sich nicht mit der Andeutung begnügen kann, fällt es schwer, zu glauben, daß die Schilderungen der entsetzlichen, unvorstellbaren Grausamkeiten und Obszönitäten – sie übertreffen alles, was man jemals in dieser Hinsicht lesen mußte –, die erst von den Schwarzen und dann von den Weißen begangen werden, reiner oder gar künstlerischer Notwendigkeit entsprangen.