Auf Grund sehr sorgfältig durchgeführter Berechnungen und Schätzungen kommt die Bank deutscher Länder in ihrem soeben veröffentlichten Monatsbericht für März zu einer präzisen Angabe für die im zweiten Quartal 1957 zu erwartende Zunahme der Masseneinkommen. Sie wird mit 3 Mrd. DM etwa doppelt so hoch sein wie in der gleichen Zeit des Vorjahres; dabei entfällt die Zunahme je hälftig auf die Rentenerhöhungen und auf die gewachsenen Arbeitseinkommen, die hier natürlich nur mit ihrem Nettobetrag berücksichtigt werden: also nach Abzug der – progressiv wachsenden – Steuern und der heraufgesetzten Sozialabgaben. Das also ist die Größenordnung des nun zu erwartenden „Konsumstoßes“, für den Handel und Produktion schon seit Januar – durch höhere Aufträge und wachsende Fertigung – Vorsorge getroffen haben. Zur Frage, ob es möglich sein wird,

„die Produktion dieser und der weiteren Entwicklung des Verbrauchs ohne Reibungen anzupassen“,

sagt der Bericht mit betonter Vorsicht: Das werde sicher nicht leicht sein ... Denn die Produktionskapazitäten seien in den meisten Sparten weitgehend ausgelastet; dazu werde der „Engpaß Arbeitskraft“ durch die fortschreitende Verkürzung der Arbeitszeit immer fühlbarer. Es komme für die weitere Entwicklung sehr darauf an, daß nicht gleichzeitig mit dem privaten (Massen-) Verbrauch „auch die übrigen Ansprüche an das Sozialprodukt wachsen“, also vor allem diejenigen aus Investitionen und aus dem staatlichen Verbrauch. Was den Investitionsbereich angeht, so wird an anderer Stelle des Berichts gesagt, daß die Lage nach wie vor labil sei; man müsse sorgfältig beobachten – vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen des wieder kräftig angeheizten sozialen Wohnungsbaues –, „ob die Entwicklung der Investitionstätigkeit auf die Gesamtkonjunktur weiter dämpfend wirken wird, wie das seit der Mitte des vergangenen Jahres offensichtlich der Fall war.“

Das ist, alles in allem, eine ebenso sorgfältige wie vorsichtige Analyse der konjunkturellen Situation, gegen die wohl von keiner Seite etwas einzuwenden sein wird. Anders steht es freilich mit dem Ausblick, den das Bundesministerium für Wirtschaft in seinem gleichfalls Ende März veröffentlichten (Februar-)Monatsbericht gibt. Da wird nämlich gesagt:

„Die ... Nachfragewelle stößt auf ein Angebot, das aus der inländischen Produktion allein nicht so stark erhöht werden kann, wie es notwendig wäre, um einen weiteren Preisauftrieb zu verhindern.“

Zur Begründung heißt es: Die Kapazitäten „der“ Verbrauchsgüterindustrie seien bereits gegenwärtig weitgehend ausgelastet; die Auftragsbestände wüchsen, und die Lieferfristen würden länger... In dieser Verallgemeinerung auf die gesamte Verbrauchsgüterindustrie trifft das Gesagte sicherlich nicht zu. Welche Sparten sollen denn, nach Ansicht des Ministeriums, speziell von der Übernachfrage bedroht sein? Das möchten wir, gern wissen ... Solange nämlich eine derartige Spezifizierung fehlt, besteht einige Besorgnis, daß globale Urteile gerade das hervorbringen, was vermieden werden muß und kann: den „Run“ auf die Ware, den Verkäufermarkt, das Effektivwerden der Übernachfrage! Hier scheint uns die psychologische Beeinflussung der Konjunktur genau vom falschen Ende her einzusetzen, und das „ohne Not“. Denn die jüngste Entwicklung der (privaten) Spareinlagen zeigt, daß die Bereitschaft zum Sparen, die im letzten Sommer und Herbst, zumal unter dem Einfluß von „Suez“, bedenklich nachgelassen hatte, jetzt wieder „da“ ist: die persönlichen Spareinlagen haben (im Februar) kräftig zugenommen; ihr Zuwachs war (endlich!) wieder so groß wie im Vorjahr. E. T.