DIE ZEIT

Herr Minister, bitte niemals brutal

Vielleicht gehört es sich nicht, dem Wirtschaftsminister Erhard zu dieser Stunde im Fache „Deutsch“ Zensuren zu erteilen. Sind doch Anlaß und Thema seiner Rede zu ernst gewesen! Eröffnung der Franfurter Frühjahrsmesse und die Frage, wie der Lohn-Preis-Spirale endlich Einhalt geboten werden könne.

Einer war dagegen

Einem sehr berühmten Vorbilde, dem Vorbild des Fürsten Leo Sapieha, des Helden des ersten Aktes von Schillers Demetrius, folgte der polnische Sejm-Abgeordnete Anton Wojtsyiak, als er vor kurzem aufstand und als einziger gegen die Regierung Cyrankiewicz stimmte.

Getrübte Filmfestfreude

Die Filmfestspiele in Cannes und die Deutschen – das scheint auch in diesem Jahr ein ärgerliches Kapitel zu werden. Im vorigen Jahr wurde der Film der Bundesrepublik „Himmel ohne Sterne“ zurückgewiesen, weil er eine der teilnehmenden Nationen hätte kränken können.

Dann lieber Speidel

Die französische KP hat sich für ihre Anti-Speidel-Kampagne einen besonderen „Knüller“ ausgedacht: die Dienstverweigerung aus patriotischen Motiven.

Schwarz-Rot-Gold über Kairo

Überall in Kairo sieht man jetzt ein Plakat. Es zeigt die ägyptische Sphinx, über der sich in kühnem Schwung die schwarz-rot-goldenen Farben der Bundesrepublik wie eine große Brücke wölben: ma-arad allemanija, die Deutsche Industrie-Ausstellung! Es wird die größte Ausstellung sein, die je im Mittleren Osten stattfand.

Steuerzahler habt acht!

Denkt man in Bonn, wenn man Gesetze vorschlägt und verabschiedet, nur noch an den September dieses Jahres? Macht sich die Opposition keine Gedanken darüber, was ihrem Finanzminister und ihr selbst bevorstünde – falls sie die neue Regierung zu bilden hätte –, wenn ihre unverantwortlichen Ausgabenvorschläge angenommen würden? Und spekuliert nicht auch die Regierungskoalition auf die Leichtgläubigkeit und das kurze Gedächtnis des Wählers, dessen Gunst sie sich jetzt so viel kosten zu lassen bereit ist? Sicherlich lassen sich aus dem Budget des Bundesverteidigungsministers vorläufig noch einige Brocken herausbrechen.

Der Europa-Manager

Wir haben uns die Hände geschüttelt, wie man es tut, wenn ein Kind geboren wird“, sagte Paul Henri Spaak, als sich die Sachverständigen über die beiden jetzt unterschriftsreifen Verträge zum Euromarkt und zu Euratom endlich zusammengerauft hatten.

ZEITSPIEGEL

Auf Anweisung des israelischen Außenministeriums soll demnächst ein israelischer Frachter Port Said anlaufen und versuchen, den Suezkanal zu durchfahren.

Harich ein Verräter?

Wegen erwiesenen Staatsverrats ist Wolfgang Harich auf Antrag des Generalstaatsanwalts Melsheimer vom Obersten Gericht der DDR zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

Politik um einen Doppelmord

Am 10. Februar 1956 gab es im Westberliner Polizeipräsidium eine überraschende Unterbrechung des Dienstbetriebes: ein Kurier der Ostberliner Volkspolizei meldete sich auf der Wache.

Kann auch ein Kriegsmann selig sein?

Zweierlei Gefahren bedrohen die deutsche evangelische Kirche: Die Gefahr einer inneren Spaltung über die Frage Wehrdienstbejahung oder Wehrdienstverneinung im Atomkriegszeitalter und die Gefahr einer äußeren Spaltung in eine West- und in eine Ostkirche.

Ein Amerikaner antwortet

Als der deutsche Oppositionsführer Ollenhauer kürzlich die Vereinigten Staaten besuchte, hat man dort die Vorschläge, die dieser politische Antipode Adenauers zur Lösung der deutschen und der europäischen Frage zu machen wußte, aufmerksam angehört.

Nacht über Ungarn

Vor kurzem ist in Ungarn der ehemalige Volksbildungsminister Rakosis, ein Mann namens Joszef Vevai, wieder aufgetaucht und hat im Parteiorgan einen Artikel veröffentlichen dürfen.

Kino ohne Moral

Es gibt Filmproduzenten und Kinobesitzer, die offenbar wenig Gefühl dafür haben, daß auch bei ihrem Geschäft ein Minimum an Moral nötig wäre.

55 junge Berliner

Hamburg sei für eine Woche nicht das Tor zur Welt, sondern ein Tor nach Berlin, sagte Kultursenator Dr. Biermann-Rathjen, als er in der Halle der Nationen die Berliner Kunstausstellungen eröffnete.

