Aus der Fülle der meist unwesentlichen Filme heben wir an dieser Stelle einige aus der Spitzengruppe heraus. Da diese Filme eine längere Laufzeit haben und in sehr großen Abständen in den einzelnen Bundesländern erscheinen, finden Sie gelegentlich Wiederholungen, wobei wir jeweils die neuen Hinweise voranstellen. Das Merkwort in Klammern bezieht sich auf den Erscheinungstermin einer ausführlichen Kritik in der ZEIT anläßlich der Uraufführung oder deutschen Erstaufführung des Filmes.

Picasso (Frankreich). Die Malerei "in statu nascendi die Intimität des schöpferischen Prozesses, will der abendfüllende Dokumentarfilm von Henri-George Cloutot an dem Beispiel Picasso zeigen. Das Werk ist zugleich eine filmische Einführung in die abstrakte Malerei (DIE ZEIT, 19/1956).

Ladykillers (England). Das ist eine Gruselkomödie, wie sie nur Engländer vorführen können: immer scharf die Grenzen des Sadismus und der Blasphemie streifend, doch im ganzen von einem urgesunden Humor durchstrahlt. Dieser Film ist so gut besetzt – als der "Boß" fungiert Alec Guiness –, daß er einen so pikanten und extravaganten Genuß bereitet wie der makabre Streifen "Arsenik und Spitzenhäubchen".

Stresemann (Deutschland) ist nicht nur deshalb zu begrüßen, weil die deutsche Vergangenheit bisher nur in Gestalt von Monarchen, Generälen und Spionen zu flimmerndem Leben erweckt wurde, sondern auch weil er im Sinne der Demokratie staatspolitisch bildend wirken kann. Wenn auch die geistigen Hintergründe im Wirkungsfeld solcher Persönlichkeiten wie Stresemann (Ernst Schröder) und Briand (Leonhard Steckel) nicht sichtbar gemacht werden konnten. (DIE ZEIT, Nr. 6.)

Krieg und Frieden (USA). Leo Tolstoij Hauptwerk wurde in italienisch – amerikanischer Gemeinschaftsproduktion unter der Regie King Victors zu einem dreieinhalbstündigen Breitwand-Monumentalfilm verarbeitet. Ein sehenswerter Film, wenn es auch nicht gelingen konnte, das von Tolstoij verdichtete Menschengeschick mit dem Hintergrund der Weltgeschichte voll einzufangen. Audrey Hepburn zeigt als Natascha ihre gewohnte, kindlich-wehrlose Anmut, der Fürst Andrej Mel Ferrers gewinnt nicht die Lebendigkeit des Romanvorbildes. (DIE ZEIT, Nr. 36/56.)

Robinson soll nicht sterben (Deutschland). Wer diesen agfacolorisierten Streifen sah, kann nicht verstehen, daß Generationen junger Menschen immer wieder Daniel Defoes unsterblichen "Robinson" verschlangen, so sehr wurde darin die Sehnsucht nach Romantik verkitscht. Wer aber Erich Ponto noch einmal sehen will, dem bietst sich hier eine erschütternde Begegnung. Als Defoe auf dem Sterbebett nahm er seinen eigenen Tod vorweg. Projector

Anastasia (USA). Ingrid Bergmans Come back in einem amerikanischen Film, der das Schicksal der echten oder falschen Zarentochter in Bilder faßte (nach dem französischen Bühnenstück von Marcellle Maurette).