DIE ZEIT

Warschau, Pankow und Bonn

Mit ausgeprägten Einerseits-andererseits-Gefühlen blickt das polnische Volk über die Oder und Neiße nach Westen. Gleich hinter diesen Flüssen liegt der Herrschaftsbereich eines Regimes, mit dem das heutige Polen nicht mehr viel gemein hat als eine gemeinsame Grenze.

Gewehr umgehängt

Neulich meinte ein in seinem indischen Heimatland hochgeachteter Philosoph, es gäbe nur ganz wenige elementare Probleme, zum Beispiel Hungersnöte, Epidemien, Erdbeben .

Abgeordnete, lest Zeitungen!

Was man sich in Paris ohne Schwierigkeiten besorgen kann, was man schon ausführlich in der „Neuen Zürcher Zeitung“ lesen konnte, das wurde dem deutschen Bundestagsabgeordneten – aber auch ihm nur dann, wenn er Mitglied des Auswärtigen Ausschusses ist – in einer mit dem Stempel „Geheim“ versehenen Mappe vor einigen Tagen zur Kenntnisnahme übergeben: der Inhalt der Verträge über den Gemeinsamen Markt und Euratom, übrigens noch nicht in der allerletzten, endgültigen Fassung.

Altbadener Träume

Einhundertundachtundzwanzig Abgeordnete des Bundestages – in der Mehrzahl Angehörige der CDU/CSU – haben einen Initiativgesetzentwurf unterschrieben, der die Wiederherstellung des früheren Landes Baden durch einen Volksentscheid anstrebt.

Regierungskrise an der Saar

Der saarländische Ministerpräsident Dr. Hubert Ney hat am vergangenen Montag im Verein, mit seinen Ministerkollegen den Rücktritt erklärt.

Kleiner Maulkorb statt großer Maulkorb

Der Rechtsausschuß des Bundestages hat beschlossen, daß nach dem berüchtigten „Maulkorbparagraphen (109b, StGB) nur derjenige mit Gefängnis bestraft werden soll, der „wider besseres Wissen“ jene „gröblich entstellten Behauptungen“ aufstellt oder verbreitet, die der Bundeswehr Abbruch tun könnten.

„Unsere Louise”

Am 2. April wird Louise Schröder siebzig Jahre alt. Wir haben den Berliner Senator für Wirtschaft und Kreditwesen, Dr. Paul Hertz, der nach dem Rücktritt Hilferdings das Amt des Reichsfinanzministers ausschlug und die Hitlerjahre in USA verbrachte, gebeten, das Bild dieser Frau zu zeichnen, die dreizehn Jahre lang (1920 bis 1933)seine Fraktionskollegin im Reichstag war.

Australien ist ein optimistisches Land

Als ich vor vier Monaten nach Australien kam, traf ich in Melbourne einen amerikanischen Journalisten, Charlie Floot, der hier vorübergehend für Associated Press arbeitete.

ZEITSPIEGEL

„Besitzen Sie persönlich irgendwelche Bücher?“, lautete eine Umfrage des Emnid-Institutes. Das Ergebnis: 47 Prozent der Befragten mußten diese; Frage verneinen.

Der Goldene Ludwig

Was einst Göttern und Monarchen vorbehalten war, nämlich ihr Bild in Goldmünzen prägen zu lassen, steht heute jedem Sterblichen frei – sofern er reich genug ist.

Brentano in Delhi

Die Begegnung führender deutscher und indischer Persönlichkeiten reißt nicht ab. Eröffnet wurde der Reigen im Januar 1956 mit der Indienreise Vizekanzler Blüchers, dem auf dem Fuße eine Delegation des Bundesverbandes der Deutschen Industrie unter Führung seines Präsidenten Fritz Berg folgte.

Zweifel am französischen Empire

In den Betrachtungen über die französische Politik taucht immer wieder der Verdacht auf, ihre Parolen deckten sich nur selten mit dem wirklichen Spiel der Kräfte.

Wir leben – sie büßen...

Kennen Sie das Gefühl, bei einer Erklärung, die Sie sich vorgenommen haben, jedes Wort ganz besonders sorgfältig wählen zu müssen? In solchen Situationen erscheint es einem beinahe unmöglich, Mißverständnisse zu vermeiden.

