DIE ZEIT

Viel Lärm um Hosen

Die Kunstfaserindustrie ist um die Bundeswehr besorgt, nicht um die Sicherheit der Soldaten, sondern um deren Unterhosen. Die enthielten nicht genug Kunstfasern, heißt es (was wahrscheinlich für den Hersteller besorgniserregender ist als für den Träger).

Bonn wieder privat

Der Ältestenrat des Bundestages hat mit den Stimmen sämtlicher Fraktionen einen lobenswerten Entschluß gefaßt. Es wird für den Rest der Legislaturperiode keine Parlamentssitzung mehr im Rundfunk oder im Fernsehen übertragen werden.

Arme Wähler

Allmählich können einem die Wähler der FDP leid tun. Denn: Wenn die Ziele, die ihnen vorschweben, unglücklicherweise mit den Zielen der Majorität des Volkes zusammenfallen sollten – ein in der Demokratie höchst erstrebenswerter Zustand –, dann geht ihre Parteiführung zur Gegenseite über, weil über allem anderen offenbar das Gesetz vom „Zünglein an der Waage“ steht.

Zauberer gesucht

Die Insel Bermuda, wo Premierminister Macmillan jetzt seine Besprechungen mit Präsident Eisenhower führt, soll der Ort gewesen sein, an dem sich Shakespeares Drama "Der Sturm" abspielte.

So nicht, Herr Rasner!

Die letzte Nummer der Vossischen Zeitung vor ihrem Verbot durch Goebbels enthielt einen Abschiedsartikel des großen liberalen Journalisten Georg Bernhard, der mit folgenden Worten schloß: „Eine Zeit wird kommen wie jene in Wien, da der Ehemann nach Hause kam und zu seiner Frau sagte: ‚Rosa, kauf dir ein neues Kleid, ich weiß was auf wen‘.

Hat Erhard recht?

Schon einmal, im Mai 1956, hat Professor Erhard eine große Kampagne gegen die steigenden Preise geführt. Dann war es fast ein Jahr lang still und nun beherrscht wieder das Stichwort „Preise“ alle Diskussionen.

Zwischen Goethe und Marx

Giuseppe Saragat, der Führer der italienischen Sozialdemokraten, hat einmal gefragt: „Soll Italien dasselbe Schicksal erleiden wie Cavaradossi in Tosca?“ In Puccinis Oper soll der freiheitsliebende Held und Maler gemäß dem Versprechen des Polizeigewaltigen Scarpia nur zum Schein erschossen werden; gelassen tritt er dem Exekutionskommando entgegen, aber die Gewehre sind scharf geladen.

ZEITSPIEGEL

Ich weiß alles, was es in der Rechtsprechung und in der Politik zu wissen gibt. Jetzt möchte ich auch einmal über das wirkliche Leben in der Welt etwas erfahren.

Anne Frank rief die Jugend

Wir sind nicht nur das Volk Goethes und Beethovens – sondern wir sind auch ein Volk, das verantwortlich ist für Taten, wie sie hier begangen wurden.

Enthüllungen über Algerien

In Paris ist etwas Außergewöhnliches geschehen. Zwei mutige Publizisten haben den Tabu-Panzer gesprengt, der um die Vorgänge in Algerien seit Anfang des letzten Jahres gelegt worden ist.

Verräterische Beziehungen

Folgender Fall beschäftigte vor einiger Zeit die Gerichte: Ein Mann, der in einer Arbeitsgruppe bei der britischen Besatzungstruppe in Westberlin gedient und dort Bewachungsdienste getan hat, geht in den Ostsektor, um zu heiraten und sich dort niederzulassen.

NATO und Neutralität

Vor 25 Jahren erschien ein Buch, das den Titel trug „Paneuropa“ und das bald, in viele Sprachen übersetzt, um die ganze Welt ging.

Das Programm eines SED-Rebellen

Wir sind der Ansicht, daß der Kapitalismus in Westeuropa seinem Ende zugeht und historisch überlebt ist. Wir sind der Ansicht, daß der Sieg des Sozialismus in Westeuropa unvermeidlich ist.

Hamburg: Gärtnerfreud’ und -leid

Was Kraut, was Unkraut ist, ist hier die Frage. Ganz außer Frage ist der Unterschied in staatlicher Betrachtung. Wenn jemals denkbar wäre, daß im Gestrüpp staatlicher Verordnungen etwas unklar sein könnte – wie Kraut von Unkraut zu unterscheiden ist, das ist ganz klar.

Rheinland-Pfalz: Aperitif-Lehrgang

Fontainebleau ist einen Lehrgang wert“, trösten sich die Bundeswehroffiziere, wenn der „Zivilist“ hinter dem Katheder mit ihrer Aussprache nicht zufrieden ist oder ihre Übungssätze grammatisch „auf Vordermann“ bringt.

