DIE ZEIT

Krieg und Frieden

Es gilt als realpolitisch, um nicht zu sagen als schick, die amerikanische Nahostpolitik als ein Abwägen von Ölinteressen, also proarabischen Momenten, gegen jüdische Wählerstimmen und pressure groups, also proisraelische Momente, zu deuten.

Türen im gläsernen Vorhang

Was auf der Ebene der hohen Politik noch auf so manche Schwierigkeiten stößt, nämlich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Polen, ist auf „akademischer“ Ebene am vergangenen Wochenende Wirklichkeit geworden: sechs polnische Studentenvertreter (zwei Delegierte des Studentenverbandes ZSP und vier Redakteure polnischer Studentenzeitungen), die zur Zeit zwölf Tage lang die Bundesrepublik bereisen, haben in Bonn mit dem Verband Deutscher Studentenschaften über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit verhandelt und sich auf künftige Austauschmöglichkeiten geeinigt.

Schluß Ende Mai?

Zwar nicht mehr mit den tausend Masten des Schillerschen Jünglings, aber doch noch weit von seinem rettenden Kahn entfernt, konnte man anerkannte CDU-Sprecher noch vor kurzem bei Voraussagen über das beobachten, was bis zu der Einfahrt des zweiten Bundestages in seinen Endhafen an gesetzgeberscher Arbeit noch zu erwarten sei.

Rechtsanwälte, Ärzte und Bauern

Dürfen wir vorstellen: Studiosus Kasper und Studiosus Hauser, beide entschlossen, Rechtsanwälte zu werden. Der eine, Kasper, ortsansässig, mit einem reichlichen väterlichen Wechsel und einer gutgehenden väterlichen Anwaltspraxis im Hintergrund, der andere, Hauser, ein „Zugereister“, Sohn von Vertriebenen ohne Vermögen, aber mit gerade genug Einkommen, um den Sohn studieren zu lassen.

ZEITSPIEGEL

Den „kommunistischen Märtyrern – Opfern der Konterrevolution“ soll laut Regierungsbeschluß in Budapest ein Denkmal errichtet werden, meldet Radio Budapest.

Indien geht den „dritten Weg“

Es sind genau drei Jahre vergangen, seit ich zuletzt in New Delhi war. Drei Jahre, in denen sich hier viel verändert hat. Schon die Wohnungen meiner Freunde schienen verändert.

Christen-Ehen

Besonderes Aufsehen hatte im vergangenen Jahr die Verurteilung des Generalvikars Riemer in der Diözese Passau und des Pfarrers Neun aus der bayerischen Gemeinde Tann erregt, nachdem Neun mit ausdrücklicher Zustimmung Riemers eine „Onkelehe“ getraut hatte, ohne daß die Verlobten vorher den vorgeschriebenen Gang zum Standesamt gemacht hätten.

Professor Präsident?

Seit 1945 wird Österreich von einer Koalition zwischen Volkspartei und Sozialisten regiert. Abgesehen von der winzigen Kommunistischen Partei gibt es im Parlament nur noch die Gruppe der früheren Nationalen, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ.

Kaiser Josephs Hofzwerge

Einer der sichersten Tricks, um in Österreich Erfolg zu haben, sei der Tod – so behauptete kürzlich Friedrich Torberg, als er am Lesepult des Akademietheaters stand, um in einer Matinee dem Publikum das Lebenswerk Fritz von Herzmanovsky-Orlandos zu präsentieren, dessen „Kaiser Joseph und dieBahnwärterstocher“ er für dieBühne bearbeitet hatte.

Maß für Maß

Mehr noch als an einem Bundeskultusminister fehlt es uns längst schon an einer gesetzlichen Regelung der Frage, wie lang eine Straße sein muß, um den Namen eines unserer Großen würdig zu tragen, und es angelt uns darüber hinaus an einer Liste jener Berühmten, die würdig genug sind, ihren Namen zur Benennung einer deutschen Straße oder eines Platzes herzugeben.

Die „Tauernaffäre“ im Theater

Es ist ein gewagtes Unterfangen, als Dichter ein Ereignis anzugehen, das, wie die „Dachsteintragödie“ der Heilbronner Schüler im April 1954, in seiner Unfaßbarkeit über die Länge der inzwishen verstrichenen Zeit hinweg nicht aufgehört hat, die Gemüter zu erschüttern.