Rotchina kämpft gegen gelbe Gefahr

Jemand hat einmal gesagt, die jahrtausendealte Übervölkerung Chinas habe in jenem Lande mehr Regierungen und Dynastien gestürzt, als alle Revolutionen und Kriege.

Die Biennale Amerikas

Wer etwas mit dem Kunstbetrieb in der Welt vertraut ist, weiß, daß es außer der bekannten, vielgerühmten und vielgeschmähten Biennale von Venedig noch manche andere Biennalen gibt.

Die Ameisen und das Genie

Im Verlag der Sternbücher, Hamburg, wird in diesen Tagen ein Buch ausgeliefert, das die literarische Sensation dieses Frühjahrs werden kann: des Russen Wassilij Dudinzew’ Roman „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“.

Gerüchte und Ärger um das „Wunder von München“

Die auffallenden und doch noblen Tafeln, die an allen markanten Punkten Münchens auf die Ausstellung Kandinsky-Münter hinweisen, wollen dem Fremden einen Anlaß von historischer Bedeutung empfehlen, der nicht mit irgendwelchen anderen, noch so interessanten Kunstdarbietungen verglichen werden kann.

Die Bibliographen

„Anthony van Hoboken, ein wohlhabender Mann und tätiger Freund der Musik, wurde 70 Jahre alt, so daß Zeitungsnotizen, die hier und dort erschienen, auf seine Verdienste ebenso wie auf seinen Geburtstag hinwiesen.

Hauptstadt des deutschen Theaters

Als Berlin die deutsche Hauptstadt war, regulierte sein Rang auch das deutsche Theater. Wenn Berlin wieder deutsche Hauptstadt sein soll, wird die Frage nach dem Berliner Theater zu einer deutschen Frage.

Skurriles Amerika

Es war ein großer Abend des Züricher Schauspielhauses, eine Uraufführung von – zumindest – prinzipieller Bedeutung. Kafkas nachgelassener Roman „Amerika“ ist von Max Brod dramatisiert worden, der bereits aus dem „Schloß“ ein Theaterstück gemacht hat.

Der aufgestörte Tod

An Georg Kaiser, der wie kaum ein anderer der deutschen Expressionisten die menschliche Gefahrensituation nach dem ersten Weltkrieg kühn in seinen Bühnenwerken beschworen hatte, gingen wir Deutschen des Kalten Krieges wie an etwas allzu Wahrem mit Scheuklappen vorüber: Wir wagten nicht, den von ihm dramatisch gestalteten Visionen ins Antlitz zu blicken.

Notizen

Stilles Goethe-Gedenken. Erst seinen 150. Todestag wolle man auch äußerlich wieder in größerem Rahmen feiern, sagte zum 125.

Bibliothek für jedermann

Wer in der Zeit zwischen den Kriegen eine öffentliche Bibliothek betrat, der schaute meist in einen leicht muffigen Raum, dessen unpersönlich-triste Atmosphäre grüne Schusterlampen über den Leseplätzen noch unterstrichen.

Dies ist keine Schule der Demut...

Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden, woher das Sanfte und das Gute kommt, . – weiß es auch heute nicht und muß nun gehen.

Mathematik – auch für Laien

Mathematik gilt auch bei gebildeten Menschen immer noch als eine Art esoterische Beschäftigung. Sie sei abstrakt, trocken und weltfremd, sagt man ihr nach.

Bremen: Keine Feier ohne Gullasch

Gullasch, Diplom-Kommunalbeamter“ – so unterzeichnet der Bremerhavener Oberbürgermeister gern seine Artikel in einschlägigen Verwaltungszeitschriften.

Berlin: Volksaufstand für ein Ruine

Selbst die ältesten Berliner können sich auf kein Ereignis besinnen, das die Gemüter aller Bewohner der Stadt so bewegt und zu Protesten hingerissen hätte wie der Beschluß eines prominenten Preisgerichtes, die Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Zoo zugunsten eines aus vier Stahlbetonkörpern bestehenden Neubaues abzureißen.