Berlin: Tusma-Telephoniere, und Studenten machen alles

Um 8.30 Uhr klingelt es an der Wohnungstür. Als die Hausfrau öffnet, steht ein junger Mann in Arbeitskleidung vor ihr; „Guten Tag, ich bin der Teppichklopfer!“ Er klopft drei Stunden, kassiert fünf bis sechs Mark, zweiBier, ein dickes Wurstbrot, ein altes Oberhemd des Ehemannes.

Eine Brücke, eine Brücke...

Knapp vor der Brücke stoppt der Bus. Endstation? Nein. Und doch: „Alles aussteigen!“ Die Reisenden greifen sich ihre Habseligkeiten, klettern hinaus und gehen zu Fuß über die Brücke.

Auf den ersten Blick gesehen

Der bisher größte Umsatz des Buchhandels, das Weihnachtsgeschäft 1956, ist vorbei. Grund genug also für die Verleger, schon wieder mit neuen Büchern auf den Plan zu treten.

Rittersäle und Salons

Es sind nicht nur die Romantiker oder die Snobs unter den Reisenden, die ihren Schritt oder ihr Auto verhalten, wenn sie abseits der Straße auf einem Hügel oder hinter dem Tor einer Parkmauer die Umrisse eines Schlosses auftauchen sehen.

Verrat an Schwarz-Weiß-Rot?

Geistig reich geworden, bin ich arm an Geldeswert geblieben. Meine Angehörigen sollen nicht um mich trauern, denn ich habe mein Leben erfüllt.

Besuch bei Onkel Sam

Für Henri Troyat, den in Moskau geborenen Pariser, sind die USA ein Land, das „mitunter Gelegenheit bietet, zu lächeln, nie aber, sich zu ärgern“, und dem, der sich dort nicht „zu Hause fühlen“ kann, eine Art heilsamen „Kuraufenthalt“ bietet.

Literatur: Marx oder die Bibel

Noch vor wenigen Monaten schien es, als wollten die Potentaten des Kreml mit dem politischen auch ihr kirchenpolitisches Schiff auf eine tolerantere Route lenken.

Die Galosche

Es ist kalt und windstill. Zwei gebeugte Männer schleppen ihre Bündel mühsam über den glatten Schlittenweg, der nach Alexandrowo führt.

Johannes R. Becher: Zwei Gedichte

Vor vierzehn Tagen, in unserer Nummer vom 7. März, haben wir an dieser Stelle Gedichte des expressionistischen Lyrikers Kurt Heynicke abgedruckt, die er in den letzten Jahren schrieb.

Hans Rothes neuer Shakespeare

Für neun Dramen Shakespeares hatte Horst Gnekow, Intendant des Nordmark-Landestheaters, die Übersetzungen von Hans Rothe benutzt.

Neue Schallplatten:: Tschaikowskijs Geheimnis

Vielen Musikfreunden, die sich mit Hilfe eines Konzertführers näher über ihre Schallplatten unterrichten, wird die reichlich pathetische Deutung bekannt sein, die Tschaikowskij der wißbegierigen Frau von Meck über die seelischen Hintergründe seiner vierten Symphonie gegeben hat.

Verhinderte Dramatiker

168 Federn haben sich in Bewegung gesetzt, als das Oldenburgische Staatstheater zu einem Dramatikerwettbewerb aufrief, dessen Thema lautete: „Generationsprobleme“.

Der passende Rahmen

Für alle diejenigen Kunstfreunde, die für ihre sinnlos und ohnebesondere Aufgabe in der Wohnung herumhängenden Gemälde noch keine Verwendungsmöglichkeit gefunden haben, bietet eine wohlberatene Firma auf der Frankfurter Frühjahrsmesse an: „Eine Neuheit, das tönende Bild, wird zum erstenmal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Notizen

Polen: Deutsch verdrängt Russisch. In den deutschsprachigen Schulen der unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete wird künftig nach einem Erlaß des Erziehungsministeriums in Warschau die geringe Zahl der Deutschstunden auf Kosten des Russisch-Unterrichts erhöht werden, so daß der Deutsch-Unterricht wieder die erste Stelle im Lehrplan einnimmt.

Noch nicht reif

Am 4. Dezember 1952 wurde, erstmals im Bundestag der Entwurf eines Gesetzes über die Deutsche Bundesbank eingebracht. Seitdem wird dieses Gesetz mit viel politischer Leidenschaft diskutiert, ohne daß es im Grunde auch nur einen Schritt weiter gekommen wäre.

Grünes Licht für „Blauen Plan“?

Offensichtlich angeregt durch die großzügigen Hilfsmaßnahmen des Bundes für die Landwirtschaft, haben sich die drei großen westdeutschen Fischereiverbände zusammengesetzt und ein umfassendes Programm zur Förderung der Fischwirtschaft – insbesondere der Fischerei – ausgearbeitet.

