Die oHV der Deutsche Edelstahl-Werke AG, Krefeld, nahm den von von uns erwarteten heftigen und oppositionsreichen Verlauf. Die Kritik der Wirtschaftspresse und der Aktionäre an der Ertragsverteilungspolitik des Unternehmens, die so überstark einseitig zugunsten der Belegschaft erfolgt war, hat offensichtlich keine geringe Wirkung auf die Verwaltung gehabt. Sie hat sogar – und das soll ganz besonders anerkennend hervorgehoben werden – zum Abschluß der HV der Opposition, deren Sprecher Assessor Koppenberg von der Deutschen Schutzvereinigung mit rund 200 000 DM Aktien gewesen war, und der Wirtschaftspresse für die Kritik gedankt und die so heftige HV mit den Worten bezeichnet: „Endlich einmal eine HV, wie wir sie gern haben“.

Diese HV war durch den massiven Vorstoß der Schutzvereinigung getragen. Deren Argumente waren im wesentlichen identisch mit unseren Ausführungen in der Ausgabe Nr. 12 („Edelstahl ohne Edeldividende“). Auch die Antworten der Verwaltung gingen nicht über das hinaus, was bereits auf der Pressekonferenz erörtert und von uns mitgeteilt worden war. Die Schutzvereinigung erklärte, daß sie natürlich nichts gegen die Ertragsbeteiligung der Belegschaft hätte. Sie müsse aber auf einen gerechten Verteilungsschlüssel des Ertrages Wert legen. Im Falle Edelstahl sei das Mißverhältnis der Ertragsbeteiligten nicht mehr zu verantworten. Keine Verwaltung sei berechtigt, soziale Zuwendungen in jener Millionenhöhe derart einseitig zu Lasten der Eigentümer zu machen. Die Handhabung des § 125 des Aktiengesetzes bedürfe einer sehr ernsten Überprüfung. Die Feststellung des Jahresabschlusses habe nach pflichtgemäßem Ermessen zu erfolgen. Bei Edelstahl sei nach Meinung der Schutzvereinigung das Ermessen verletzt worden, denn die Verwaltung habe offensichtlich zum Nachteil der Aktionäre gehandelt. Die Schutzvereinigung werde daher erwägen, ob der Rechtsweg beschritten werden solle.

insgesamt stimmten gegen die Verteilung der Dividende von 8 (?) v. H. von den anwesenden 32,5 Mill. DM Aktien (mit 324 656 Stimmen) 1344 Stimmen bei 1443 Stimmenthaltungen. gegen die Entlastung des Vorstandes sprachen sich 2081 Stimmen, gegen die des Aufsichtsrates 2115 bei 32 Enthaltungen aus. Gegen alle Beschlüsse wurde von der Schutzvereinigung Protest zu Protokoll gegeben, In den AR wurde einstimmig Bergassessor a. D. Sohl (August Thyssen-Hütte) neu zugewählt Bei der ATH liegt künftig die Aktienmajorität der DEW.

Der AR-Vorsitzer Dr. Gehm erwiderte auf die Kritik bezüglich Feststellung des Jahresabschlusses. daß die Verwaltung ernsthaft überlege, ob in Zukunft dieses Recht wieder in die Hände der Hauptversammlung gelegt werden könne. Er sei der Auffassung, dies sei eine positive Geste gegenüber den Aktionären, Auch bei den Satzungsänderungen kam die Verwaltung den Wünschen der Schutzvereinigung und anderer Aktionäre nach; sie verpflichtete sich bindend, den Aktionären den Geschäftsbericht vor der Hauptversammlung zuzustellen und nach Möglichkeit eine konsolidierte Bilanz aufzustellen, wenn die Tatbestände dafür völligen. 11.