Sachsen: Kreisverkehr

Zwei Organisationen sind es hauptsächlich, die auf den Handel und die Wirtschaft Mitteldeutschlands Einfluß haben: die DIA (Deutscher Innen- und Außenhandel) und die DHZ (Deutsche Handelszentrale).

Im „Großraumwagen“

Zwar hatte man bereits um 1900 in Wuppertal erkannt, daß der endlose Schlauch von Oberbarmen bis Vohwinkel auf die Dauer zu einem Verkehrschaos führen mußte, und darum baute man damals die Schwebebahn.

Auf einen Blick ...

Nach Vizekanzler Blücher hat nun auch Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard ein Gutachten über die aktuellen Fragen der Kapitalbildung und des Kapitalmarktes vorgelegt.

Quacksalberei

Als der Deutsche Beamtenbund kürzlich in die allgemeine Balgerei um die Anteile am Sozialprodukt mit der Forderung hineinplatzte, daß die Bezüge der Staatsdiener in einem gesetzlich festgelegten laufenden Verfahren an die Lohn- und Gehaltsentwicklung der Privatwirtschaft angepaßt werden müßten, hat es manches böse Wort der Kritik gegeben.

Jetzt die Geigen...

Die Protektionisten in den USA haben wieder einen neuen Artikel entdeckt, der durch den Importdruck „erdrückt“ zu werden droht: diesmal sind es die Geigen.

Dividendenpflicht und Bilanzwahrheit

Unter dem Stichwort „Dividendenpflicht“ wurde in der ZEIT Nr. 11 dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14. Februar 1957 – das eine Dividendenpflicht bejaht und die Überweisung des Reingewinns einer Aktiengesellschaft an eine Rücklage (statt zur Ausschüttung) nur dann für zulässig erklärt, wenn dies in der Satzung ausdrücklich vorgesehen ist – die „allergrößte Bedeutung zuerkannt; freilich wurde resigniert hinzugefügt: vermutlich werde dieses Urteil deshalb weitgehend Theorie bleiben, weil die Verwaltungen mit Erfolg die Gewinne aus den Bilanzen „wegfrisieren“ würden.

Erst die Reichsbank liquidieren!

Seitdem der Termin für die Bundestagswahl (15. September) feststeht, ist auch klar, daß der Bundestag bis Mitte Juli „in Vollarbeit“ gehalten wird.

Kleinaktionäre der AEG rebellieren

Die jüngste Kapitalerhöhung der Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), Berlin-Frankfurt, um weitere 55 auf 275 Mill. DM scheint unter keinem sonderlich glücklichen Stern zu stehen.

Börse mit Silberstreifen

Die Kursentwicklung war in der vergangenen Woche bei den Aktien überraschend freundlich. Wenngleich von einer Besserung bei den Renten noch nicht die Rede sein kann, so sind doch auch hier Ansätze für eine Beruhigung zu erkennen.

Bayerischer Sparrekord

Für 1956 legt die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, München, einen vorbildlich ausgestatteten Geschäftsbericht vor, der nicht nur eine weitere Ertrags- und Liquiditätssteigerung gegenüber dem Vorjahr widerspiegelt, sondern auch das Institut mit 436 Mill.

Neue Kunden gesucht

Die angespannte Finanzlage der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Bundespost zwingt die Industri

Lufthansa: „Hüpffreie“ Schnelldienste

Bei den europäischen Luftverkehrsgesellschaften treten am 14. April die Sommerflugpläne in Kraft. Für die Deutsche Lufthansa bedeutet dieses Datum die Einführung wichtiger Verbesserungen, wird sie doch nun auch Uruguay, Österreich und die Schweiz in ihr Streckennetz einbeziehen.

Rundfunk-Exportland Nr. 1

Im Rahmen der so erfolgreich verlaufenen Hamburger „Berlin-Woche“ hatte die Deutsche Philips GmbH, die seit eh und je mit unserer Hauptstadt besonders eng verbunden ist, die führenden Berliner Wirtschaftsjournalisten zu einem Empfang gebeten, der im Landungsbrücken-Restaurant – also unmittelbar an Hamburgs internationaler Lebensader – stattfand.

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