Sind Moskaus Handelsangebote nur Propaganda?

Seit den Tagen des Briefwechsels zwischen dem sowjetischen Ministerpräsidenten Bulganin und Bundeskanzlers Dr. Adenauer haben die Gespräche über das Für und Wider einer Aktivierung des bundesdeutschen Außenhandels mit der Sowjetunion neue Nahrung bekommen.

Textilindustrie in der Klemme

Die Textilindustrie der Bundesrepublik und Westberlins kann für sich in Anspruch nehmen, wohl die einzige Branche zu sein, die sich bis jetzt mit Geschick (wenn auch mit sehr viel Mühe) aus der Welle der nahezu schon üblichen Preiserhöhungen heraushalten konnte.

Einfuhrschleuse – wird sie funktionieren?

Die Preispolitik muß die erfolgten (und die für spätere Termine vereinbarten) Lohnerhöhungen wie auch die Kaufkrafterhöhungen, die durch Beschlüsse des Bundestages bedingt sind, als harte Tatsachen hinnehmen.

Gewinne müssen sein

Die Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (ASU) und die Jungen Unternehmer (JU) in der ASU haben sich in der vergangenen Woche auf einer in München durchgeführten Arbeitstagung mit der Einkommensverteilung beschäftigt.

Auf einen Blick...

Angesichts der Kassandrarufe zur Preissituation ist es beruhigend zu erfahren, daß der Preisindex für die Lebenshaltungskosten nach den Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes im Februar mit 114 Punkten (1950 = 100) gegenüber dem Vormonat unverändert blieb.

„Mitdenken“

Die Bemühungen der modernen Wirtschaft, den Arbeitnehmer in ständig zunehmendem Maße zum „Mitdenken“ und „Mitverantwortlichen“ zu machen, haben bei der Deutschen Dunlop Gummi Compagnie gute Erfolge gezeigt: rund 2300 Verbesserungsvorschläge wurden von den Arbeitern und Angestellten der Hanauer Dunlop-Fabriken in den letzten acht Jahren ihrer Geschäftsleitung unterbreitet.

Edelstahl ohne Edeldividende...

Es wird wohl niemand bestreiten, daß dem Grundsatz einer gerechten und angemessenen Etragsverteilung nicht entsprochen wird, wenn den Aktionären eines Unternehmens keine 7 v.

Commerzbank-Gruppe – eine Einheit

Die Commerzbank-Gruppe hat jetzt ihre künftige Organisationsform, um die lange gerungen worden ist (was zeitweilig auch in den Börsenkursen der Nachfolgeinstitute zum Ausdruck kam), bekanntgegeben.

Spekulative Sondergewinne

Wenngleich die Umsatztätigkeit an den Aktienmärkten in den letzten Tagen nur gering war, entwickelte die Spekulation eine rege Tätigkeit.

IG-Farben ziehen Schlußstrich

Der Jahresabschluß der IG-Farbenindustrie AG i. A. bietet keine Überraschungen, zumal nach der erneuten Feststellung der Liquidatoren, abgesehen von den voraussichtlich zur Ausschüttung kommenden Aktien der Chemie Verwaltungs-AG (Hüls-Holding), nur noch die etwaigen Rückflüsse des IG-Vermögens aus dem heutigen sowjetischen Einflußbereich zu erwarten sind.

Jetzt Schiffsbauanleihe

Da es der Hamburgischen Landesbank – Girozentrale – verwehrt worden ist, Schiffshypothekenpfandbriefe herauszugeben, sie aber andererseits glaubt, über die befreundeten Girozentralen und Sparkassen zusätzliche Mittel für den Schiffbau beschaffen zu können, begibt das Hamburger Institut jetzt, eine achtprozentige Schiffbauanleihe über 20 Mill.

Ertragsbetonte Dividende

Die Vereinsbank in Hamburg war in diesem Jahr das erste Kreditinstitut, das eine Dividende von 12 v. H. vorschlug. Inzwischen ist dieser Satz zur Bankeinheitsdividende gestempelt worden.

Auf Gewinnvortrag verzichtet

Die Geschäftsinhaber der Berliner Handels-Gesellschaft, Berlin/Frankfurt a. Main, gaben anläßlich der Besprechung der Bilanz 1956 bekannt, daß die Verwaltung eine Dividende von 12 v.

Soll und Haben gegenüber Österreich

Getröstet durch eine Reihe jüngerer guter Berichte warten nun die deutschen Besitzer kleiner Vermögenswerte in Österreich und ebenso die österreichischen Inhaber von Privatforderungen gegen deutsche Schuldner auf die Rückgabe oder Bezahlung ihrer bejahrten Ansprüche.

+ Weitere Artikel anzeigen