Berlin bereitet sich (mit der diese Stadt schon immer auszeichnenden Initiative) auf die "Internationale Bauausstellung 1957" vor, die vom 6. Juli bis zum 29. September das Interesse der Weltöffentlichkeit auf sich ziehen wird. Im Hansaviertel, dem als Kernstück der "Interbau" neu aufzubauenden Stadtteil, wachsen die Gebäude von Tag zu Tag; doch noch immer werden Grundsteine für weitere Bauten gelegt. Aber nicht nur die "Demonstration" der Werke führender ausländischer und deutscher Architekten auf der relativ kleinen Fläche dieses Berliner Stadtviertels zeigt die Auswertung der jüngsten Erfahrungen des modernen Städtebaues: auch an vielen anderen Stehender immer noch mit schweren Wunden versehenen Stadt vermittelt eine Reihe beachtlicher Bauten einen Begriff davon, was trotz erheblicher – besonders finanzieller – Schwierigkeiten in Berlin geleistet wird, um die wohl am stärksten zerstörte deutsche Stadt auch äußerlich wieder zur Hauptstadt und zur Weltstadt werden zu lassen.

In einem anerkennenswert offenen Gespräch vermittelte Dipl.-Ing. Rolf Schwedler, Berlins Senator für das Bau- und Wohnungswesen, in Hamburg einen Überblick über die Anstrengungen, die in diesen Monaten an der Spree unternommen Verden. Da ist nicht nur der Wettbewerb zum Ausbau des noch immer stark zerstörten innerstädtischen Gebietes, nicht nur der Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes, die Gestaltung des Hansaviertels, der Bau der neuen Kongreßhalle, das umfangreiche Hotelbau-Programm, das Wiedererstehen des Zoo-Viertels, der Aufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, die Umgestaltung des Er -Reuter-Platzes und die Fülle der Bauvorhaben am Funkturm zu nennen – da ist auch als besonders erfreulich festzustellen, daß Berlin das Schwergewicht der Bautätigkeit auf den Wohnungsbau gelegt hat und darüber hinaus das umfangreichste Straßenbauprojekt in Angriff nahm, das je in einer europäischen Stadt geplant worden ist. Der erste Spatenstich für dieses (innerstädtische) Schnellstraßennetz wurde bereits im Sommer 1956 getan. Es soll parallel zum S-Bahn-Ring einen nach dem Prinzip der Autobahnen angelegten Straßenring mit (meist) drei Fahrspuren bringen. Das Ziel ist, den Durchgangsverkehr von der Innenstadt abzuziehen und so Verkehrsstauungen zu vermeiden. Darum wird dieses Schnellstraßennetz auch kreuzungsfrei gebaut und – auf einer Länge von insgesamt rund 100 km – nur im Abstand von 1 bis 1,5 km an das Netz der Hauptverkehrsstraßen angeschlossen werden.

Soweit wie möglich will Berlin auch den Massenverkehr von den Straßen abziehen und unterirdisch bewältigen. Diesem Plan dient das stark forcierte U-Bahn-Bauprogramm, das in seinem ersten Abschnitt die Linienverlängerung über den Kurt-Schumacher-Platz bis Tegel bringt und eine weitere Linie vorsieht, die – quer durch das Hansaviertel – den Wedding mit Steglitz verbindet. Bereits heute dürfte feststehen, daß so manche konservative Stadtverwaltung aus dem Vorbild, das Berlin bietet, lernen kann. Denn schließlich hat die Hauptstadt in weiser Voraussicht den klugen Entschluß gefaßt, schrottreife Straßenbahnwagen nicht etwa durch neue Konstruktionen, sondern durch Autobusse zu ersetzen. Das allein schon verdient Anerkennung, wie Berlin auch dafür gelobt werden muß, daß es aus den vielfältigen städtebaulichen Fehlern und Versagern, über die wir uns heute in manchen bundesdeutschen Städten ärgern, rechtzeitig die Konsequenzen gezogen hat... ww.