Das Dritte Programm des NDR, sonst dem Geiste sehr zugetan, hat sich am vergangenen Sonnabend dem Magen oder besser: dem Gaumen verschrieben. Diese Sendung, deren dreifach gestufter Titel sich dreimal vergeblich bemühte, das eigentliche Thema des Abends zu umreißen ("Ein Ziegenkäse und drei Orangen" oder Die Üppigkeit des Lebens". Eine Betrachtung zur Psychologie des Genusses), stand unter Kants ironisch ernstem Wort: "Man würde auf dem Sklavenmarkt von Algier wohl nur einen geringen Preis für einen gelernten Philosophen erzielen, einen hohen jedoch für einen gelernten Koch " Ein gewiß nicht gelernter, dafür aber urn so passionierterer Koch, der Schriftsteller Gregor von Rezzori nämlich, nahm als erfahrener maitre de cuisine seine Hörer an die Hand und leitete sie i wei Stunden lang durch das Zauberreich der Tafelfreuden. Dabei geriet er zuzeiten ein wenig ins Spintisieren, und ab und an unterlief ihm wohl auch eine überflüssige Geistreichelei — dodrgedieh ihm alles in allem eine Sendung, die kurzweilig und informativ war, die aber noch gewonnen hätte, wäre sie dreißig Minuten kürzer gewesen. In einer Zeit, in der die kulinarischen Genüsse von einst "im Massengrab der Konservendosen" zu versinken drohen, war es von hohem Reiz, die be rühmten Feinschmecker der Geschichte Revue passiereri zu lassen und sich — jedenfalls in der Vorstellung — von etlichen Dutzend Gerichten den Gaumen kitzeln zu lassen. Versteht sieh, daß dabei zugleich der Bannstrahl der Verachtung auf jene Vielesser und Leckermäuler herniederzuckte, deren Menüs nicht kunstfertig und bedachtsam, sondern mit gedankenloser Üppigkeit zusammengestellt sind. Für sie, die bloßen Mengenvertilger und Schlemmer, war gewiß auch nicht die schöne Bibliographie der Kochbüdser gedacht, die Gregor von Rezzori seinen Hörern empfahl, die Kochbücher , nach denen man beileibe nicht kochen, sondern die man nur lesen, von denen tnan seine lukullische Phantasie beflügeln lassen soll. G. Donnerstag, 4. April, 20 45 Uhr: Jean Giraudoux Szene für das Theater über das Theater "Impromptu de Paris", übertragen aus dem wiedereröffneteii "Kleinen Haus" am Zoo in Frankfurt.

Sonnabend, 6. April, 20 30 Uhr: "Die Gangster von Valence", ein Fernsehspiel von Wolfgang Ebert. Sonntag, 7. April, 20 Uhr: Eine Komödie Lope de Vegas liegt Georges Neveux "Bei Tag und Nacht" zugrunde.

Dienstag, 9. April, 20 15 Uhr: Ein Filmbericht von Peter Dreesen und Dieter Riwola über die ehemalige britische Kolonie "Goldküste". 20 50 Uhr: Ugo Bettis Schauspiel "Korruption" in Fernsehfassung. Donnerstag, 4. April, 21 Uhr vom SWF: "Ja und Nein" heißt eine Hörfolge von Gerhard Marx Mechler über den Skeptiker, Moralisten und Satiriker Alfred Polgar.

20 00 Uhr vom NDR, UKW: Aus dem 3. Programm wird die Vortragsreihe Carl Friedrich vori Weizsäckers "Atomenergie und Atomzeitalter" übernommen. 20 15 Uhr, NDR, 3. Programm: Paul Sethes "Kommentar zur Wiedervereinigung". 20 30 Uhr vom NDR: Horst Mönnichs Hörspiel Die Furcht hat große Augen". 20 40 Uhr, NDB, 3. Programm: Strawinskijs "Danses concertantes". 21 00 Uhr, NDR, 3. Programm: Monolog über das Wesen des Feuilletons "Die Sphinx ist, nicht tot" nach dem Buch von Max von Brück von Sebastian Müller. 21 20 Uhr ans Saarbrücken: "Kammermusik" von Stamitz und Telemann, dar§eboten vom Saarländischen Kammerorchester. 23 00 Uhr von WF: Prof. Erich Przywara kommentiert Die christlichen Grundfragen". 23 00 Uhr aus Frankfurt: Im "Studio für Neue Musik" Werke von Hans Werner Henze.

Freitag, 5. April, 19 45 Uhr vom NDR: Georg Friedrich Handels zweites Oratorium "Samson" in Aufnahme eines öffentlichen Konzerts aus der Hamburger Musikhalle unter Leitung von Wilhelm Schüdirer.

20 00 Uhr vom NDR, 2. Programm: Der 38. Abend für junge Hörer" steht unter dem Thema "Die schweigende Generation". 20 15 Uhr, NDR, 3. Programm: Alban Bergs "Lyrische Suite für Streichquartett", aufgeführt vom Vegh Quartett. 21 00 Uhr aus Frankfurt: Puccinis musikalisches Drama "Der Mantel". Dirigenti Kurt Schröder. 21 15 Uhr vom RIAS II: Ein "StrawinskijKonzert". 22 15 Uhr: Von Wolfdietrich Schnurre: "Was ich behalten habe 22 30 Uhr ans Bremen: In der Reihe "Die schöne Stimme" singen Irmgard Seefried und Anton :Öermota Lieder von Schubert, Hugo Wolf und Richard Strauß. 22 30 Uhr vom SWF: Im "Abendstudio" analysiert Peter Cpulmas ein Modewort: "Der Konformismus des Non Konformisten". 22 30 Uhr aus Stuttgart: "Heil und Unheil der Ekstase I", ein Manuskript aus dem Nachlaß Clemens ten Holders, eingeleitet durch einen biographischen Essay von Karl August Goetz.

Sonnabend, 6. April, 20 35 Uhr, NDR, 3. Programm: Von den neun Musen, den Schutzgöttinnen der Kunst, berichtet die Sendung: "Musen, mit euch beginn ich " 15 30 Uhr aus Frankfurt: Eine Reportage von der nordamerikanischen Antarktis Expedition von G. S. C. Schenke und Frederic Buch Wie sieht es auf dem Südpol aus?" 17 35 Uhr vom WDR, 2. Programm: Manuel de Pallas Ballett "Der Dreispitz" dirigiert Ernest AnseTmet. 20 45 Uhr vom WDR, UKW U: Jean Anouilhs Komödie Der Herr Ornifle". 21 00 Uhr aus Frankfurt, 2. Programm: "Die Musik im Werke Thomas Manns", von Heinz Prjngsheim. 22 45 Uhr vom RIAS I: In den "Klangbildern aus USA" Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Sonntag, 7. April, 21 Uhr aus Saarbrücken: Franz Schrekers erstes Bühnenwerk, die Oper "Der ferne Klang", an drei Abenden; der zweite Akt folgt am Dienstag, 9 4, 21 Uhr, der 3. Akt am Donnerstag, 21 Uhr.