Mit einem großen „internationalen Jagdprogramm“, das mit dem, Reiseprogramm „Besuch der alten Heimat“ verbunden werden kann, wartet das staatliche tschechische Reisebüro in diesem Jahr auf. Die „ehemaligen Landsleute“, wie die aus der Tschechoslowakei vertriebenen Deutschen bezeichnet werden, erhalten bei einer Besuchsreise in ihre alte Heimat einen besonders günstigen Wechselkurs eingeräumt, wobei jedermann als Einzel- oder Gesellschaftsreisender solange in der CSR bleiben kann, wie er möchte – das heißt, solange er Devisen mitbringt.

Auf die devisenschweren Touristen hat man es besonders mit dem Jagdprogramm abgesehen. Das Wild ist in den letzten Jahren so sehr geschont worden, daß es stellenweise bereits zu einer Landplage wurde. In der Slowakei werden gegenwärtig die Spuren starker Bären und abschußreifer Mufflons ausgekundschaftet. Ein Urlaubsjäger erhält bei der Einreise ein Gewehr einschließlich Jagdbegleiter, der die zum Teil außergewöhnlich hohen Abschußprämien gleich einkassiert. Diese Prämien – in US-Dollar bezahlt – betragen für einen mittleren Hirsch 3000 bis 4000 Mark, für ein Wildschwein 750 bis 1260 Mark, der Abschuß eines mittleren Rehs kostet 200 bis 360 Mark, einer Ente 90 Mark.

Petrijünger erhalten für den Forellenfang eine Lizenz zum Preise von zehn Mark und bezahlen außerdem eine Prämie von drei Mark für jeden gefangenen Fisch. Bei Abschuß eines Wolfes jedoch erhält man 1000 tschechische Kronen vergütet; denn Wölfe sind längst zu einer gefährlichen Landplage geworden. Insgesamt ist für das internationale Jagdprogramm ein Zehntel des Wildbestandes freigegeben worden, wovon sich die CSR einen Devisengewinn von zwei Millionen Dollar erhofft. Nachfrage und Andrang der westlichen Hubertusjünger ist überraschend groß, besonders aus England, Frankreich und Schweden. Aber auch das Hannoversche Reisebüro Fröhlich, das speziell Reisen in die Ostblockstaaten vermittelt, verzeichnet so viele Anfragen, daß es zum Herbst ganze Jagdgesellschaften für die Tschechoslowakei zusammenstellen will.