Vielleicht wird der „Fall Agartz“ halten, was der „Fall John“ versprach, denn Viktor Agartz ist aus anderem Holz geschnitzt als Otto John. In der Dämmerung, die alle Vorgänge des zweigeteilten Deutschlands im Bereich der Zonengrenze verhüllt, ist es nicht leicht, die Umrisse von Vorsatz und Zufall, ja die Grenzen von politischer Überzeugung und schuldhaftem Tun genau zu präzisieren. Und eben darum muß die Öffentlichkeit verlangen, daß das Verfahren gegen Agartz mit größter Beschleunigung eröffnet wird, denn man darf doch wohl annehmen, daß dem Oberbundesanwalt lückenlose Beweise vorlagen, als er den Haftbefehl ausfertigte und daß nicht erst jetzt nach solchen Zeugnissen gesucht wird. Äußerste Beschleunigung bei der Durchführung des Verfahrens ist auch deshalb notwendig, weil die „aufgeklärten“ Bundesbürger mit der Miene des kleinen Mädchens, das nicht mehr an den Storch glaubt, sich zutuscheln, was manche Gazetten auch taktvoll genug waren anzudeuten, nämlich es handele sich bei der ganzen Sache um eine der CDU sehr willkommene Wahlpropaganda, womit denn unterstellt wird, der Oberbundesanwalt betätige sich im Nebenberuf als „Wahleinpeitscher“.

Es ist bei uns üblich geworden, und gehört – will man seine geistige Unabhängigkeit beweisen – offenbar dazu, auch die obersten Richter und den Oberbundesanwalt nicht mehr als Diener der Rechtsordnung, sondern als Geschöpfe der Parteiapparate zu betrachten. Wäre es wirklich so, dann allerdings täte man besser daran, aus diesem Lande auszuwandern.

Viktor Agartz wurde am 26. März verhaftet, am 27. distanzierte sich der DGB von ihm und am gleichen Tage der Führer der SPD. Wenn es im Zusammenhang mit dem Fall Agartz einen Anlaß gab, der an das Wahljahr erinnert, so allenfalls die Eilfertigkeit, mit der sich die ehemaligen Freunde von Viktor Agartz absetzen. Dff