Zu Problemen der neo realistischen Malerei und Literatur

Verschiedene Ausstellungen, die in den letzten Wochen in Paris zu sehen waren und noch zu sehen sind, wie der Salon de la Jeune Peinture, die Schau Preis Greenshields 1957, die Ausstellungen La Realité Poetique und die jüngsten Werke von Bernard Buffet lassen erkennen, daß eine Anzahl zeitgenössischer Maler dem "Zug zur Abstraktion" widerstehen und bemüht sind, "den Gegenstand wieder in sein Recht einzusetzen".

Aber Gegenständlichkeit allein verbürgt noch nicht die Darstellung einer höheren Realität: das erkannte man bei einem Rundgang durch das Musée de l’Art Moderne, in dem mehr als zweihundert neo-realistische Maler, die nicht älter als vierzig sind, ihre Arbeiten ausstellten. Man sah viele naturalistische Landschaftsbilder, die gewohnten kargen Stilleben, Szenenbilder aus dem Alltagsleben. Zwar hat sich die Palette der jungen Maler aufgehellt, aber die begabtesten unter innen überwanden den "Miserabilismus" der Nachkriegsjahre noch nicht.

Die Maler der Realité poétique dagegen sind ganz auf der Lichtseite des Lebens angesiedelt. Maler wie Brianchon, Caillard, Cavailles, Legeult sind Nachzügler von Matisse, Bonnard, Marquet – subtile Koloristen, die eine sehr kultivierte peinture pflegen; ihre Variationen der impressionistischen Malweise aber führen die stilistische Entwicklung nicht weiter.

Der "Preis Greenshields 1957" wurde 1955 von dem kanadischen Mäzen Charles G. Greenshields gestiftet, um jedes zweite Jahr zwei europäische Maler auszuzeichnen "unter der Bedingung, daß sie gegenständlich seien". Den Preis von 1 400 000 französischen Franken teilten sich dieses Jahr die beiden Pariser Maler Gaston Sebire und Guy Bardone. Die Werke der 136 Bewerber sind zu beiläufig und beliebig gestaltet, um den stilistischen Ansprüchen zu genügen. Man vermißt gleichsam jene "innere Notwendigkeit", die (nicht erst seit Kandinsky) die Voraussetzung eines Kunstwerks ist.

Diese "innere Notwendigkeit" ist zweifellos das Gesetz, unter dem Bernard Buffet steht.

Das Thema von Buffets diesjähriger Bilderserie (er stellt seine Bilder nur serienweise her) ist Paris. Ein graues und schattenloses Paris ohne Atmosphäre. Der Himmel bleiern, das Wasser der Seine wie gefroren. Die Architektur von Paris ist auf eine strenge Vertikalität reduziert. Man fühlt unwillkürlich eine prädestinierte Übereinstimmung des "Anti-Barocks" dieser Stadt mit dem puritanischen Temperament Buffets. Austerite scheint das Schlüsselwort dieses Künstlers zu sein, der die Fähigkeit besitzt, einen bestimmten Stimmungsgehalt der Wirklichkeit zum Ausdruck zu bringen.