Die Jugendbuch-Autoren stehen immer vor der großen Aufgabe, die Qualität des Erzählerischen durch die Zuverlässigkeit des Sachlichen zu unterstützen. Das Resultat, eine Mischung aus Sachbuch und Erzählung, kann den jugendlichen Leser unterhalten und ihm unmerkbar eine Menge Bildungsgut mitgeben, wenn der Grundsatz „Spielend lernen“ geschickt angewandt wird. Dieses Ziel wird angestrebt mit dem Buch:

„Tiere, erlebt und belauscht – Tiergeschichten aus aller Welt.“ Herausgegeben von Hans Wilhelm Smolik. Bertelsmann Verlag; 280 S., 6,80 DM.

Diese Sammlung von Tiererzählungen, die jeweils durch einen „sachlichen“ Anhang ergänzt werden, nennt der Verlag einen „neuen Typ des Jugendbuches“. Aber kann man eine Aneinanderreihung von Erzählungen und gehobenen Naturkundebuchtexten schon als „neu“ und „eigenartig“ bezeichnen? Die Auswahl der Erzählungen ist hier nicht einmal sehr glücklich. Neben Ausgezeichnetem von Kipling („Rikki-Tikki-Tavi“), London („Jerry schließt Freundschaft“), Kearton („Hochzeit bei den Pinguinen“), Smolik („Der sterbende Gänserich“) und anderen stehen Belanglosigkeiten wie „Goldhähnchen auf der Reise“ von Soffel-Rutz oder „Der Rückenschwimmer“ von Küttner. In die Auswahl haben sich zu viele Lesebuchgeschichten – im schlechten Sinne des Wortes – eingeschlichen. Das ist deutsche Feld-, Wald- und Wieseninnigkeit. Da murkst die Schnepfe, knorzt die Eiche und ruckst der Tauber, da ruhen Goldköpfchen traumselig in des Schöpfers Hand und es tönt wie von hohen feinen Glöckchen. Sollte das daran liegen, daß an der Buchreihe Mein Bücherschatz, dessen erste Veröffentlichung die Tiererzählungen sind, ein pädagogischer Beirat mitwirkt? Ein Beirat, der fast zu fünfzig Prozent aus Schulräten besteht?

Die Bilder der Illustratoren Herbert Thiele, Marianne Scheel und Walter Dressler sind das Beste an diesem Buch. Sie sind naturwissenschaftlich sorgsam, ansprechend und künstlerisch einwandfrei, dazu noch zahlreich und teilweise sogar farbig. u. k.