In ihrem neuesten Bericht weist die International Cooperation Administration (ICA) darauf hin, daß die Länder des Ostblocks in den letzten drei Jahren ihre Beteiligung an internationalen Messen und Ausstellungen verdreifacht haben, während sich in den Ländern des Westens in steigendem Maße eine gewisse „Messemüdigkeit“, zumindest aber ein Bestreben zur Rationalisierung des Messewesens bemerkbar macht.

Im Jahre 1954 beteiligten sich die Ostblock-Länder erst an 60 Messen und Ausstellungen in allen Teilen der Welt; 1955 belief sich diese Beteiligung aber bereits auf 149 und im vergangenen Jahr sogar auf 187. In diesem Jahre werden es über 200 Messen und Ausstellungen sein, die vom Ostblock beschickt werden. Stellten die Staaten des Ostblocks 1954 erst in 23 Ländern des Westens aus, so waren es 1955 schon 32 und 1956 bereits 35 westliche Länder; in diesem Jahre wird diese Zahl auf 40 Länder des Westens ansteigen. Allein Polen nimmt in diesem Jahr an den internationalen Messen von Hannover, Paris, Casablanca, Saloniki, Zagreb, Tunis, Sao Paulo und Rio de Janeiro teil, neben den bereits erfolgten Beteiligungen in Wien, Frankfurt und Leipzig.

Der Charakter der östlichen Messe- und Ausstellungsbeteiligungen hat sich seit dem vergangenen Jahr erheblich gewandelt, weil die reine Propagandawirkung, auf die insbesondere die Beteiligungen in den wirtschaftlich unterentwickelten Ländern abgestellt waren, in den Hintergrund getreten ist. Heute ist auch der Osten in erster Linie auf das Geschäft und die Geschäftsanbahnung bedacht; das zeigte sich z. B. Ende vergangenen Jahres in Kalkutta, wo die Tschechoslowakei beträchtliche Abschlüsse über Maschinen, Dieselgeneratoren, Pressen, Lastwagen, Raupenbagger und Traktoren tätigen konnte.

Unter diesen gegebenen Voraussetzungen wird der Westen seine „Messemüdigkeit“ – vor allem im außereuropäischen Bereich – schnell überwinden müssen, falls er vom Osten nicht überrundet werden will. Allerdings dürfte es für die freie Wirtschaft des Westens nicht ganz leicht sein, der Ausstellungsoffensive des Ostblocks wirksam zu begegnen, weil der Osten für seine Messeinitiative bedeutende staatliche Mittel zur Verfügung stellen kann. Willy Wenzke