Othmar Schoeck †

Unter der großen Zahl bedeutender Musiker, die im Laufe des letzten Jahrzehnts starben, nimmt Othmar Schoeck eine Sonderstellung ein.

Magie von Mais und Kaffeebohnen

Die Rue Visconti ist eng und dunkel; von den leprösen Mauern bröckelt der Stein. Solch altes Mauerwerk inspirierte Wols zu seinen malerischen Expressionen und ließ ihn sagen: „Meine Malerei wird das niemals erreichen.

Die Verbündeten

Eines Morgens wurde, ohne daß jemand angeklopft hätte, die Tür aufgerissen, und der Doktor kam rein, hinter ihm kam noch jemand rein, und der Direktor hob ein bißchen die Schultern, und dann ließ er sie wieder fallen, und er sagte, das wäre jetzt Herr Nitschke, unser Lehrer.

Reich und reich gesellt sich gern...

Frankfurt ist die westdeutsche Dependance des verstorbenen Dichters Bertold Brecht. Zeile um Zeile wird von Peter Suhrkamp verlegt, nach dem Befund des immensen Nachlasses wird Suhrkamp noch Tausende von Brecht-Seiten drucken können für eine politisch indifferente Intelligenz.

Notizen

Lehrer-Import für Deutschland. Mit der Übernahme von etwa 1600 österreichischen Lehrern für die deutschen Schulen beschäftigt sich seit einiger Zeit die Kultusministerkonferenz der Länder.

Mit weniger Geld geht es auch

Noch haben wir die sehr deutlichen Forderungen, ja, die Streikandrohungen in den Ohren, mit denen kürzlich der Verband Deutscher Studentenschaften die bundesdeutsche Öffentlichkeit aufzurütteln suchte.

Burleske in Kiel

An einem heiteren Opernabend lernte man im Kieler Stadttheater den italienischen Komponisten Antonio Veretti kennen. Er wurde 1900 in Verona geboren und lebt als Konversatoriumsdirektor in Florenz.

Deute dich selbst!

Zerschwatzte Dichtung“ nennt der Schweizer Literaturkritiker Walter Muschg einen Aufsatz in seinem Buch „die Zerstörung der deutschen Literatur“, das an dieser Stelle unserer Zeitung vor einigen Wochen (siehe Die ZEIT Nr.

Im Kleinen zu Hause

Die Sphinx ist nicht tot – prosaisch ausgedrückt heißt das nichts anderes, als daß der Mensch noch immer das große Rätsel ist, wenn er auch wähnt, die Natur und sich selber bis in die Tiefen ergründet zu haben.

Pankas Windhund

Es gibt ein gutes Rezept für moderne, interessante Unterhaltung: man nehme kurze Sätze, schaue dem Volke aufs Maul, schaffe Situationen, in denen das Gute so lange verkannt wird, bis es sich auf den letzten Seiten endlich Geltung verschafft, schildere die Liebe up to date vom Typ Hepburn, würze das Ganze mit einer Prise Psychologie und gebe dem Leser Gelegenheit, hin und wieder zu lächeln oder sich schadenfroh zu freuen.

Wer war Brehm?

Natürlich weiß man, wenn das Wort „Brehm“ fällt, was gemeint ist; aber weiß man auch immer, wer Brehm war? Ebenso, wie etwa die Personennamen Duden, Brockhaus oder Knigge sich zu versachlichten Buchtiteln wandelten, wurde auch Alfred Brehm anonym im Schatten seines einmaligen Werkes.

Karl Kraus schwang oft die falsche Fackel

Zwei Jahrzehnte sollten, so würde man meinen, genügen, um von einer Gestalt wie Karl Kraus Abstand zu gewinnen. Die Tage, da die roten „Fackel“- Hefte die intellektuelle Jugend nicht nur Wiens, sondern auch Deutschlands erregten, sind ebenso dahin, wie die faszinierenden Vortragsabende, an denen Kraus lieben Glossen, Versen und Pamphleten eigener Produktion Shakespeare und Nestroy als Leitsterne seines Einmann-Theaters aufglänzen ließ.

Aufklärung, nicht Demagogie gewünscht

Es gibt kaum ernsthafte Studien über die Klasse der deutschen Gesellschaft, die seit eh und je und immer noch – Illustrierte, Film und Reklame beweisen es zur Genüge – die Phantasie des niemals selbstbewußten deutschen Bürgertums bewegt, es gibt wenige ernsthafte Studien über den deutschen Adel.

Länderspiegel: Verkehrs-Parteien

An einer belebten Kreuzung stoßen ein Auto, einFußgänger und ein Pferd zusammen. Die teils bloß neugierige, teils unverzüglich in fachmännische Diskussion sich vertiefende Schar von Passanten läßt nicht lange auf sich warten.

Hamburg: Berliner Woche in Hamburg

R. H., Hamburg Na, wat stehste so valorn rum – hast? dir „valoofen?“ möchte man ihn anreden. Man sieht ihm von weitem an, daß er nicht hierhergehört, der zweistöckige Berliner Autobus.

