Viel ist in den vergangenen Jahren über den Wahnsinn der nationalsozialistischen „Ostpolitik“ geschrieben, viel aber auch schon wieder vergessen worden. Was weiß zum Beispiel die jetzt heranwachsende deutsche Generation über die Methoden, mit denen Hitler und Himmler die von den deutschen Soldaten eroberten Gebiete im Osten „kolonisieren und germanisieren“ wollten? Die Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte haben sich bewußt die Aufgabe gestellt, auch die dunkelsten Kapitel unserer jüngsten Vergangenheit dem Vergessen zu entreißen und auf den Tafeln der Geschichte festzuhalten. Gelegentlich geschieht das durch die Veröffentlichung von Originaldokumenten, bei denen sich jeder Kommentar erübrigt. Ein solches Dokument ist die Denkschrift Himmlers über „Die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten“, die im 2. Aprilheft der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte erscheinen wird und die wir ungekürzt hier veröffentlichen. Wir tun das nicht, damit jeder Deutsche, der künftig mit einem Polen über die Oder-Neiße-Linie spricht, sein Haupt in Scham verhülle, sondern damit er klar erkenne, wer die Körner des Hasses gesät hat.

Der Reichsführer-SS Sonderzug, 28. Mai 1940

Geheime Reichssache!

Am Sonnabend, den 25. d. Mts., gab ich dem Führer meine Niederschrift über die Behandlung der Fremdvölkischen im Osten. Der Führer las die 6 Seiten durch und fand sie sehr gut und richtig. Er gab jedoch die Anweisung, daß sie nur in ganz wenigen Exemplaren vorhanden sein dürfe, nicht vervielfältigt werden dürfe und ganz geheim zu behandeln sei. Minister Lammers war ebenfalls anwesend. Der Führer wollte, daß ich Generalgouverneur Frank einmal nach Berlin bäte, um ihm diese Niederschrift zu zeigen und ihm zu sagen, daß der Führer das für richtig hielte.

Der Reichsführer-SS:

(Stempel) Geheime Reichssache!

Einige Gedanken über die Behandlung