Wenn die Hauptversammlungen, der Deutsche Bank AG West, Düsseldorf, der Norddeutsche Bank AG, Hamburg, und der Süddeutsche Bank AG, München, Ende April die Verschmelzung der drei Institute zu einer Bank genehmigt haben, dann ist damit das nach den „Big Five“, den fünf englischen Großbanken, größte Kreditinstitut Europas entstanden. Legt mar als Maßstab das Eigenkapital der neuen Deutschen Bank von 350 Mill. DM zugrunde, dann steht sie sogar an vierter Stelle. Innerhalb der Nachfolgeinstitute der Deutschen Bankgruppe bestand riemals ein Zweifel an der Absicht, so schnell wie möglich das wieder zusammenzufügen, was ein Besatzungsdiktat zerstört hatte. Obgleich die sofort nach 1945 eingeleitete Zerschlagung der Deutschen Bank auch das Verbot einschloß, den Namen „Deutsche Bank“ nicht benutzen zu dürfen, ist die bis in das vorige Jahrhundert zurückreichende Tradition sowohl bei den Angestellten der Bank selbst, als auch bei der in- und ausländischen Kundschaft so stark gewesen, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit niemals erloschen ist. Um so leichter war es jetzt, eine neue organisatorische Form zu finden. Daß man dabei nicht auf das Vorbild der früheren Berliner Zentrale zurückkommt, verbieten nicht nur die veränderten, stärker zum Föderalismus neigenden politischen Verhältnisse, sondern wohl auch die Erfahrung, daß die Zentralisation in Berlin einstmals zu weit gegangen ist. So etwa drückte sich das Vorstandsmitglied der Norddeutschen Bank Erich Bechtolf aus. Seine Ausführungen wurden von Dr. Plassmann (Vorstandsmitglied der Deutsche Bank West) insofern unterstrichen, als dieser ausdrücklich darauf hinwies, daß sich am Sitz des neuen Instituts in Frankfurt a. M., abgesehen von der Zusammenfassung der Oberbuchhaltung und der Bilanzabteilung, in der Praxis nur wenig ändern werde. Es bleiben starke, weitgehend selbständige Zentralen in Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg bestehen.

Die Deutsche Bank legt nach wie vor großen Wert darauf, den engen örtlichen Kontakt mit der Kundschaft zu pflegen, sie ist sich andererseits aber auch bewußt, daß bei der Wahrnehmung umfangreicher Finanzierungsaufgaben im In- und Ausland ein großes Institut wirkungsvoller operieren kann als eins lockere Vereinigung kleinerer Banken. Ein großes Institut übt daneben eine erhebliche Anziehungskraft auf die Einleger aus, außerdem läßt sich bei ihm der Ausgleich zwischen Einlagen und Krediten leichter ausführen. Wie stark die Deutsche Bank bislang schon im Außenhandelsgeschäft engagiert war, zeigt die Angabe von Hermann J. Abs (Vorstandsmitglied der Süddeutsche Bank und künftiger „Sprecher“ des Gesamtvorstandes), wonach die Deutsche Bankgruppe heute schon mit mehr als 25 v. H. an der bankmäßigen Abwicklung aller deutschen Außenhandelsgeschäfte beteiligt ist. Für das Inlandsgeschäft fällt ins Gewicht, daß zum Beispiel bei der Süddeutschen Bank über ein Viertel der Debitoren meldepflichtige Großkredite sind.

Technisch wird der Zusammenschluß so vonstatten gehen, daß die bisherige Süddeutsche Bank im Zuge der Verschmelzung ihr Kapital um 200 Mill. DM (also um die Summe der Grundkapitalien der beiden anderen Institute) erhöht, so daß jeder Aktionär der Norddeutschen, Bank und der Deutschen Bank AG West Aktien der Deutschen Bank AG, Frankfurt a. M. (so wird die Süddeutsche Bank umbenannt), erhält. Wenn die Süddeutsche Bank (deren Sitz von München nach Frankfurt verlegt wird) als aufnehmende Bank gewählt wurde, so ist das – nach den Worten Bechtolfs – aus steuerlichen Gründen geschehen. „Ein Land der Bundesregierung wollte nicht auf die aus der Fusion anfallenden Steuern verzichten!“ Deshalb wurde der ursprüngliche Plan, auf die Deutsche Bank AG West zu vereinigen, aufgegeben.