Schleswig- Holstein: Der Mast vorm Haus

Den „Schatten“ wirft ein 16 Meter hoher Betonmast, den die „Schleswag“ (Schleswig-Holstein sehe Stromversorgungs-AG) in unmittelbarer Nähe seines 1950 erbauten Hauses aufgestellt hat.

Hessen: Alte Kameraden

„Ist es richtig“ – so will der hessische CDU-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Dr. Wilhelm Fay von der Landesregierung wissen – „daß der hessische Generalstaatsanwalt Dr.

Ja keine Parkplätze!

In Frankfurt wird demnächst der tausendste Parkometer errichtet. Schon in den letzten zwei Jahren haben die Parkuhren sich außerordentlich bewährt.

Baden-Württemberg: Franzosen schießen scharf

Die Fahrt in den Frühling über die badische Weinstraße zum Bodensee endet vor den Gewehrläufen französischer Soldaten. Wer durch die idyllischen Rebdörfer des Schwarzwaldvorlandes fahren will, muß damit rechnen, daß ihn sein Ausflug nur bis in den Rammersweierer Wald bei Offenburg führt.

,,So nicht, Herr Major!“

Bundeswehroffiziere drückten kürzlich in einigen Schulen Baden-Württembergs den Schülern eine Broschüre in die Hand – kostenlos: „2000 Jahre schwäbisch – alemannisches Soldatentum.

Volkskapitalismus – nur durch Konsumverzicht

Not macht erfinderisch! Um die Gehälter der Staatsbeamten zahlen zu können, hat die österreichische Regierung zu einem niedrigen Kurs und in kleiner Stückelung Aktien zweier verstaatlichter Großbanken (des Creditanstalt-Bankvereins sowie der österreichischen Länderbank) zum Verkauf angeboten (über Einzelheiten haben wir in Nr.

Dividenden-Pflicht

Erstmalig hat ein deutsches Gericht dem § 52 des Aktiengesetzes die beherrschende Stellung zuerkannt. Da es der Bundesgerichtshof in Karlsruhe gewesen ist, erhält der Urteilsspruch, als Ende einer Anfechtungsklage, allerhöchste Bedeutung.

Auf einen Blick...

Westdeutschlands diesjähriger Messe-Reigen brachte nach der Nürnberger Spielwarenmesse in Köln die Internationale Hausrats- und Eisenwarenmesse, in Offenbach die Lederwarenmesse und in Frankfurt die Internationale Frühjahrsmesse.

Sündenbock US-Kohle

Die Kohle, die aus den USA importiert wird, ist erheblich teurer als die Ruhrkohle. Teurer deshalb, weil die Transportkosten sehr hoch sind.

Der Nachwuchs bleibt knapp

Seit 1954, dem Jahr mit der Nachkriegs-Höchstzahl von rund 950 000 Schulentlassenen, sinkt im Bundesgebiet die Zahl der von den allgemeinbildenden Schulen Abgehenden stetig.

Was geschieht mit dem Straßenbau?

Neben der westdeutschen Bauindustrie befürchten namhafte Bundestagsabgeordnete der Verkehrs- und Haushaltsausschüsse – wie MdB Ritzl (SPD), Müller-Hermann (CDU/CSU) und Helmut Schmidt (SPD) –, daß im Straßenbau.

Hilpert hinterließ eine Lücke

Die bestürzende Kunde von dem Ableben des Vorstandsmitglieds der Deutschen Bundesbahn, Staatsminister a. D. Dr. Werner Johannes Hilpert, die uns vor nunmehr zweieinhalb Wochen erreichte, hat die Gemüter weit über die Kreise der Bundesbahn hinaus bewegt.

Berlin braucht Industrie

Bis zum 17. März dauert die Hamburger „Berlin-Woche“, auf deren Programm viele kulturelle und wirtschaftswerbende Veranstaltungen stehen.

In Leipzig kaum Neues...

Man muß wohl bis in das Jahr 1948 zurückgehen, um eine Messe zu finden, die dermaßen politisch vorbelastet war wie die diesjährige Leipziger Frühjahrsmesse: Nicht nur die westdeutschen Aussteller, die schon mit geringen Hoffnungen nach Leipzig kamen, sind enttäuscht, auch die Jugoslawen, die durch die politischen Ereignisse der letzten Monate besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, klagten.

Wertvollere Walsum-Kohle

Die Bergwerksgesellschaft Walsum mbH, Walsum, die „Zeche am Strom“, 1953 im Zuge der Entflechtung als selbständige Gesellschaft aus der Thyssenschen Gas- und Wasserwerke GmbH hervorgegangen, geht neue Wege.

GBAG über Durchschnitt

große Zechenunternehmen der Bundesrepublik, die Gelsenkirchener Bergwerks AG, Essen, konnte 1956, wie die Verwaltung auf einer aoHV mitteilte, ihre Förderung um 4,9 v.

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