Der Monat März ist für das Wertpapiergeschäft überraschend erfreulich verlaufen. Trotz Steuertermin, Preusker-Sparen und Quartalsultimo lag der Aktienmarkt durchgehend freundlich. In vielen Werten waren die Kursgewinne nicht einmal unbeträchtlich. Gerade diese Tatsache dürfte es gewesen sein, die das Interesse der Bankenkundschaft am Wertpapier wieder vergrößert hat, so daß sie mehr als sonst bereit war, die zum Kupontermin am 1. April freigewordenen Gelder dem Kapitalmarkt zu belassen. Nutznießer dieser Haltung waren in erster Linie die Aktien; am Rentenmarkt hält die Stagnation dagegen noch an, wenngleich bei den achtprozentigen Industrieobligationen und den vierprozentigen Pfandbriefen ebenfalls einige Anlagekäufe zu beobachten waren. Da die achtprozentigen Pfandbriefe durchweg leicht über 98 v. H. notieren, dürfte der Neuabsatz dieser Papiere (vor allem der ersten Tranche der Phoenix-Rheinrohr-Anleihe) nicht allzu schwierig werden. Das gilt jedoch nur, solange dasAngebot nicht massiert auf den Markt geworfen wird. Bedauerlicherweise scheinen die Kommunen bereits wieder Morgenluft zu wittern. Sie versuchten an der – weitgehend durch die Dividendenfreudigkeit der Privatwirtschaft–gebesserten Kapitalmarktlage teilzuhaben. Man sollte meinen, daß sich diese Gruppen bescheiden müssen, bis der Staat durch eine Revision der Steuergesetzgebung das Seine zur Gesundung des Kapitalmarktes getan hat. In den letzten Tagen lag bei den Aktien das Hauptgeschäft am IG-Farbenmarkt. Einzelne Gesellschaften erzielten während der letzen Woche Kursgewinne, die über acht Punkte hinausgingen. Die Spekulation hat sich bei den großen Farbenunternehmen auf 10 (9) v. H. Dividende eingestellt. Ob sie damit richtig liegt, dürfte zumindest bei Bad. Anilin und bei Hoechst noch eine offene Frage sein. Selbst bei Mannesmann gingen die Ansichten über die Dividendenhöhe am Wochenanfang noch auseinander. Zwar spricht die Börse schon seit längerer Zeit von 10 (9) v. H., doch da gleichzeitig ein Bezugsrecht gewährt werden soll, durch das das AK dann auf 600 Mill. DM gebracht wird, warnen Bankenkreise vor einem allzu eifertigen Optimismus. Denn soll der Dividendensatz von 10 v. H. auch in den folgenden Jahren gehalten werden, dann müssen jährlich 60 Mill. DM für die Dividende, nicht ganz der gleiche Betrag für das Finanzamt und außerdem noch eine Summe für dividendenabhängige Bezüge der Belegschaft erwirtschaftet werden, also zusammen mehr als 100 Mill. DM. Das dürfte selbst einem gut im Geschäft liegenden Unternehmen, wie Mannesmann, nicht leicht fallen.

Besondere Aufmerksamkeit fanden, in der abgelaufenen Woche die Werte der Rheinstahlgruppe. Hier sind die Rekonzentrationsbemühungen noch nicht abgeschlossen. Rheinstahlaktien tendierten freundlich; Rhein.-Westf. Eisen zogen infolge Interessenkäufe von 169 auf 188 v. H. an. Ein weiterer Favorit war die Scheringaktie. Sie profitierte von der sich immer mehr abzeichnenden Bereitschaft der Amerikaner, das beschlagnahmte deutsche Auslandsvermögen eines Tages freizugeben. Wie schon oft, so ließ man sich hier auch von übertriebenen Erwartungen hinreißen; denn als zur Besonnenheit gemahnt wurde, da sank der Kurs ziemlich plötzlich von 290 auf 280 v. H. zurück. Spekulativ sind vorläufig ebenfalls noch die Käufe bei den Reichsbankanteilen (bis 69 3/4 v. H.). Das Gesetz der Reichsbankliquidation steht zwar auf der Liste der von diesem Bundestag noch zu erledigenden Punkte, aber damit ist über den Grad der Abfindung noch nichts gesagt. Immerhin scheint der im Wahljahr zur Generosität neigende Bundestag gewillt zu sein, den Weg der Fairneß nicht allzuweit zu verlassen.

An Bankenmarkt ist es merklich stiller geworden. Mit Überraschungen ist – nachdem die Dividenden weitgehend bekannt sind – nicht mehr zu rechnen. Unruhig bleibt lediglich die Commerzbankgruppe. Die Tatsache, daß der Bankverein zwischen 45 und 50 v. H. der Aktienkapitalien seiner beiden kleinen Schwestern im Besitz hat, scheint auf der einen Seite zu reizen, den fehlenden Rest an der Kapitalmajorität zu erwerben, während auf der anderen Seite sorgfältig darauf geachtet wird, daß sich der gegenwärtige Zustand nicht mehr verändert. Auf diese Weise wird die „Blockbildung“ natürlich verschärft, denn die kleineren Aktionäre haben sich weitgehend aus dem (in der Vergangenheit für sie vom Kurs her sehr nützlichen) Kampf herausgezogen.

Kaufneigung bestand auch für die Schiffahrtspapiere Hapag und Norddeutscher Lloyd. Dabei waren die Umsätze beim Lloyd nicht unbeträchtlich. (Das Hapag-Kapital befindet sich sehr stark in festen Händen.) Beide Reedereien müssen in diesem Jahr die endgültige Kapitalumstellung bekanntgeben. Außerdem steht beim Lloyd der Abschluß für 1955 noch aus. Es wird durchaus für möglich gehalten, daß die günstige Frachtenlage geeignet ist, die Entschlüsse bei der Kapitalbereinigung zu beeinflussen, wenngleich niemand in den nächsten Jahren Dividenden erwarten sollte. -ndt