„Als mir der Abschlußbericht der Hannover-Messe mit seinen so eindrucksvollen Ergebnissen zu Gesicht kam, machte er mich froh und nachdenklich zugleich.“ So urteilte Bundeswirtschaftsminister Erhard über die Deutsche Industrie-Messe 1956 Hannover 1956 war eine Messe der Hochkonjunktur. Die Besucherzahl überschritt bei weitem die Million, unter starker Beteiligung des Auslandes. Während 1955 das interessierte Ausland aus 45 Lindern vertreten war, wurden 1956 Besucher aus 87 europäischen und überseeischen Ländern registriert. Bemerkenswert war, daß die Aussteller aus Übersee immer mehr in den Vordergrund rückten. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß sich dieser Trend auch bei der kommenden Messe vom 28. April bis 7. Mai 1957 fortsetzen wird. Die ausländischen Informationsstände in der Exportbörse nehmer. weiter zu. In diesem Jahr werden 19 Staaten über diese Informationsstände Kontakt mit Ausstellern und Interessenten suchen. Unter den sieben Staaten, die jetzt zum erstenmal nach Hannover kommen, wird sich auch die Volksrepublik China befinden. Großes Interesse dürfte der erstmalig stattfindende „Ostasien-Wirtschaftstag“ finden.

Von den Besuchern aus gesehen, war die Deutsche Industrie-Messe in Hannover immer international und stark exportorientiert. Seit 1950 steigt aber auch die Zahl der ausländischen Aussteller. Im vergangenen Jahr waren es 385 ausländische Aussteller, diesmal werden es über 480 sein. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Hannover es ablehnt, ausländische Pavillons zuzulassen. Man will keine Demonstrationen, sondern den Interessenten Vergleichsmöglichkeiten bieten. Die ausländischen Aussteller stehen also, branchenmäßig aufgeteilt, neben ihren deutschen Konkurrenten. Prozentual am stärksten ist die Beteiligung ausländischer Firmen bei den Textilmaschinen (die belgischen Fabriken nehmen zum erstenmal geschlossen teil), bei den Büromaschinen, bei den Ausstellern der Branche Baubedarf und bei Herstellern von Ölfeuerungsanlagen.

Insgesamt werden auf der kommenden Messe rund 4000 Aussteller ihre neuesten Erzeugnisse präsentieren. In zwanzig Messehallen und im erweiterten großen Messehaus steht eine überdachte Ausstellungsfläche von 240 000 qm zur Verfügung, während das Freigelände 140 000 qm Ausstellungsfläche hat. Damit ist die gesamte Ausstellungsfläche erneut gestiegen, und zwar gegenüber dem Vorjahr um 30 000 qm.

Die größten Ausstellerzahlen liegen wieder bei den Gruppen Elektrotechnik und Maschinenbau. Im Bereich der elektrischen Energieerzeugung werden neue Verfahren der Fernsteuerung und Fernmessung zu sehen sein. Mit Hilfe neuentwickelter Fernmeß- und Fernsteuergeräte ist es möglich, Meß- und Kontrollwerte, die an hundert verschiedenen Meßstellen innerhalb eines Kraftwerkes abgenommen werden, über einen einzigen Übertragungsweg an die weit entfernt liegende zentrale Steuerungsstelle weiterzuleiten. Diese Fernmeß- und Fernsteueranlagen können auch in Produktionsbetrieben verwendet werden. – Neue Entwicklungen für die Automation werden wieder viel Interesse finden. In der Gruppe der Holzbearbeitungsmaschinen werden Maschinen gezeigt, die zu Erzeugungsgruppen zusammengefaßt und steuerungsmäßig von einer Stelle (einschließlich aller zwischengeschalteten Transportmittel) bedient und überwacht werden. Was die Holzbearbeitungsmaschinen insgesamt betrifft, so dürfte ein so umfassendes Angebot wie diesmal in Hannover wohl auf keinem anderen Messeplatz Europas anzutreffen sein. Zu typischen Repräsentanten dieser Gruppe scheinen jene Maschinen zu werden, die der Oberflächenbearbeitung und der Endbearbeitung dienen und den Zug zur Automatisierung erkennen lassen.

Bei den Textilmaschinen kommen von den etwa 150 Ausstellern 45 aus dem Ausland, voran 15 Firmen aus der Schweiz und 14 aus Belgien. Da es sich sowohl bei den deutschen als auch bei den ausländischen Ausstellern um die größten und bekanntesten Werke handelt, dürfte ein genauer Überblick über den Stand der Entwicklung in der Textilmaschinen-Industrie gewährleistet sein. Mit einem stattlichen Angebot wird auch die Bau- und Baustoffmaschinen-Industrie vertreten sein. Wenn sich auch die stürmische technische Entwicklung der ersten Nachkriegsjahre konsolidiert hat, werden doch verschiedene Neukonstruktionen zu erwarten sein. Charakteristisch für die Entwicklung der Konstruktionen ist die Vereinfachung der Bedienung und die Automatisierung der einzelnen Funktionen.

Der Forderung, das Angebot auf unseren Messen müsse internationaler werden, trägt auch die Gruppe Chemie auf der Hannover-Messe Rechnung. Neben 79 deutschen Firmen werden auch solche aus Kanada, Großbritannien, Dänemark und Schweden vertreten sein. Die meisten Auslandsfirmen stellen sich dem Wettbewerb der deutschen Kunststoff-Industrie, die zur Zeit (nach den USA) die zweitgrößte der Welt ist. Besonderes Interesse werden auch die beiden Aussteller finden, die sich mit der Atomwirtschaft befassen, nämlich die britsiche Isotope Division und die Atomic Energie of Canada.

Die schon in den letzten Jahren repräsentative Gruppe der Büroindustrie stellt diesmal in einer neuen festen Halle aus. Es wird sich ein Angebot internationalen Ausmaßes bieten. Soweit Büromaschinen in Frage kommen, wird kaum ein Erzeugnis fehlen, das die einschlägige Industrie der westlichen Welt zu offerieren in der Lagerist. Die ganze neue Halle wird unter dem Motto stehen, die wachsende Arbeit in den Büros schneller, sicherer und für den arbeitenden Menschen leichter bewältigen zu helfen.