Von der Verschmelzung ausgenommen bleiben das Berliner Institut (Berliner Disconto Bank) und die Saarländische Kredit AG, Saarbrücken. Der Sonderstatus Berlins macht ebenso eine Sonderregelung erforderlich wie der früher mit den Franzosen abgeschlossene Vertrag, wonach bei einer Rückkehr des Saargebiets in die Bundesrepublik die Deutsche Bank zwei Drittel und die französische Gruppe ein Drittel des AK der Saarländischen Kreditbank übernehmen soll. Von den „Restquotenbesitzern“, den Inhabern der neuen RM-Aktien der Deutschen Bank, die im-Zuge der Entflechtung entstanden sind, erwartet man keine Schwierigkeiten. Die Hausjuristen der Gruppe sind der Ansicht, daß die Interessen der Restquoten, die das noch verbliebene Vermögen der alten Deutschen Bank repräsentieren, rechtlich und materiell nicht berührt werden. In dieser Meinung wurden die Juristen durch drei Gutachten unabhängiger Rechtswissenschaftler bestärkt. Damit würden alle Spekulationen, die von den Restquotenbesitzern hinsichtlich des alten Firmennamens angestellt wurden, hinfällig sein. Die Börse reagierte darauf mit einem Kursrückgang bei diesen Papieren.

Die Geschäftsentwicklung ist in den letzten fünf Jahren bei allen drei Instituten so gleichmäßig verlaufen, daß weder 1955 noch 1956 von dem Gewinn- und Verlustausgleichsvertrag, der bislang die Gruppe zusammenfaßte, Gebrauch gemacht werden mußte. Die Ertragslage war im Geschäftsjahr 1956 gut. Sie hat nicht nur die Ausschüttung einer Dividende von 12 v. H. erlaubt, sondern gleichzeitig noch die Stärkung der offenen Reserven um 25 Mill. DM und die Anhäufung weiterer beträchtlicher stiller Rücklagen ermöglicht. Die ausgewiesenen Steuern liegen um 13 bis 14 v. H. höher als in 1955. Sie machen in der Gruppe 99,7 Mill. DM aus (bei einem Grundkapital von 200 Mill. DM). Von den Steuern aus auf die wirklichen Gewinne schließen zu wollen, würde ein falsches Bild ergeben, weil die Erträge aus den steuerfreien und steuerbegünstigten Wertpapieren sowie die Einnahmen aus den Schachtelbeteiligungen ebenfalls noch berücksichtigt werden müssen. Als nächstes Ziel der Reservenpolitik wurde die Heranführung der offenen Reserven (jetzt 150 Mill. DM) an das Grundkapital! bezeichnet, „die in den nächsten zwei Jahren möglich sein müsse“.

Im Berichtsjahr 1956 ist die Bilanzsumme der Gruppe Deutsche Bank um fast 300 Mill. DM auf 7,6 Mrd. DM gewachsen. Damit hat sich die Wachstumsrate von 3,9 v. H. in 1955 auf 12,3 v. H. in 1956 wieder vergrößert. Die Norddeutsche Bank hat ihren Anteil an der Bilanzsumme per 31. 12. 1956 von 19 auf 21 v. H. erhöhen können. Diese Zunahme liegt in dem überdurchschnittlichen Anstieg der Einlagen begründet. Genau wie schon bei der Commerz- und Disconto-Bank haben auch hier am sichtbarsten die Termineinlagen zugenommen. In diesen Posten schlägt sich wahrscheinlich die im 2. Halbjahr 1956 immer größer werdende Liquidität im Außenhandelsbereich nieder, die durch die Zurückhaltung der Importeure nach der Suezkrise noch verstärkt wurde. Die allgemein zu beobachtende Zunahme der Einlagen ist in erster Linie zur Stärkung der Liquidität (und nicht zur Ausweitung der Debitoren) benutzt worden.

Den konjunktur- und kreditpolitischen Erfordernissen entsprechend weitete die Gruppe Deutsche Bank das Volumen ihrer Kredite an Nichtbanken nur um 3,5 v. H. aus. Die Wechselbestände wuchsen um 446 Mill. DM. Die erweiterte Liquidität stieg von 45,9 auf 49 v. H., die erhöhten Einlagen wurden zum Abbau der Indossamentverbindlichkeiten benutzt.