Was lange währt, wird endlich gut. Nach diesem Sprichwort müßte, wie wir meinen, das umständliche Verfahren, mit dessen Hilfe die Hamburger Hochschule für bildende Künste ihren neuen Direktor erhält, mit der Wahl Dr. Werner Haftmanns enden, den die Leser der ZEIT vom Beginn dieser Wochenzeitung an als Kunstwissenschaftler von außerordentlichem Range kennen.

Ein Wissenschaftler auf diesem Direktorposten, und kein schaffender Künstler? Wem diese Frage berechtigt erscheint, mag dadurch überrascht und – beruhigt werden, daß unter dem Dozentenkollegium gerade jene Schaffenden der freien Künste, die der Stolz der Hamburger Kunsthochschule sind, sich für Haftmann einsetzten als den kenntnisreichen, allem Modernen zugewandten und zugleich in der großen abendländischen Tradition wurzelnden Mentor, Deuter und Förderer. Noch ist die Wahl Haftmanns jedoch nicht gewiß. Aber wie dem auch sei: Auf keinen Fall sollte ein Argument Zustimmung finden, das soeben erst in die Debatte geworfen wurde und meint, es müßte unbedingt ein Hamburger sein, einzig und allein ein Hamburger, dem man Hamburgs prominente Kunstakademie anvertrauen sollte. Lokalpolitik und Kunstpolitik verträgt sich schlecht. Das Resultat davon wäre ein Drittes: Kirchturmpolitik, und damit wäre weder dem Ansehen Hamburgs noch seiner Hochschule gedient. J. Müller-Marein