Schattenloses Paris

Verschiedene Ausstellungen, die in den letzten Wochen in Paris zu sehen waren und noch zu sehen sind, wie der Salon de la Jeune Peinture, die Schau Preis Greenshields 1957, die Ausstellungen La Realité Poetique und die jüngsten Werke von Bernard Buffet lassen erkennen, daß eine Anzahl zeitgenössischer Maler dem „Zug zur Abstraktion“ widerstehen und bemüht sind, „den Gegenstand wieder in sein Recht einzusetzen“.

Notizen

Zentrum deutscher Ostforschung. Geistige Nachfolgerin der Karls-Universität in Prag soll nach den Worten des Konstanzer Professors Theodor Mayer das „Collegium Carolineum“ sein, das unter seiner Leitung in München gegründet wurde.

Hinweis auf Haftmann

Was lange währt, wird endlich gut. Nach diesem Sprichwort müßte, wie wir meinen, das umständliche Verfahren, mit dessen Hilfe die Hamburger Hochschule für bildende Künste ihren neuen Direktor erhält, mit der Wahl Dr.

Provokation und peinlicher Kompromiß

Die Freie Hansestadt Bremen hat vor kurzem ihren Literaturpreis zur Hälfte der Lyrikerin Ingeborg Bachmann verliehen. Eigentlich wollte die Jury die volle Summe Frau Bachmann %eben.

Die Geschichte von Joel Brand

in sechsfacher Mord leuchtet ein – der Mord an sechs Millionen wird Abstraktion, Statistik..................................

Biedermanns Literaturgeschichte

Die sowjetzonale „Neue Deutsche Literatur“ – die repräsentative Monatsschrift des kommunistischen Deutschen Schriftstellerverbandes der „DDR“ – hat in ihrem Januarheft unter der Überschrift „Schule der Täter“ die „Geschichte der deutschen Literatur“ eines gewissen Dr.

Die Steine der Weisen

Nun pflastert er wieder Steine, jener 55jährige Abe Brouwer‚ der sich als Dichter seiner holländischen Heimat einen guten Namen gemacht hat.

Moderne Spaßvogelei

Arm wie eine Kirchenmaus war er, aber Nobelpreisträger und Mitglied der Italienischen Akademie: Luigi Pirandello Kein Wunder, daß er Pessimist wurde; glaubte er doch, durch die Gesichter der Menschen gleich bis in die Wurzel ihrer Triebkräfte hindurchzusehen und zu wissen, daß sie alle, von der Jungfer bis zum Greis, Masken tragen.

Bremen: Ein Dorf muß sterben

Ewar ein Wetter wie am Totensonntag. Dichte, feuchte Nebelschwaden zogen von der Weser herauf und versuchten, die leeren Fensterhöhlen der Bauernhäuser in Mittelsbüren zu verdecken.

Baden-Württemberg: 2:0 für Zehentmaier

Die Nachricht von einer Verfassungsbeschwerde gegen die Zusammenveranlagung von Ehegatten bewirkte bei den Lesern der Tageszeitungen vor vier Jahren nur ein mitleidiges Lächeln.

Ruhelos

Wenn sich jenseits des Waldrandes, der den Frankfurter Rhein-Main-Flughafen südlich begrenzt, an der alten Zigeunereiche bei Mörfelden die Wagenzüge des fahrenden Volkes aus allen vier Himmelsrichtungen begegnen, dann wird kein Gesetz ihnen vorschreiben, wohin sie sich von diesem Wegkreuz aus begeben müssen, wie lange sie in diesem oder jenem süddeutschen Dorf bleiben und wen die älteren Frauen der Sippe mit ihren Weissagungen beglücken dürfen.

Echte Geheimnisse

Die Chefredakteure der Hamburger Zeitungen fanden dieser Tage einen Brief auf ihrem Schreibtisch, von dem man nicht nur annehmen darf, daß die darin ausgesprochene Bitte befolgt wurde, sondern von dem man auch hoffen möchte, daß er als Musterfall eines vernünftigen „Umgangs mit der Presse“ auch für die Zukunft exemplarische Bedeutung erhält.

Bayern: Weißwurst-Jubiläum

Bayern feierte im heurigen Fasching einen nationalen Gedenktag besonderer Art, der selbst in Bauernkalendern nicht vermerkt ist.

Hamburg: Harry Heine & Co. erloschen

Im Vorort Othmarschen an der Elbe, nicht weit von der Stelle, wo Onkel Salomon Heine einst sein Landhaus hatte, stellte das Europa-Kolleg letzte Woche, am Todestage des Dichters, eine Statuette auf.

