Da die bisherigen sechsprozentigen Pfandbriefe künftig ohne Steuerbegünstigungen zum bisherigen Ausgabekurs von 94 v. H. nicht mehr absetzbar sein werden, haben einige Realkreditinstitute jetzt 7,5prozentige Pfandbriefe emittiert. Weitere Hypothekenbanken werden folgen. Wenn bislang von dieser Seite bewußt auf eine marktgerechte Inanspruchnahme des Kapitalmarktes verzichtet wurde, dann einmal mit Rücksicht auf Wohnungsbau und Landwirtschaft, die höhere Kosten nur schwer auf die Preise abwälzen können, und zum anderen in der Hoffnung, daß mit einer langanhaltenden Schonung des Kapitalmarktes der Zins wieder sinken würde. Da das letztere nicht eingetreten und für die nahe Zukunft auch nicht zu erwarten ist, wollen sich die Hypothekenbanken jetzt mit „marktgerechten“ Konditionen an den Sparer und vor allen Dingen an die Kapitalsammelstellen heranmachen. Was das für den Wohnungsbau bedeutet, hat die Pfälzische Hypothekenbank AG, Ludwigshafen, in ihrem Geschäftsbericht für 1956 ausgerechnet: Eine Zinserhöhung von 1 v. H. auf eine erste Hypothek entspricht etwa 6 bis 7 v. H. der Mieten eines Wohnhauses, so daß also bei 2 v. H. Zinserhöhung die Hausunkosten um jährlich etwa 14 v. H. wachsen. Dazu schreibt die Bank: „Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des sozialen Wohnungsbaues unter Einsatz von Mitteln des freien Kapitalmarktes wäre also bei einer solchen Zinserhöhung, daß entweder auch die Mieten entsprechend erhöht werden oder daß der Staat sich bereit erklärt, zusätzliche Subventionen zu gewähren, soweit eine Mieterhöhung aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht tragbar erscheint. Diese Voraussetzungen waren bisher nicht gegeben.“

Das ist die eine Seite des Problems. Ein höherer Pfandbriefzins wirft aber gleichzeitig die Frage auf, was denn mit den niedriger verzinsbaren Emissionen geschehen soll? Ließe man sie zu unveränderten Kursen notieren, dann würden praktisch die alten Pfandbriefe gegen die neuen getauscht werden. Damit ist kein neues Kapital gewonnen. Im vergangenen Jahr mußten daher die Hypothekenbanken trotz einer großzügigen und mit Verlusten verbundenen Kurspflege die Bewertungen ihrer älteren Emissionen zurücksetzen, um wenigstens einigermaßen Anschluß an die höheren Renditen der Industrieobligationen zu finden. Aus einer dem Geschäftsbericht der Deutsche Hypothekenbank (Actien-Gesellschaft), Berlin-Hannover, beigefügten Tabelle ist zu entnehmen, daß vierprozentige steuerfreie Pfandbriefe im vergangenen Jahr von 92 auf 78 v. H. zurückgenommen werden mußten. Steuerfreie fünfprozentige Papiere . fielen von 101 1/2 auf 92 v. H. Das sind Einbußen, die schwer am Vertrauen der Pfandbriefsparer zehren. Sie sind am ehesten durch eine sorgfältige Placierung zu vermeiden, aber kaum durch Kursstützungen. Der Absatz von Hypotheken-Pfandbriefen und Kommunalobligationen ist nach dem Ausfall der öffentlichen Kapitalsammelstellen (Rentenreform) noch schwieriger geworden. Das ist um so beunruhigender, als der Anteil der Verkäufe an Private – wie im Geschäftsbericht der Deutschen Hypothekenbank festgestellt wird – im letzten Jahr rückläufig war. Die Realkreditinstitute stehen jetzt vor einer völlig neuen Situation; sie können nur hoffen, daß bald etwas geschieht, um das Sparen auf lange Sicht wieder interessant zu machen.

Die Misere am Kapitalmarkt schlägt sich in den Gewinn- und Verlustrechnungen der Hypothekenbanken noch nicht nieder. Im Gegenteil, die Abschlüsse sind recht erfreulich. Nach der Frankfurter Hypothekenbank, die 10 (9) v. H. für 1956 zahlt, hatten auch die Hypothekenbank in Hamburg und die Rheinische Hypothekenbank, Mannheim, die Heraufsetzung ihrer Dividende auf 9 (8) v.H. angekündigt. Die Deutsche Centralbodenkredit-AG, Berlin-Köln, schlägt 8 (7) v.H. für 1956 vor. – Die Pfälzische Hypothekenbank zallt wieder 8 v. H. auf das dividendenberechtigte Kapital von 5 Mill. DM. Das aus der Kapitalerhöhung um 2,5 Mit. DM neue Kapital ist erst ab 1. Januar 1957 dividendenberechtigt. Aus dem Gewinn wurden vorweg 1,1 Mill. DM dem gesetzlichen Reservefonds zugewiesen. Der Gesantumlauf an Pfandbriefen, Kommunalobligationen und deckungspflichtigen Globaldarlehen belief sich am 31. 12. 56 auf 318 Mill. DM. – Die Deutsche Hypothekenbank AG, Berlin-Hannover, verteilt ebenfalls wieder 8 v. H. für 1956. Die jungen Aktien erhalten erstmalig eine anteilige Dividende ab 1. 4. 56. Den Rücklagen wurden 1 Mill. DM zugeführt. Die Bilanz weist Schuldverschreibungen und aufgenommene langfristige Darlehen mit 244,92 (187,74) aus, während die langfristigen Anleihen auf 210,50 (164,24) Mill. DM zugenommen haben. Bei der Deutschen Centralbodenkredit-AG‚ Berlin-Köln, gestatten die Erträge, die Dividende von 7 auf 8 v. H. zu erhöhen, sowie der gesetzlichen Rücklage 2 Mill. DM zuzuführen, so daß nunmehr ein haftendes Gesamtkapital von 26 Mill. DM geschaffen worden ist. Die Bilanzsumme hat sich von rund 800 auf 874 Mill. DM ausgeweitet. – Auch die Rheinisch-Westfälische Boden-Credit-Bank in Köln (Rheinboden) nahm im Berichtsjahr 1956 eine Stärkung ihrer Rücklagen vor. Die gesetzlichen Reserven wurden um 2 Mill. auf 6 Mill. DM erhöht. Die Dividende wurde mit acht v. H. unverändert gelassen. d t