Das Bild der rückhaltlos glücklichen Familie beherrscht mit traumatischer Suggestionskraft die amerikanischen journals, die für eben diese Familien gemacht werden. Daß dieses hartnäckig propagierte Bild des Glücks nicht stimmt, ist bekannt.

Das beweisen mitten im optimistischen checse smiling dieser Magazine die ständigen Spalten, in denen Ärzte und Psychologen zu dem Thema: „Können solche Ehen gerettet werden?“ Stellung nehmen. Das beweisen populärwissenschaftliche Bücher für alle Altersklassen, die in simpler und penetrant lehrhafter Form das Problem Ehe von biologischer und psychologischer Seite angreifen. – Eins davon liegt in deutscher Übersetzung vor:

Gladys Denny Shultz: „Was du jetzt wissen mußt“, Verlag Andreas Zettner, Würzburg-Wien; 320 S., 6,80 DM.

Aufklärung ist auch bei uns eine wichtige Sache, und Eltern und Erzieher würden es dankbar begrüßen, wenn sie Bücher in die Hand bekämen, die ihnen bei dieser delikaten Aufgabe helfen könnten. Offenbar hält die Autorin nicht viel von der Aufklärung durch Eltern oder andere berufene Erwachsene. Sie wendet sich direkt an die 12(!)- bis 18jährigen Mädchen.

Die Übersetzer haben das empfunden, was der Verlag nicht imstande war, bis in die letzte Konsequenz zu begreifen. Sie geben statt einer Einleitung „einige wichtige Vorbemerkungen... ... über den Aufbau des amerikanischen Schulwesens“: ab Grundschule werden in den USA die Kinder bis zum 16. bzw. 18. Jahr gemeinsam unterrichtet. Daraus ergibt sich eine frühere Bindung zwischen Knaben und Mädchen, die zum going steady (festen Freundschaften) und zum petting (Zärtlichkeiten ohne Konsequenz) führen.

Auf diese Situation ist das ganze Buch zugeschnitten. Es drückt die – verständliche – Besorgnis über die aus diesem Zustand resultierenden Ehen aus, von denen 25 Prozent nach ein paar Jahren wieder, geschieden werden. In einer Mischung von Quäkerprüderie und vollkommenem Mangel an Dezenz ist es eine Art Moralvermächtnis einer Briefkastentänte, die bei der Journalleserschaft die Funktion der Tante der ehemaligen bürgerlichen Familie übernommen hat.

Ihre Ratschläge hätten jedoch niemals in Deutschland erscheinen sollen. Unseren Kindern wollen wir nämlich unsere eigene Erziehung geben. Wir wollen nicht künstlich die Voraussetzungen einer Gefahr für unsere Jugendlichen importieren, denen wir – aus welchen Gründen immer – bis jetzt entgangen sind.