Berlin: Bärchens Uhr

Bärchen“, ein herziger Briefkastenonkel der immer fröhlich roten (Ost-) „Berliner Zeitung“, ist seit drei Monaten Besitzer einer Uhr aus Ruhla im Thüringer Wald, die er für ein kaum nennenswertes Vermögen erwarb, um sie auf einen Tisch zu stellen und sich an dem lieblichen Ticktack zu erfreuen.

Nordrhein-Westfalen: Guter Einfall

Auf höchst moderne Weise mit der Wurst nach dem Schinken wirft neuerlich ein findiger Kölner Geschäftsmann, der erkannt hat, daß sich selbst eine scheinbar so lästige Einrichtung wie Parkuhren für Werbung und Kundendienst trefflich einspannen läßt.

Auf einen Blick ...

Nach jahrelangen Vorarbeiten in den Ausschüssen hat der Bundestag in der vergangenen Woche ein Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit verabschiedet.

Leider eine Absage

Es sieht leider nicht so aus, als ob aus dem Marathon-Streik in Schleswig-Holstein nützliche Lehren gezogen werden. Der Vorschlag, den der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Dr.

Zeitgerechte Agrarpolitik

In den hier folgenden Ausführungen zeigt Dr. Th. Sonnemann, Staatssekretär unter Minister Lübke im Bundesressort für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, einige Grundsatzüberlegungen, wie sie für die Agrarpolitik im allgemeinen und de Maßnahmen des „Grünen Plans“ im besonderen maßgebend sein müssen.

Berlin serviert „Interbau“

Berlin bereitet sich (mit der diese Stadt schon immer auszeichnenden Initiative) auf die „Internationale Bauausstellung 1957“ vor, die vom 6.

Der Richterspruch von Newark

In Newark im Staate New Jersey lebt ein amerikanischer Richter, der neben seinen Paragraphen und seinem Herrgott nichts duldet.

Entflechtung nach Gesetz oder Gutdünken?

Die deutsche Filmwirtschaft blickt gegenwartig wieder einmal mit großem Interesse nach Düsseldorf. Dort, am Sitz der Liquidatoren des „ehemals reichseigenen Filmvermögens“, hat kürzlich vor dem Landgericht die von sechs Heimatvertriebenen beantragte Feststellungsklage gegen die „Ufa-Film GmbH i.

Amerikas Wirtschaft auf dem Hochplateau

Die Prognosen der nordamerikanischen Wirtschaftsexperten gehen schon seit einiger Zeit dahin, daß der langjährige Boom eines Tages höchstwahrscheinlich von einer mehr oder minder kontinuierlichen Wirtschaftsaktivität auf relativ hohem Niveau abgelöst werden würde.

Börse: Das Publikum macht noch nicht mit

In der vergangenen Börsenwoche brachte der frischere Dividendenwind mehr Leben in die Börsensäle. Er hatte jedoch keinen langen Atem, denn als der Berufshandel sah, daß er trotz steigender Kurse im wesentlichen unter sich geblieben war, verlangsamte er sein Tempo und begann – wo irgendmöglich – die Kursgewinne zu Geld zu machen.

Veredeltes Aluminium

Die Rheinische Blattmetall AG, Grevenbroich, eine Tochtergesellschaft des Erftwerks, das seinerseits wiederum zur bundeseigenen Vereinigte Aluminium-Werke AG gehört, hat 1956 gut gearbeitet und verdient, erklärte der Vorstand anläßlich einer Werksbesichtigung.

Metallgesellschaft hoch bewertet

Die Metallgesellschaft AG, Frankfurt/Main, weist in ihrem Bericht 1955/56 von guten und befriedigenden Geschäften auf allen Gebieten zu berichten.

Metzeler contra Hirsch ohne Ende

Allerlei Ungereimtes gilt es noch zu klären, bevor die Bilanzen der Metzeler Gummiwerke AG, München, für 1954 und 1955 verabschiedet werden können.

Opposition kostet Geld

Die Bücher der unglücklichen Francke Werke AG i. L. in Bremen konnten noch nicht geschlossen werden, weil sich kurz nach der letzten HV ein Aktionär meldete, der verschiedene Beschlüsse dieser HV anzweifelte.

Die Öffa ist wieder im Geschäft

Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG, Berlin/Frankfurt am Main, bekannt hauptsächlich unter der Kurzbezeichnung „Öffa“, ist eines der Wunderkinder Schachtscher Finanzierungskunst.

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