1924 heben mit dem "Frührot" die Lebensbücher und Dichtungen an. Dem "Frührot" folgt 1927 die "Ewig grünende Tanne", 1932 der "Weite Weg", 1935 die "Heimkehr", 1938 das "Gespräch vom Glauben", im selben Jahre die "Wunderbare Veit", die "Hand Gottes" und "Im Kreis verbunden" 1940 die Vaterunser-Schrift, ferner "Käuze und Schelme", "In der Höhle" (1950 erschienen) und das "Unbekannte", 1941 das "Buch Wanderschaft", 1943 "Stiegel, der Holzhauer", 1948 die Erinnerungen "Aus zwanzig Jahren", und zu Weihnachten 1956 hat der Wittig-Verlag, welcher jetzt alle Werke Winnigs verlegt, die ersten Kapitel aus dem nachgelassenen "Tyrstein" abgedruckt (in seinem Almanach für 1957).

Kein fließender Brunnen mehr

Nicht, als ob die politischen Bücher und Gedanken 1924 mit einem Rucke geendet wären. 1928 erscheint der Bericht über Winnigs "400 Tage Ostpreußen", 1928 das "Reich als Republik" und 1937 "Europa". Aber das ist ein Auslaufen und Abschließen, kein Weiterschöpfen aus einem fließenden Brunnen.

Und die Schriften, die um das Schicksal des Arbeiters kreisen – 1924 der "Glaube an das Proletariat" und 1930 "Vom Proletariat zum Arbeitertum" – beginnen wohl bei der politischen Frage und dem politischen Bestände, aber sie antworten bereits nicht mehr politisch, sondern erst historisch und dann gläubig. Insofern bekunden sie auf besondere Weise den Weg Winnigs noch einmal.

Es lohnt, diesen Weg nachzugehen. Denn noch überwiegt die Zahl derer, die im Denken und Handeln politisch verstrickt sind, noch täuscht das heraufgezogene westliche Wirtschaftswunder über den geistigen und sittlichen Zusammenbruch Europas hinweg; aber das verspielte Erbe wird einmal die Schuldanerkenntnis, von jedermann einfordern; und da darf denen, die das Weltgericht an diesem Tage Auge in Auge vor das Nichts stellen wird (an dem sie 1945, wie die Gegenwart zeigt, noch vorbeizusehen vermocht haben), nicht vorenthalten werden, auf welche Weise August Winnig aus dem jeglicher Hoffnung baren Dickicht der politischen Niederung zur freien Ebene seines Denkens und Glaubens gefunden hat: auf neue Weise fragend und sehend nämlich und nicht anders. Denn dem recht, dem neu, dem wahrhaft Fragenden fällt die Antwort zu, die er sucht. Die rechte Frage führt zum Schlüssel. Das offene Tor dann ist Gnade. Hier haben wir es mit August Winnigs Fragen zu tun und wollen uns bei ihnen bescheiden. Wir sind gewiß, ihm mit dem Hinweise auf diese Fragen zu seinem ersten Geburtstage, an welchem er nicht mehr unter uns weilt, die Ehre zu erweisen, die ihm gebührt, soweit das in einem Aufsatz möglich ist. Wie also hat August Winnig seine Zeit aufgenommen? Was hat ihm diese Zeit gelehrt?

Winnig hat sich als Sohn eines Handwerkers und als Erbe eines Handwerkes vorgefunden, dem seine Vorfahren im niedersächsischen Blankenburg am Harz durch mehr als vier Jahrhunderte nachgegangen sind. Er hat erlebt, wie die heraufkommende technisch-industrielle Wirtschaft seinen Vater enterbt hat; das Handwerk wird für nichts erachtet, und der Handwerker wird proletarisiert.

Der schöpferische Akt zerstört