Die Stahlwerke Südwestfalen AG, Geisweid, mit 16 v. H. der zweitgrößte Edelstahlerzeuger der Bundesrepublik und im Zuge der Entflechtung aus Edelstahlbetrieben der Altkonzerne Hoesch, Klöckner und Stahlverein zusammengefügt, hat per 30.September 1956 mit einer Wert-Umsatzerhöhung um 23,3 v. H. auf 418 (339) Mill. DM bei einer Versandsteigerung an Walzstahlfertigerzeugnissen um 15 v. H. auf 460 000 t gut gearbeitet. Obwohl die Ertragslage bei Südwestfalen aus Standortsgründen nicht gleich günstig wie bei DEW-Krefeld ist, beteiligt die Verwaltung ihre Aktionäre mit einer 9 (8) v. H.-Dividende auf 40 Mill. AK angemessener am Ertrag, als die Krefelder Edelstahlwerke es taten. Diese kapitalmarktbetonte Politik verdient besonders hervorgehoben zu werden.

Auf einer Pressekonferenz gab der Vorsitzer des Vorstandes, Karl Bar ich, einige Einzelheiten zu dem Türken-Geschäft. Am 14. November 1956 war zwischen Südwestfalen und einem staatlichen Betrieb der türkischen Stahl- und Maschinenindustrie eine Gemeinschaftsgesellschaft gegründet worden, woran Südwestfalen 51 v. H. besitzt. Dieses Gemeinschaftsunternehmen hat die Aufgabe, den einzigen türkischen Edelstahlbetrieb in Kirrikalle von zur Zeit 12 000 auf 30 000 Jahrestonnen auszubauen. Zugleich ist ein Beratungsvertrag, sodann ein Exportvertrag und ein bemerkenswertes Lohnveredelungsgeschäft abgeschlossen worden. Die Türkei liefert Schrott und erhält dafür im Gegenwert aus der Südwestfalen-Produktion Qualitäts- und Edelstähle.

Die eigene Südwestfalen-Produktion basiert zur Zeit auf einer Rohstahlerzeugung von 340 000 (282 000) t (+ 20,7 v. H.). Sie dürfte im laufenden Geschäftsjahr auf 360 000 t, bis 1958 auf 400 000 bis 420 000 t kommen. Zugleich erweitert sich die Elektrostahlerzeugung von gegenwärtig 42 000 t jährlich auf 80 000 bis 90 000 t. Der Schwerpunkt der Südwestfalen-Produktion liegt in Edelstahlen der mittleren Qualitätsgruppe, also bei Baustählen, Stabstählen, Walzdraht, Warmband und Blechen, über die bisherige Planung hinaus soll die Rohstahlkapazität zunächt nicht mehr erweitert werden, teilte Hüttendirektor Barich mit, wohl aber wäre bei Warmband und Blechen noch einiges in der Planung, wobei die Tendenz zur Herstellung höherwertiger Sorten geht.

Das Investitionsprogramm bleibt bei etwa 40 Mill. DM für jeweils zwei Jahre. Obwohl das Unternehmen keine eigene Kohlenbasis hat und seine Energiegrundlage überwiegend auf US-Kohle, ferner auf monatlich etwa 1000 t Heizöl, sodann auf erhebliche Mengen Ferngas der Ruhrgas AG beruht, ist weder an einen Konzernanschluß noch an den Bau eines zweiten Hochofens zur verstärkten Roheisen- und Stahleisenerzeugung gedacht. Letzteres würde wegen der Brennstoffabhängigkeit unwirtschaftlich sein. l t.