W. K., Altenau/Harz, Ende Februar

Die Veranstalter der Deutschen Nordischen Ski-Meisterschaften1957 konnten von Glück sagen, daß es nach dem Frühlingswetter plötzlich wieder Winter wurde und noch in letzter Minute Schnee fiel. Und sie waren auch gut beraten, daß sie oben am Torfhaus eine neue Loipe ausflaggen ließen, denn dort kamen einige ganz hervorragende Leistungen zustande. Im 15-km-Langlauf wurde mit 48:35 Minuten eine Zeit erzielt, wie sie noch nie in der Geschichte der Deutschen Meisterschaften gelaufen wurde; Siege: war Siegfried Weiß, der schon drei Tage zuvor auch den 30-km-Langlauf gewonnen hatte. Der knapp dreiundzwanzigjährige Bauer Brend im Schwarzwald hat sich damit im Laufe nur eines Jahres in die Spitzenklasse geschoben. Schon am Wochenende zuvor hatte er am Mont Soleil in der Schweiz gegen scharfe ausländische Konkurrenz hervorragend abgeschnitten. Es war eine kleine Sensation, als Weiß hier im Harz nicht nur siebenundzwanzig Gegner überholte, sondern auch den Titelverteidiger, Helmut Hagg-Bayern, glatt schlug.

Der Frankfurter Sepp Schiffner holte sich sicher und überlegen den Sieg in der Nordischen Kombination. Bereits im Sprunglauf hatte er sich mit Weiten von 61 und 67 m an die Spitze gesetzt und konnte im 15-km-Lauf, der rund um die Wolfswarte im Bruchberggebiet gelaufen wurde, zweiter werden.

Den Sieg im 10-km-Langlauf der Damen ließ sich die Favoritin, Rita Czech-Blasl, nicht nehmen. Die Freiburgerin distanzierte mit 77 Sek. die zweite. Der neue Deutsche Meister im Spezial-Sprunglauf, der vor fast 20 000 begeisterten Zuschauern ausgetragen wurde, heißt Max Bolkart-Oberstdorf, der mit Weiten von 69,5 und 69 Metern und der Wertungsnote 222,5 seine Gegner schlug. Der Zweikampf zwischen den Frauen aus dem Schwarzwald und aus Schwaben im 3 X 5-km-Stafettenlauf endete erneut mit einem Triumph des Schwabenlandes. In der 4 X 10-km-Staffel der Männer gab es ein "totes Rennen" zwischen Bayern und Schwarzwald.

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Der offizielle Film der Olympischen Spiele in Melbourne erlebte seine Uraufführung in der Schweiz, also in einem Lande, das nicht an den Spielen teilgenommen hat. Der Film wurde in mehrfacher Hinsicht zensiert. Alle Boxszenen sind gestrichen worden. Es lag den Schweizer Veranstaltern daran, den großen Bildbericht vor allem Kindern zu zeigen. Für sie aber ist, nach Meinung der Zensoren, der Boxsport zu roh. Fußball wird man auch nicht sehen, denn das Olympische Turnier stand nach Ansicht eines offiziellen Sprechers auf einem so niedrigen Niveau, daß man es lieber nicht noch einmal im Film sehen möchte.