Da wird ein Mann erdacht, ganz einfach erfunden, der (angeblich) vor hundert Jahren gestorben ist und den nun jeder gefälligst zu kennen und als "einen großen, vielleicht den größten Sohn der Stadt" zu preisen hat. Was solcherart als Party-Ulk, als eine blitzende Augenblickseingebung des eulenspiegelhaften Dr. Florian Geyer, begann, läuft weiter, zieht Kreise, schlägt die kleine Stadt völlig in seinen Bann und endet mit einer pompösen Hundertjahrfeier zum Ableben eben jenes großen Mannes, der nie lebte, von dessen Nachruhm aber der ganze Ort und von dessen Gedanken sogar die ganze europäische Kultur noch zehrt – jenes "Verfechters der Innerlichkeit" Christian Theodora Bartschedel (1778–1857).

Wolfgang Hildesheimer, Autor der Hörspiele "Prinzessin Turandot", "Das Atelierfest" und "Opfer Helena", bemerkt zu seinem neuen Opus: "Mein Hörspiel ‚Die Bartschedel-Idee‘ richtet sich gegen erstens das Klischee, wie es sich im Gesellschaftsleben und in der Beamten weit offenbart, zweitens die falsche Innerlichkeit und den verlogenen Gefühlsgehalt, wie sie in vielen Werken der neuen deutschen Literatur uns entgegentreten, drittens Festspiele und Festwochen, wie sie überall aus dem Kulturleben sprießen, viertens den Kulturbetrieb überhaupt. Aber alle diese Anliegen haben sich von selbst eingeschmuggelt."

Darum ist dieses Hörspiel auch so gut geworden: weil die Anliegen nicht als Anliegen, sondern als Spaß serviert werden. "Um über jemanden zu reden, braucht man nicht zu wissen, um wen es sich handelt." Dieser Satz aus dem Munde des Dr. Florian Geyer könnte als Motto über dem Hildesheimerschen Hörspiel stehen, das uns allen zu Leibe rückt und das – als Superulk aufgezäumt – mit handfesten Wahrheiten auffährt.

Bei dem nuancensicheren Fritz Schröder-Jahn, der inszenierte, und bei so hervorragenden Sprechern wie Ann Höling, Inge Meysel, Heinz Klevenow und Joachim Teege lag die "Bartschedel-Idee" in guten Händen (NDR Mittelwelle, 21. Februar, 20,05 – 21,15 Uhr). Die Musik, der das Spiel viele humoristische Akzente verdankte, stammt von Siegfried Franz. G.

Wir werden sehen:

Dienstag, 5. März, 22.00 Uhr: Dr. Rudolf Kühn zeigt in der Sendung "Wenn der Himmel klar ist..." den Planeten Jupiter im Fernsehteleskop.

Mittwoch, 6. März, 20.20 Uhr: Eine Fernsehfassung von Graham Greenes berühmtem Roman "Die Kraft und die Herrlichkeit".